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25/11/2015 04:27 CET | Aktualisiert 25/11/2016 06:12 CET

Das sind wichtige Grundsätze bei der Krisenbewältigung

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Deutschland, Europa, die ganze Welt stehen vor neuen Herausforderungen und stecken in schmerzlichen Krisen (Flüchtlinge, Terror). Doch wie meistert man sie und geht nicht unter?

Man bekommt sie nicht in den Griff, wenn die großen Häuptlinge der Politik in Shows immer rufen: „Yes wes can!" (Barack Obama) oder Angela Merkel "Wir schaffen das!" - aber es nicht mit Taten beweisen.

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Wie kann man Krisen bewältigten, welche Voraussetzungen dafür müssen die Mächtigen erfüllen? Sicher steht das Rezept nicht in irgendeinem Aktenordner, in Gesetzesparagraphen oder in Parteiprogrammen, auf die man zugreift, und alles läuft dann in Butter.

Krisensituation

Beantworten wir die Frage, in dem wir einen Fall durchspielen, den Sie hoffentlich nicht erleben werden: Sie wohnen mit Ihren Angehörigen in einem Haus, ruhig, abgelegen, ungestört. Eines Morgens, in der Morgendämmerung, wachen Sie auf, hören seltsame Geräusche im Haus und möchten das Licht einschalten.

Es geht nicht. Sie gehen ans Fenster und sehen im Morgennebel, was tatsächlich passiert ist. Ihr Haus steht einsam verlassen mitten im Wasser in einem unendlichen See. Eine plötzliche Flut hat Sie von der Welt abgeschnitten. Ihr Auto vor dem Haus ist längst untergegangen.

Wenn Sie jetzt in Panik verfallen und den Kopf verlieren, ist Ihr Ende sicher. Sie müssen cool und gefasst bleiben, erst die Tatsachen erfassen, dann vernünftig überlegen, Ihre nächsten Schritte planen, um sich und Ihre Angehörigen zu retten. Sie greifen zum Telefon und wollen Rettung holen. Das Telefon funktioniert nicht (natürlich ist der Akku leer).

Im Haus ist alles ruhig, alles schläft - nur das Wasser steigt unaufhörlich. Sie denken, dass alle die Katastrophe überleben möchten und fragen nicht nach unmenschlichen Obergrenzen oder Kontingenten. Sie wecken alle und sagen in Ruhe "Kommt, steht auf. Nehmt Eure Sachen und geht nach oben ins sichere Dachgeschoss!"

Not macht kreativ

Dann müssen Sie einen vernünftigen Plan machen, wie Sie ohne Auto und Telefon alle retten. Auf alle Fälle: Falls ein rettender Hubschrauber kommt, müssen Sie sich bemerkbar machen. Sie bitten einen Angehörigen, sich aus der Dachluke mit einer Notfahne bemerkbar zu machen. Notfahnen haben sie nicht. Not macht kreativ. Sie drücken ihm das nächste Bettlaken in die Hand.

Dann wollen Sie Rettung holen. Schwimmen scheidet bei dem kalten Wasser aus, Sie sind auch kein trainierter Langstreckenschwimmer. Doch das Wasser steigt. Sie können nicht warten, bis ein rettender Engel herbeifliegt.

Was tun? Nur nicht einen großen Parteitag starten oder im Fernsehen eine Talkshow abziehen. Sie allein müssen sich etwas einfallen lassen. Ein Boot wäre jetzt die Rettung, doch Fehlanzeige. Eine Bestellung bei Amazon oder Ebay scheidet aus. Das Rettungsboot kann ohne getäfelten Kapitäns-Salon sein. Ein Floß genügt. Dafür fehlen Holzstämme und Seile.

Eine große Rede auf dem Parteitag wird sie auch nicht sofort herbeischaffen. Sie müssen sich im Haus umschauen, was für ihr Floß als Material in Frage kommt. Schwimmfähiges Holz finden Sie zum Beispiel in Ihrem Bettengestell mitsamt einem Kleiderschrank. Zur Verknotung wählen Sie lange Kabelschnüre und feste Gardinen.

Nur mutig zupacken rettet

Gemeinsam mit einem Hausgenossen verbinden Sie alles zu einem unförmigen Rettungsfloß, das keinerlei Rechtsvorschriften erfüllt. Eine Schwimmprobe im Wasser gelingt und es trägt sogar noch ihren Lieblingsstuhl.

Beim Start entdecken Sie, dass sie Etwas vergessen haben: Ein Paddel und das Steuerruder. In der Not nehmen Sie eine Schneeschaufel und als Reserve die Riesenbratpfanne. Nur mutig zupacken rettet.

Sie erklären Ihren Plan, und alle sollen schön aufpassen, dass sie die eigene Rettung nicht verpassen. Dann kämpfen Sie sich Stunde um Stunde durch das Wasser. In einer Pause auf ihrem Stuhl erkennen Sie ein Rettungsschiff, machen sich bemerkbar und lotsen es zu Ihren Angehörigen.

Alle sind überglücklich. Die Krise ist bewältigt, jetzt wird gefeiert! Und sie feiern das mit Ihren Rettern mit einem miserablen Kaffee vom Rettungsboot und dem hervorragenden Terrorvernichter - Ihrem selbst gemachten Magenbitter.

Sie sagen den anderen, dass Sie viel Neues erfahren und gelernt haben, wie man Katastrophen praktisch bewältigt und nicht darin untergeht. Und dass sie endlich eine gute Gelegenheit haben, sich ein neues Schlafzimmer zuzulegen. Humor gerade jetzt ist gefragt!

Die Wirklichkeit sehen, wie sie ist

Bei solchen Herausforderungen muss man die Wirklichkeit sehen, wie sie ist, kühl und nüchtern bleiben, die eigenen Kräfte real einschätzen, Hilfe beschaffen, den Kopf anstrengen nach unbürokratischen kreativen Lösungen suchen. Und muss mit den Menschen, die es betrifft, offen sprechen und alle einbeziehen, und nicht in Geheimniskrämerei verfallen.

Man muss menschlich und hilfsbereit mutig denken und zupacken und soll nicht um Menschen über Quoten und Obergrenzen herzlos, engstirnig und schäbig streiten. Verglichen mit Ihren Fähigkeiten, die sie bewiesen haben, haben die Regierungen in Deutschland und Europa erbärmlich versagt.

Wenn Sie über die Tugend der Selbsterkenntnis verfügen würden, würden sie ihren Hut nehmen und schnell abtreten. Zu den wenigen Menschen, die die nötigen Fähigkeiten zu einem solchen Krisenmanager mitbrachten, zählt ein Deutscher, der leider jetzt von uns gegangen ist: Altbundeskanzler Helmut Schmidt.

Menschlicher werden

Doch was tun ohne Retter in Sicht? Die Regierung samt Kanzlerin in die Wüste schicken und neu wählen? Wer würde es besser machen? Es sind keine Alternativen in Sicht. Nirgends. Wir würden nur aus dem Regen in die Traufe geraten. Also was tun?

Die Mächtigen müssen sich einen Ruck geben, zur Wirklichkeit und Menschlichkeit finden, ihre eigenen Schwächen erkennen, sie abstellen und zu den Menschen gehen und ihren echten Problemen. Und sich von den Versagern trennen, sie als Flüchtlingshelfer einsetzen und fähigere Leute in die Regierung holen.

Unser Land, die Regierung und manche Menschen unter uns müssen lernen, besser und menschlicher zu werden.

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