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29/12/2016 07:10 CET | Aktualisiert 30/12/2017 06:12 CET

Die erwachsene Jungfrau, keine Angst vor dem ersten Mal!

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Vor nicht allzu langer Zeit geisterte der Begriff „oversexed and underfucked" durch die mediale Landschaft. Dieser beschreibt das Phänomen, dass es zwar augenscheinlich immer mehr präsente Sexualität (Youporn, Shades of Grey, Tinder, usw.) zu geben scheint, dieses Mehr an Input und Möglichkeiten aber nicht zu einem Mehr, sondern zu einem Weniger an Penetrationen zu führen scheint.

Manch einer hat aber anstelle des „Weniger" auch noch nie Sex gehabt. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Köln stellt in den Raum, dass von denen, die gerade 18 Jahre alt geworden sind, immerhin rund ein Drittel noch "Jungfrauen" seien. Aber nicht nur bei den späten Teens gibt es Jungfrauen, gerade bei den Akademikern vermutet man einen Anteil von 5-10%, wenn diese die Uni oder FH verlassen. Gründe gibt es viele. War es früher vor allem eine religiöse Überzeugung, die einen am ersten Mal hinderte, ist es heute oftmals die Konzentration auf das Studium, Stress oder auch einfach die fehlende Möglichkeit und bei Weitem nicht alle Jungfrauen sind männliche Informatiker oder Maschinenbauer.

Also für jene Jungfrauen, ihr seid nicht allein, und schämen muss man sich dafür ganz sicher nicht. Jeder hat sein Tempo, und Sex sollte man dann haben, wenn man sich dafür bereit fühlt. Ich selber verlor meine Jungfräulichkeit als Twen und bin heute, in den Dreißigern, ein recht bekannter Autor, der in den letzten Jahren vor allem über eins schrieb: Sexuelle Spielarten. Und ich kann darüber schreiben, da ich eben seit meinem ersten Mal eine recht erfüllte und facettenreiche Sexualität habe. Eine gute Freundin von mir ist Ärztin, sie verlor ihre Jungfräulichkeit mit 29 Jahren und lebt ihre Sexualität inzwischen ebenfalls sehr offen und für sie erfüllend aus. Als Autor erhalte ich häufiger Fragen zum ersten Mal. Ich frage in der Regel nicht nach dem Alter, aber am Schreibstil oder auch der Mailadresse merke ich oft, dass es eben häufig keine Teenager sind.

Wenn ihr das Gefühl habt, Sex könnte euer Leben bereichern, dann ist es Zeit dafür ihn zu haben. Vorher nicht, auch nicht um einen Partner zu halten oder weil man meint, sich für seine Jungfräulichkeit schämen zu müssen.

Für euer erstes Mal habe ich kein Patentrezept, denn jeder Mensch ist anders. Da es aber in der Natur des Menschen liegt sich fortzupflanzen, wird euer Körper recht instinktiv wissen was zu tun ist. Aber selbst wenn es einen Blackout geben sollte, wäre das wirklich schlimm? Habt ihr einen einfühlsamen und etwas erfahrenen Partner, wird er das alles schon retten und ist er ähnlich unerfahren wie ihr, dann erkundet es zu einem späteren Zeitpunkt erneut.

Das Schlimmste was man aufbauen kann ist Druck. Es ist ratsam, sich ein wenig zu informieren (vor allem über das Thema Verhütung und Hygiene), aber Sex ist keine Raketenwissenschaft, auch wenn man das. bei so vielen Kolumnen wie es dazu gibt, vielleicht ab und an meinen mag. Also wäre der logische Rat wohl: Macht euch keinen Druck! Wobei das mit solchen Ratschlägen so eine Sache ist. Wenn einem gesagt wird: „Denk nicht an den rosa Elefanten", woran denkt man dann, yep den rosa Elefanten.

Sex ist viel mehr als ein rein mechanischer Akt, es ist Lust, die sich gegenseitig an- und entfacht. Wie immer bei zwischenmenschlichen Wechselspielen ist der Erfolgsfaktor Nr. 1 die Kommunikation. Dass man besser kommuniziert, wenn man kommunikationserfahren ist, das ist klar, aber auch ohne Erfahrung kann jeder von uns mit einer anderen Person körperlich kommunizieren. Wir kommunizieren jeden Tag mit unserem Körper, von der freundlichen Umarmung über den Händedruck oder auch das Streicheln eines Hundes. Wir sind geübt darin, solch eine Kommunikation zu lesen und uns auf Interaktionen einzulassen. Somit startet keiner beim Sex wirklich bei Null, selbst jene nicht, die auch auf die Selbstbefriedigung verzichten.

Für mich ist das größte und stärkste Sexualorgan des Menschen sein Gehirn. Hier warten unsere Fantasien, hier entstehen emotionale Bindungen und hier liegt der Schlüssel zur Nähe, eben auch der körperlichen. Sex ist Kommunikation durch den Körper, ihr könnt euch vorher über Fantasien austauschen oder ihr legt nur die Rahmenbedingungen fest und schaut ohne große Scheu, was passiert. Es geht eben nicht darum, wie toll ihr dabei ausseht, wie zärtlich oder hart ihr dabei seid, wie langsam oder schnell, wie lange oder kurz ihr braucht. Jeder von uns hat seinen eigenen Flow. Wenn ihr Lust habt, dann kommuniziert ihr das, und ein aufmerksamer Partner kann dies leicht lesen, selbst wenn ihr total schüchtern seid. Sex hat immer auch einen gewissen animalischen Anteil und Kontraktionen, Atmung, Hormone, all das können wir nur schwer bis gar nicht beeinflussen. Somit kommunizieren wir sogar dann, wenn wir es nicht einmal wollen.

Sucht euch einen Partner, dessen Grundrhythmus zu dem euren passt, nehmt euch die Zeit, die ihr braucht, seien es nun 60 Minuten oder auch mehrere Monate und mein Tipp ist keiner, der sich um Techniken dreht. Achtet vielmehr darauf, einen Partner für das erste Mal zu haben, der euch zuhört, auf euch zu- und auch eingeht. Also keine Scham, wer euch liebt oder auch nur begehrt, für den wird eure Jungfräulichkeit kein Manko sein. Vielmehr kann es sogar wunderschön sein, der/die Erste zu sein, welche/r diese Art der Körperlichkeit mit euch teilen darf. Für mich, als jemand der dreimal Sex mit einer Jungfrau hatte, waren es alles sehr unterschiedliche Erlebnisse, aber alle hatten eins gemeinsam, es waren jeweils sehr besondere und schöne Momente.

Euer Gentledom

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