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15/03/2016 16:41 CET | Aktualisiert 16/03/2017 06:12 CET

Trump, Le Pen, Petry, warum sie Wähler begeistern

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Sie lieben die „political correctness"

Wenn man deren Wahlkämpfe analysiert, gibt es als gemeinsamen Nenner, die „political correctness". Sie ist die Wurzel ihrer Wahlstrategien. Warum?

Politisch korrekt ist es in den USA - bei uns ebenso - ethnische Minderheiten nicht pauschal anzugreifen oder zu beschimpfen. Kein Bio-Amerikaner darf in der Öffentlichkeit die Einwanderer aus Mexiko und der Karibik als generell faul und zur Kriminalität neigend bezeichnen. Das ist man der „political correctness" und natürlich dem Respekt geschuldet. Wer aber dieser Meinung ist, spricht sie nur im ganz kleinen Kreis aus oder im Selbstgespräch. Dabei stauen sich allerlei Animositäten und Vorurteile auf. Tritt nun Donald Trump auf und posaunt genau diese Gedanken laut heraus, erntet er öffentlichen Beifall und begeisterte Zustimmung. Er befreit sozusagen die unterdrückten Gedanken vieler Menschen aus der öffentlichen Verdrängung und gibt das Unkorrekte als allgemeines Diskussionsthema frei. Auf einmal outen sich die bisher heimlichen Befürworter der bisher unausgesprochenen Meinung. Sie haben ihren Helden gefunden!

Nicht anders in Frankreich. Marine Le Pen vom Front National hat im letzten Präsidentschaftswahlkampf Nicolas Sarkozy wegen seiner Nähe zu Angela Merkel attackiert und mit sonst in Frankreich politisch nicht korrekten anti-deutschen Sprüchen die Massen begeistert. La France dürfe nicht zur deutschen Wirtschaftskolonie werden, müsse aus dem Euro raus und Zölle auf Importe erheben. Kanzlerin Merkel wurde zur Domina Sarkozys, nicht nur von Karikaturisten, sondern auch verbal stilisiert. Le Pen aktivierte die insgeheim existierende Angst vor einem zu starken Deutschland zum Wahlkampfthema und konnte damit punkten.

Und was macht AfD-Chefin Frauke Petry? Sie sprach allen Angsthasen, die sich vor den einwandernden Flüchtlingen fürchten aus dem Herzen. CSU-Seehofer forderte eine Sicherung der deutschen Grenzen, hütete sich aber davor, über die logische Konsequenz daraus zu sprechen. Diese Lücke nutzte Petry und sprach das aus, was die verschreckten Deutschen nicht sagten, aber viele wohl dachten: In letzter Konsequenz müsse auch auf zu uns Flüchtende geschossen werden. Ihre Stellvertreterin assistierte "notfalls auch auf Frauen und Kinder". Da war die politische Korrektheit wieder mal enttabuisiert, in den Umfragen legte Petrys AfD nochmals zu. Ein Teil der schweigenden Mehrheit bekannte sich öffentlich zum radikalen Beenden der Fluchtbewegung, auch auf Kosten von Menschenleben.

Die Analyse der Wahlkampfstrategien zeigt eindeutig, dass durch die Tabuisierung von Themen ein Fundus für Wahlaussagen entsteht, den geschickte Strategen nur nützen und mediengerecht aufbereiten müssen.

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