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21/12/2016 04:13 CET | Aktualisiert 21/12/2017 06:12 CET

Ein herzlicher, überraschender Brief mit 100 Küssen

• Briefe nicht auf Tasten tippen, sondern mit der Hand schreiben, richtig schön auf Papier und dann mit der Post befördert, ist passe´

• Doch dann passiert es plötzlich, gefühlvoll und aus einem überraschenden Grund.

Tatsache!

Bringen wir unsere schriftliche Kommunikation auf den Punkt: Heutzutage werden wir von früh bis in die Nacht mit Mitteilungen, E-Mails, Nachrichten, Anzeigen, Werbung aus dem Handy, Smartphone, Internet, Computer und Fernsehen und aus anderen Ecken überschüttet und belästigt. Im Klartext: (fast) alles ist überflüssig, ist wertloses Zeug, ist Müll, manchmal voller Gefahren und Risiken, ist unerwünscht und belästigt. Es stiehlt uns Lebenszeit, ja, kostbare Lebenszeit! Unser Zeitalter der gepriesenen digitalen Kommunikation und Information verkommt immer mehr zu einem Zeitalter wertloser oder gar gefährlicher Müll-Kommunikation und Müll-Information und der ständigen Lebenszeit-Diebe.

Das geht auch Sie an!

Doch man soll die Hoffnung nicht aufgeben und sich überraschen lassen.

Unerwartet!

Ich ging zu meinem Post-Briefkasten, öffnete. Heraus fielen mir Prospekte, Werbebriefe und andere unbestellte Post und Zeitungen. In dem Stapel war ein seltsamer Briefumschlag, den offenbar nicht ein Computer schrieb, sondern der mit der Hand mit einem Kugelschreiber geschrieben war. Erstaunlich! Wann hatte ich schon mal einen handgeschriebenen Brief erhalten? Es war schon eine lange Weile her. Ich steckte und sicherte diesen Brief in meiner Brusttasche und vertagte das Öffnen auf den Abend.

Ein Brief mit Gefühl

Am Abend öffnete ich den Brief, faltete ihn auf und sah in kindlicher Darstellung ein großes Flugzeug, das vermutlich über unser Haus flog, alles mit einem Rotstift gezeichnet - andeutend und ohne ein Wort. Dann drehte ich den Brief um. Ichkonnte erst gar nichts lesen, es war mit einem matten Goldstift und in ungelenker Druckschrift, ohne Punkt, Komma, Strich, geschrieben.

Zunächst entzifferte ich, dass der Brief von Leon stammt, meinem 8jährigen Urenkel, er besucht die zweite Klasse.

Dann entzifferte ich Buchstabe für Buchstabe, dass er den Urgroßeltern gute Besserung wünscht (wir waren erkältet) und alles Gute. Und dass er erfahren möchte, wie es uns geht.

Der Brief endete mit einem Zusatz „100 Küsse" und viel Spaß. Das letzte Wort war nach der Aussprache geschrieben: „schbas". Die versprochenen 100 Küsse konnte ich im Brief noch nicht entdecken...

Es war wirklich der schönste, kürzeste und herzlichste Brief, voller Seele und Gefühl, den ich je bekommen hatte. - Wir dankten Leon mit einem handgeschriebenen Brief und einer Handzeichnung seines treuen Begleiters: sein Mountainbike, das den Brief bringt.

Später fragten wir ihn, warum er den uns den Brief geschrieben habe: Aus langer Weile. Oho! Briefe mit der Hand schreiben sei ein schönes Spiel und mache viel Spaß...

Ein herzliches Selfie ohne Foto

Ein wenig angelehnt an Joachim Ringelnatz kann man sagen:

Schreibe mit der Feder, der Kugel, dem Stift,

nur schreibe mit Herz und ohne List!

Denke daran, dass Dein handgeschriebener Brief

Du selber bist!

Der handgeschriebene und handgezeichnete Brief von Leon war er selbst, war ein gefühlvolles „Selfie" ohne Foto, und nicht eine gefühllose Folge von Computer-Buchstaben - kein Geschäftsbrief aus dem Computer.

Fazit

Wichtige und zu Herzen gehende Briefe sollten wir mit der Feder, dem Stift oder der Kugel schreiben und auf solche herzlosen Hilfsmittel wie Internet und Computer verzichten!

Handgeschriebene Briefe sind „dauernde Spuren" unseres Daseins (Wolfgang Goethe) und unserer Persönlichkeit.

Und heutzutage eine gefühlvolle persönliche Überraschung für den Empfänger in unserer gefühllosen Zeit.