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04/11/2015 10:08 CET | Aktualisiert 04/11/2016 06:12 CET

Eine Monsterflut verschlang über Nacht eine ganze Zivilisation - das Schicksal des norddeutschen Rungholt und die Folgen von Hochtechnologien

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Mit dieser Okarina, einer seltsamen Spielflöte aus Ton, spielte einst ein Mädchen fröhliche Melodien zu Spiel, Gesang, Tanz und auf Festen, eigenartige sehnsüchtige, herzzerreißende, geradezu himmlische Klänge. Es ist eines der zufälligen Fundstücke einer Hochkultur, bevor diese in einer einzigen Nacht in der Nordsee, im Schlamm des nordfriesischen Wattmeeres versank.

Diese Okarina stammt aus der vergangenen Zivilisation und Hochkultur Rungholt, die am 16. Januar 1362 plötzlich über Nacht, im jetzigen Wattenmeer und Nationalparkgebiet verschwand - als wäre sie nie da gewesen. Diese Katastrophe vor 653 Jahren hatte biblische Ausmaße, wie die Sintflut oder der Untergang des sagenumwobenen Atlantis der Antike, nur nicht in Ort und Zeit so weit weg.

Monsterflut

Eine einzige Monsterflut, extrem über normale Flut, spülte in einer Nacht alles, aber auch alles hin weg, sie verschlang Frau, Mann, Kind und Maus und die ganze Stadt Rungholt (mit ca. 2000 Einwohnern, damals fast halb so groß wie Hamburg). Eine Flutkatastrophe, die als die „große Mandränke", die „große Menschen-Ertränke" in der Erinnerung der Nordfriesen lebt.

Was waren die Ursachen dieses merkwürdigen tragischen Untergangs von Rungholt?

Es war nicht nur eine Naturkatastrophe, sondern auch Menschenwerk, durch kurzsichtige technologische und Sicherheitsmängel ihres Lebens auf der Insel verursacht. Die ersten und pfiffigen Siedler hatten im heutigen Wattenmeer ein wunderbares Naturprodukt entdeckt, direkt unter ihren Füßen, eine salzhaltige verrottete Grasnarbe, sog. Seetorf.

Und sie entwickelten daraus eine geniale Hochtechnologie, umweltschonend, Geld und Wohlstand bringend. Aus dem überall umherliegenden Seetorf bauten sie ihre Häuser, wunderbar wärmeisoliert, im Sommer kühl und sogar angenehm nach Heu, Blumen und Kräutern duftend, eine Art Wellness-Wohnungen für Jedermann, heute würden wir sagen: SPA's. Mit Seetorf errichteten sie Deiche und Schutzwände gegen die Flut. Mit Seetorf bauten sie ihre Stadt inmitten der Nordsee. An kalten Tagen heizten sie mit Seetorf.

„Weißes Gold"

Und aus der Heizungsasche gewannen sie „weißes Gold", nämlich Speisesalz, damals ein begehrtes und teures Produkt, mit dem sie Handel trieben und viel verdienten. Nur ein Sicherheitsrisiko ihrer Technologie hatten sie nicht bedacht - mit verheerenden Folgen. Seetorf ist ein wunderbares, leicht und einfach zu verarbeitendes Naturprodukt, aber kein sicheres Fundament für eine ganze Stadt mitten im gefährlichen Meer. Die pfiffigen Einwohner hatten ihre Existenz auf eine attraktive, aber riskante Technologie und Produkte gesetzt. Ein kurzsichtiger und selbstmörderischer, tödlicher Irrtum.

Auch wir gründen - wie die Rungholter - unser Leben auf Hochtechnologien. Haben auch wir vielleicht gravierende existenzielle Risiken übersehen? Droht uns gar mit Hightech ein tödlicher Abgrund? Oder bleiben wir glücklich verschont? Leben wir auf todsicherem Fundament, auf einer sicheren Insel der Glücklichen?

Unser modernes Leben basiert auf Naturwissenschaft, Technik und Technologie, der Ausbeutung natürlicher Ressourcen, Energieverbrauch und Umweltverschmutzung, auf Computern, Robotern und dem unsicheren, gefährlichem globalem Internet. Der Klimawandel mit nie gekannten Wetterkapriolen, Umweltkatastrophen, Vulkanausbrüchen, Monsterstürmen, Hurrikans und Tsunamis lässt ahnen, dass irgendetwas mit unserem modernen Leben nicht stimmt. Haben wir vielleicht doch fundamentale Risiken unserer modernen Lebensbasis übersehen? Haben wir unsere Existenz technologisch auf lockeren Sand gebaut, wie andere Zivilisationen, die kamen und urplötzlich wieder verschwanden - wie Rungholt?

Die Deutschen haben eine eigenartige Neigung zu tiefsinnigen, verträumten und lebensfernen, riskanten, aber letztlich selbstmörderischen Ideen und Konzepten und dazu betrieben sie auch intensive Forschungen. Denken Sie nur an die Ideologien von Marxismus, Nazismus oder Rassismus (die offenbar immer noch nicht ausgestorben und in den Mülleimern der Geschichte endgültig entsorgt wurden).

Das Forschen der Deutschen, die deutsche Wissenschaft, wird vom Staat mit Milliarden Steuergeldern gefördert, speziell die Hoch- oder Spitzentechnologien, so genannte Hightech. Sind darunter auch riskante, die einen selbstmörderischen wirtschaftlichen Untergang Deutschlands vorbereiten können, den die braven deutsche Steuerzahler finanzieren? Das wäre ein absurdes Tollhaus Germany! Man hört schon die globale Konkurrenz vor Schadenfreude sich ins Fäustchen lachen...

Im NordseeMuseum in Husum können Sie über das untergegangene Rungholt viel Anregendes erfahren und interessante Fundstücke bestaunen. Sie können auch erleben, wie Schulkinder auf Karten vom Wattmeer auf die Spurensuche gehen.

Ab und zu gibt es auch Sonderausstellungen.

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(Bilder mit freundlicher Genehmigung: Archiv NordseeMuseum 25813 Husum. Nissenhaus)

Maggie's Geschichte: Die Kamera zeigt, was mit diesem Mädchen passiert. Es ist gespenstisch

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