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15/03/2015 06:49 CET | Aktualisiert 15/05/2015 07:12 CEST

Ich bin nicht Mr. Grey

Ich bin Mitte Dreißig, praktizierender Volljurist, reise, shoppe, lache und kommuniziere gerne und upsala, ja ich bin BDSMler, nun ist es endgültig raus. Ich habe weder einen Bierbauch, noch eine Leder- oder Latexkluft, bin recht frei von irgendwelchen Komplexen.

Vincent Besnault via Getty Images

Wer noch nie Kontakt zu uns BDSMlern hatte, stellt sich uns mitunter als ganz schön heftige Stereotypen vor. Dem entsprechen die meisten BDSMler aber nicht und ich bin mir sicher, würden wir uns zufällig in der Stadt kennenlernen, würdest du gar nicht bemerken, dass es an mir auch eine Seite gibt, die sich mit dieser Thematik intensiv beschäftigt.

Ich bin Mitte Dreißig, praktizierender Volljurist, reise, shoppe, lache und kommuniziere gerne und upsala, ja ich bin BDSMler, nun ist es endgültig raus. Ich habe weder einen Bierbauch, noch eine Leder- oder Latexkluft, bin recht frei von irgendwelchen Komplexen.

Meine sadistische Ader ist eher schwach ausgeprägt. Dafür habe ich im sexuellen Kontext eine stark ausgeprägte dominante Ader und dass trotz der Verantwortung, die ich bereits in meinem Beruf trage. Eine Partnerin behandele ich mit Respekt, ihre Tabus bestimmen mein Spielfeld und sie ist mit Sicherheit nicht 24/7 in einem Keller oder gar Käfig eingesperrt.

Ich werde gerne als der "wahre Mr. Grey" bezeichnet

In den Medien werde ich in den letzten Monaten gerne als der „wahre Mr. Grey" bezeichnet, das ist natürlich vollkommener Unsinn. Mr. Grey ist eine Kunstfigur und ich bin sehr froh darüber, nicht seine psychischen Probleme und Komplexe zu besitzen.

Das bedeutet ganz sicher nicht, dass ich perfekt bin, ich habe mehr Macken als mir lieb ist, aber sind wir mal ehrlich, wäre Mr. Grey nicht ein Milliardär, sondern ein Typ in einer Hochhaussiedlung und Anastasia nicht eine biedere und jungfräuliche Studentin, sondern eine normale ausgelassene Mitzwanzigerin, so wäre es eher der Stoff für einen spannenden Tatort oder eine CSI Miami Folge als für einen millionenfach verkauften und auch noch verfilmten Liebes/BDSM Gedöns.

Shades of Grey spaltet unsere kleine BDSM Szene durchaus. Die einen meinen, all das sei thematisch überhaupt gar kein BDSM. Die anderen monieren, dass auf die ganzen Risiken nicht eingegangen werde, und der Umgang mit dem Thema unverantwortlich sei.

Wie könne Mr. Grey nur einen Kabelbinder in einer BDSM Szene benutzen (Achtung Verletzungsgefahr) und zuallerletzt haben wir da noch jene alte Hasen, die nun um ihren ganz elitären BDSM Lebensstil fürchten, der durch dieses Shades of Grey weichgeplüscht werden könnte. Dass es sich bei dem Buch ausdrücklich um einen fiktionalen Roman und eben kein Sachbuch handelt, scheinen einige geflissentlich zu übersehen.

Aber vielleicht ist das auch verständlich. Immerhin sind die drei großen Vorbilder in unserer Szene alles literarische Werke, angefangen mit der „Die Geschichte der O", über „Venus im Pelz" bis hin zu den Werken von Marquise de Sade. Ist eigentlich schon wem aufgefallen, dass die Geschichte der O und Shades of Grey, durchaus mehrere Handlungsparallelen aufweisen? Ich hoffe das war nun kein zu böser Frevel, egal welches der beiden Lager sich nun angegriffen fühlt ;).

Ich bin seit 15 Jahren in dieser Szene

Ich selber bin seit gut 15 Jahren aktiver BDSMler. Naja mal mehr, mal weniger aktiv, je nach Lust, Laune und Möglichkeiten. Zudem betreibe ich seit 2008 die inzwischen wohl bekannteste BDSM Aufklärungsseite zu dem Thema, zu finden unter www.gentledom.de. In diesem Blog will ich euch an meinen Gedanken teilhaben lassen, Einblicke in diese Welt geben und stehe euch auch für eure Fragen zur Verfügung. Da ich schon recht viele Artikel veröffentlicht habe, werde ich mir den einen oder anderen schnappen, ihn ein wenig überarbeiten und hier einstellen.

Sicher wird man gerade beim ersten Blogbeitrag eines bekennenden und nicht ganz unbekannten BDSMlers nun einen Beitrag erwarten, wie toll BDSM denn sei. Ich werde aber einen ganz anderen Einstieg wählen, nämlich den ehrlichen Gedanken über meinen Ausstieg aus dem Bereich BDSM.

Vor Kurzem habe ich mich wieder auf die Partnersuche begeben und mir dabei ernsthaft die Frage gestellt, wie wichtig mir die passende Neigung ist. Früher hätte ich gesagt, ohne diese geht es nicht und ich kenne so viele Menschen, die ihre Neigung entdeckt oder auch unterdrückt haben und dies die jeweilige Partnerschaft zerstört, falls sie es nicht mit dem Partner ausleben können.

In meinem Bekannten- und Freundeskreis kenne ich aber auch genau gegenteilige Beziehungsmodelle. Bei einem Paar hat einer von beiden mit BDSM nichts zu tun, bei einem anderen sind beide devot und können sich somit auch nicht wirklich ausleben. Komischerweise sind diese Beziehungen scheinbar schon seit Jahren sehr glücklich und beständig. Im Gegensatz zu den meisten Beziehungen, die ich im Kontext BDSM mitbekomme.

Ich will auch Frau und Kind

Natürlich ist es wunderschön, wenn beides zusammenkommt, also BDSM und Liebe, aber ganz ehrlich, ich bin inzwischen 37 Jahre alt und will endlich das Gefühl haben, angekommen zu sein. Also mit jemandem zusammenleben, mit dem ich mich messen und lachen kann, diese Person heiraten, in ein großes Haus ziehen, Kinder bekommen, abends vor dem knisternden Kamin sitzen und vielleicht noch eine kleine Runde mit dem Familienhund gehen.

Ich denke, gerade für Anfänger und richtig eingefleischte BDSMler ist es schwer, ihre Neigung nicht ausleben zu können. Letztere, weil es für sie ein primärer Lebensinhalt ist, erstere, weil die Neigung freigelegt wurde und sich nach einer so langen bewussten oder auch unbewussten Gefangenschaft austoben will.

Ob ich auf meine Neigung verzichten könnte? Ja, da bin ich mir sogar recht sicher, natürlich wird einem irgendwann etwas fehlen, aber Beziehungen sind immer von Kompromissen geprägt und ehrlich gesagt, ich glaube ich habe mich für mindestens drei Leben im sexuellen Kontext ausgelebt.

Aber wer weiß, vielleicht kommt auch alles anders und plötzlich ist da die Frau, die mich als Frau wie auch Sklavin/Sub oder was auch immer glücklich macht. Bei meiner Suche wird die devote Neigung daher kein zwingendes Kriterium mehr sein, was den großen Vorteil hat, dass ich nun auch sehr leicht wieder im Alltag ernsthaft flirten kann und flirten mit ernsthaften Absichten macht mir noch weitaus mehr Spaß, wie ich derzeit merke ;).

Wann erzähle ich einer potentiellen Partnerin von meiner Neigung?

Natürlich stellen sich mir nun neue Fragen. Wann erzähle ich einer potentiellen Partnerin von meiner Neigung, wie viel sollte ich von mir aus erzählen, was würde aus meinem Spielzimmer werden, was aus der Webseite, was aus den vielen Bekanntschaften mit anderen BDSMlern?

Für den Fall, dass meine nächste Beziehung ohne BDSM Elemente auskommen wird, werde ich dem Bereich sicher nicht ganz Rücken kehren können, allein schon weil gut ein Drittel meines Freundes- und Bekanntenkreises aus BDSMlern besteht und hinter meiner Webseite inzwischen ein Team von gut 30 engagierten Menschen steht. Auch die Webseite würde bestehen bleiben, denn ich weiß, wie vielen Menschen sie hilft und diese Hilfe will ich niemandem verwehren. Alles andere, mal sehen, evtl. wird aus dem Spielzimmer ja doch ein Ankleidezimmer, immerhin shoppe ich sehr, sehr gerne ;).

Keine Sorge, es ist ein Gedanke, alle folgenden Themen werden sich sehr wahrscheinlich darum drehen wie schön, geil, intensiv und aufregend BDSM sein kann und worauf man bei der Ausübung dieser Spielart achten sollte damit es sicher ist, aber auch maximalen Spaß bringt, denn dabei geht es doch bei jeder Form der Sexualität, Spaß empfinden und Spaß bereiten. Also habt Spaß, egal ob mit oder ohne Peitsche ;)!

Eine einzige Bitte habe ich, nutzt die Kommentarfunktion, ich kann derzeit noch nicht abschätzen was mein Zielpublikum hier ist und damit, welcher Stoff für euch von Interesse ist. Also wer eine Frage hat, wer sich ein Thema wünscht oder nur eine Anmerkung schreiben will, der ist sehr herzlich eingeladen dies zu tun!

Liebe Grüße euer

Gentledom (www.gentledom.de)


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