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04/12/2015 04:27 CET | Aktualisiert 04/12/2016 06:12 CET

Always on im Stadion: Wie Digitaltechnik das Sporterlebnis verändert

Thinkstock

Wer ins Fußballstadion geht, erwartet Spannung, Leidenschaft, Kampf und Emotionen - also ein in jeder Hinsicht unmittelbares, analoges Erlebnis. Der direkte Sichtkontakt zu den Spielern, die Gemeinschaft der Fans und die liebgewonnenen Rituale kreieren ein Ambiente, in dem nahezu alles physisch erfahrbar ist.

Das galt bis heute und wird auch künftig gelten. Auch. Denn abseits des sportlichen Geschehens auf dem Rasen befinden sich die Arenen der Welt im Wandel: Sie werden digital. Natürlich sind damit weder virtuelle Sitzreihen gemeint, noch werden die Spieler in absehbarer Zeit als Hologramme um Tore und Punkte kämpfen.

Wird digitale Technologie bereits heute genutzt, zum Beispiel bei der Torlinientechnik oder Videoanalysen von Mannschaften und Matches, verlassen die Zuschauer mit Betreten der Sportstätte in der Regel für mindestens zwei Stunden die digitale Welt - bis hin zu anschluss- und orientierungslosen Smartphones, da die Mobilfunknetze angesichts der Menschenmassen schlicht überlastet sind.

Aus Sicht von Vereinen, Stadionbetreibern und Serviceanbietern soll dies bald endgültig der Vergangenheit angehören. Das Stadion der Zukunft wird umfassend vernetzt sein und attraktive Möglichkeiten bieten. Geschlossene Hochgeschwindigkeitsnetze erschließen dabei Zuschauern und Betreibern gleichermaßen neue Perspektiven.

Das Stadion als Super-Hotspot


Die Voraussetzungen sind - zumindest hierzulande - nicht schlecht: Die Versorgung mit LTE oder 3G ist in nahezu allen großen Stadien gegeben. Es gilt folglich, einen systematischen und zielgerichteten Ausbau zu forcieren. Als Leitmotiv und Ziel steht dabei die so genannte „Stadium Vision" im Mittelpunkt.

Konkret bedeutet das unter anderem: flächendeckendes WLAN, eine Vielzahl von Möglichkeiten simultaner Interaktion über Social-Media-Walls, innovatives Entertainment - und nicht zuletzt auch neue Optionen für Werbetreibende. So haben Sponsoren zum Beispiel die Möglichkeit, ihre Botschaften mit entsprechenden Video-Inhalten passgenau zu verknüpfen und die Adressaten damit deutlich zielgenauer anzusprechen.

Das Stadion wird so zum Super-Hotspot. Bandbreiten von bis zu einem Gigabit pro Sekunde sind keine Fiktion mehr, sodass eine Vielzahl der Stadionbesucher das Internet in einem völlig neuen Ausmaß nutzen kann.

Unbegrenzte Möglichkeiten


An kreativen Ideen und Impulsen mangelt es der „Stadium Vision" nicht. Man muss nicht einmal unbedingt zur „Generation Facebook" gehören, um sich über Gelegenheiten etwa zum unbegrenzten Posten und Wetten sowie für den Blick in andere Stadien - ganz im Sinne des traditionellen Kofferradios - zu freuen.

Sogar die unvermeidliche Stadion-Pausenwurst sowie Getränke können online geordert, bezahlt und am Platz in Empfang genommen werden, wenn der Veranstalter über eine entsprechende Infrastruktur beispielsweise in Gestalt einer speziellen Stadion-App verfügt.

Nicht zuletzt haben „Spielereien" wie das Posten von Schnappschüssen auf die Stadionleinwand das Potenzial, die Fanloyalität zu stärken und für volle Ränge bei allen Spielen zu sorgen.

Hunderte dezentraler Screens bringen ununterbrochen aktuelle Informationen in jeden Winkel - und auf die Smartphones der Zuschauer, sodass der Fan stets über das aktuelle Geschehen auf dem Laufenden gehalten wird, ganz gleich wo er sich gerade befindet.

Das Mobiltelefon wird damit gewissermaßen zur zweiten, multifunktionalen Spielstätte, die das „Live-Erlebnis" zwar nicht ersetzen, aber sinnvoll und Spaß steigernd ergänzen kann.

Neue Geschäftsmodelle


„Always on" im voll vernetzten Stadion bietet aber auch dem Betreiber bzw. Verein - abseits des Image- und Attraktivitätsgewinns - zahlreiche Vorteile mit Wertschöpfungspotenzial. Als mögliche Geschäftsmodelle könnten neben gesteigerten Werbeeinnahmen etwa Wettangebote an die Fans aufgeführt werden oder das Angebot von Trikots und Fanartikeln in „Echtzeit", wenn ein Spieler ein wichtiges Tor erzielt hat.

Nicht zuletzt könnte der papierlose Ticketverkauf via Smartphone und App einerseits den Abverkauf durch mehr Convenience steigern, anderseits auch für merkliche Spareffekte im Hinblick auf physische Verkaufsstellen sorgen.

Dass die Fans im Zweifel bereit sind, für neue digitale Angebote etwas tiefer in die Tasche zu greifen, halten die meisten Experten ebenfalls für plausibel. Insgesamt werden sich die Investitionen durch die zusätzlichen Einnahmepotenziale schnell und zuverlässig amortisieren.

Was bleibt, ist allein das sportliche Risiko - das allerdings wohl auch in Zukunft mit digitalen Mitteln kaum zu mindern sein wird.

Erstes Cloud enabled-Stadion in San Jose


Stehen in Deutschland die Vereine noch am Anfang der Entwicklung, ist man andernorts bereits weiter. Stadien in Amsterdam, London und Madrid nehmen heute in punkto digitales Angebot eine Vorreiterrolle ein, ebenso wie das Avaya Stadium im kalifornischen San Jose.

Die erste „Cloud enabled"-Arena zeigt eine Reihe wegweisender Innovationen, von einer interaktiven Fan Engagement Wall über eine mobile App bis hin zu umfassenden Steuerungs- und Kontrollmöglichkeiten sowie zahlreichen Kommunikationsangeboten für Fans. Nicht umsonst wurde das Stadion 2015 mit dem in den USA begehrten Innovation Award at TheStadiumBusiness Awards ausgezeichnet.

Mit einem smarten Konzept und den richtigen Partnern können Sportvereine alle Vorteile der analogen und digitalen Welt so zusammenbringen, dass Bits, Bytes und Bundesliga zu einem hochemotionalen und -vernetzten Sport- und Eventerlebnis verschmelzen.

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