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09/12/2016 11:25 CET | Aktualisiert 10/12/2017 06:12 CET

ARD-Medienkritik: Frau Maischberger, bitte weniger Blabla-Bluff!

• In der Talkshow am 30.11. ging es um: Vorwurf „Lügenpresse". Kann man Journalisten noch trauen?

• Es gab viele leere Worte und Blabla, nur des Pudels Kern wurde verfehlt

• Solche Fehlleistungen sollte man nicht wiederholen. Es geht auch anders....

Die Medien stürmen auf uns ein von früh bis spät und lassen uns keine Ruhe. Wer in der digitalen Medienflut nicht untergehen will, braucht klares Wissen und kritische Vernunft. Das geht alle an.

Das Wort von der „Lügenpresse" wird in letzter Zeit häufiger benutzt. Da ist es gut, richtig und mutig, wenn Journalisten wie Frau Maischberger sich mal selbst in den Spiegel schauen und sogar an der eigenen Nase ziehen. Unter der Regie von Frau Maischberger talkten ein bekannter Journalist, eine weniger bekannte CDU-Bundestagsabgeordnete, ein noch weniger bekannten Blogger, ein AfD-Mitglied und ein Mediengelehrter. Eine Stunde lang gab es in der Talkshow viele Worte, viel Blabla und Bluff, manchmal auch munteren Streit. Doch um des Pudels Kern wurde herumgeschlichen - wie die Katze um den heißen Brei.

Die Medien sind Bestandteil der zwischenmenschlichen Kommunikation. Was Kommunikation ist, wie man sie vernünftig versteht und Zusammenhänge klarer sieht, lehrt die Kommunikationswissenschaft. Und vereinzelt lernen das schon Schüler in der Schule (!) z.B. das Kommunikationsquadrat des berühmten Psychologen Professor Friedemann Schulz von Thun. Wenn Sie oder ein Journalist einem anderen (oder vielen anderen) etwas mitteilen möchten, so transportiert der Absender an den Empfänger damit nicht nur eine Folge von Buchstaben, die Nachricht, sondern demjenigen, der aufmerksam sehen, hören und lesen will, noch mindestens vier weitere Botschaften: Er berichtet über

• sich selbst („Selbstkundgabe"),

• über seine Achtung, Respekt oder Geringschätzung des Empfängers („Beziehungsseite"),

• seine Aufforderung an ihn, etwas zu tun oder zu unterlassen („Appell")

• die entsprechenden Daten, Fakten, Informationen („Sachinhalt").

(In dem „DER SPIEGEL-Wissen" vom Juli 2015 „Versteh mich nicht falsch! - Erfolgreiche Kommunikation in der Liebe, im Beruf, der digitalen Welt, finden Sie auf den Seiten 12-19 ein Interview mit dem Nestor der modernen Kommunikation).

Ein Beispiel aus Ihrer Show demonstriert drei Seiten des Kommunikationsquadrates: In der Sendung gab es mehrfach Momente, wo mehrere Teilnehmer durcheinander sprachen und Sie mitmischten. Beim Zuschauer oder Leser kann nichts weiter an als eine unverständliche Nachricht, Blabla und Geblubber

Der aufmerksame Zuhörer erkennt die Beziehungsseite: Die Talker missachten den Hörer und Leser, respektieren nicht sein Interesse an Information und seine Lebenszeit. Er erkennt die Selbstkundgabe: Der Zuschauer ist ihnen egal, der Talker möchte nur sich präsentieren. Ihnen geht es nicht um eine Information und Aufklärung des Zuschauers, sondern um eine Selbstshow. Nur Werbung für bekannte und unbekannte Personen, deren sehenswerte Gesichter und natürlich das, was sie vertreten, z.B. die fragwürdige AfD. Wer nichts zu sagen hat, wer nichts weiß, sollte lieber schweigen! Und wenn Sie in diesen Wortdurcheinander auch noch Ihren Senf hineinmischen, dann offenbaren Sie, Frau Maischberger, von sich selbst: Dass Sie eine solche Talkshow nicht im Griff haben. Wer Augen zum Sehen und Ohren zum Hören hat und über das nötige Wissen verfügt, macht zwangsläufig solche Feststellungen über Ihre Show. Der scharfsinnige Beobachter Helmut Schmidt (1918-2015) schrieb:

„Die Glaubwürdigkeit der Politiker war noch nie so gering wie heute. Das liegt nicht zuletzt an einer Gesellschaft, die in die Glotze guckt. Die Politiker reden nur oberflächliches Zeug in Talkshows, weil sie meinen, es sei die Hauptsache, man präge sich ihr Gesicht ein."

Dass wir für solchen Blabla-Bluff auch noch - wie alle Rundfunk- und TV-Empfänger in Deutschland - einen Rundfunkbeitrag zahlen müssen (oder der Zwangsvollstrecker oder Gerichtsvollzieher erscheint), zeigt von welchem Format die Regler und Kämpfer für diesen Pflichtbeitrag sind. Da diese Situation wohl nicht geändert wird, erlauben wir, dass sich die Verantwortlichen auch in die nächste Ecke stellen und dort vor Scham rot werden - über ihre Unfähigkeit, Lebensferne, und Arroganz. Und solche versteckte Werbung für die AfD.

Wenn Sie, Frau Maischberger, selbstkritisch in den Journalisten-Spiegel schauen wollen, dann sind das alles wichtige Fragen, die in Ihrer Sendung einfach fehlten und einen Wert und Nutzen für den Zuschauer und Hörer bedeutet hätten. Und Sie wären in ihrer Sendung nicht ständig wie die Katze um den heißen Brei herumgesprungen, sondern hätten inhaltlich den Stier mutig direkt an den beiden Hörnern gepackt.

Fehler kann man machen; der Kluge wiederholt sie nicht. Und das, was Sie mit dieser Sendung verpasst haben, können Sie natürlich in einer Folgesendung: „Lügenpresse" und ihre wahren menschlichen Hintergründe nachholen.

Es wäre für viele Zuschauer informativ, hilfreich und nützlich.

Aber nur mit weniger Blabla-Bluff.