BLOG
22/10/2015 04:55 CEST | Aktualisiert 22/10/2016 07:12 CEST

Playboy: Das Ende einer Ära?

Studio-Annika via Getty Images

Am 13. Oktober 2015 vermeldeten die Medien die schockierende Meldung, der Playboy würde nach 63 Jahren ab März 2016 keine Nacktaufnahmen bezaubernder junger Damen mehr abdrucken. Ein Sieg der Frauenrechtlerinnen oder ein neuer prüder Zeitgeist?

Die männlichen Leser bekannten sich mehr oder weniger offen zum Playboy, die einen, weil angeblich so tolle Artikel über französische Cognacsorten und Reiseberichte über die Karibik zu lesen waren, die anderen, weil sich manch nächtlicher Traum im nächsten Playboy abgedruckt wiederfand oder weil der Anblick nackter Schönheit ein Teil ihrer lebensbejahenden Gefühlswelt war.

1953 von Hugh Hefner gegründet, wurde der Playboy schnell zum Männer-Kultmagazin. Artikel von Malcolm X, Woody Allen und Norman Mailer steigerten die Reputation vom Verlag und damit seiner Leser. Der Playboy hatte das erste Nacktshooting mit Marylin Monroe, später folgten Madonna, Kati Witt und viele Starlets aus Hollywood.

Leitmedium für ein Lebensgefühl

Bei den pubertierenden und auspubertierten Jungs wanderte der Playboy „unter der Hand" von Schulbank zu Schulbank oder heimlich von Schultasche zu Schultasche. Aber auch bei den damals „Twens" genannten älteren Teens genoss der Playboy hohes Ansehen. Kaum hatte man die erste Junggesellenbude, lag die etwas zerfledderte Playboy-Sammlung offen im Anbau-Regal.

Ja, in den 60-er Jahren war der Playboy das Leitmedium für ein Lebensgefühl, geprägt von Whiskey, Jazz und sanfter Erotik.

Anfangs mussten die Models noch akrobatische Verrenkungen machen, um beim Shooting „Schlimmstes" zu vermeiden. Retuscheure mussten zu Werke gehen, um die Zensur auf Abstand zu halten. Nach und nach eroberte sich der Playboy neue erotische Freiräume. Noch ein bisschen per Photoshop entschärfte Bilder ersetzten die anfangs fast vollständig vermiedenen Blicke auf die „Bikinizone".

Voyeuristischer Abstand

Dabei wurde der Playboy nie pornografisch, er hielt immer seinen voyeuristischen Abstand im Unterschied zu knallharten Werken der Hardcoremagazine. Ideologisch war der Playboy das liberale Gegenstück zur Burka. Und jetzt die Schockmeldung, „nie wieder nackt!"

Prompt kam die Stellungnahme des deutschen Ablegers aus dem Hubert-Burda-Verlag „Das ist eine Entscheidung für den amerikanischen Markt, wir bleiben bei unserer bisherigen Konzeption", so der deutsche Playboy-Chef Florian Boitin. Da haben sicher manche Damen der feministischen Kampfszene zu früh die Prosecco-Korken knallen lassen..

Günter Morsbach

Herausgeber „Reitender Bote - die kürzeste Wochenzeitung der Welt"

November-Playboy: Schöne Studentinnen versüßen den Herbst

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite