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01/02/2017 07:08 CET | Aktualisiert 02/02/2018 06:12 CET

Mutterschaft ist ein Gesundheitsrisiko

SolStock via Getty Images

Eine chronische Bronchitis. Die Grippe, allerdings nur halb auskuriert. Schlafstörungen, Niedergeschlagenheit - und seit mehreren Jahren immer am Rande der totalen Erschöpfung.

Sehe ich mich in meinem Umfeld um, habe ich es mit lauter ambitionierten Müttern kleiner Kinder zu tun, die so viel Tolles machen und schaffen - doch dabei auch immer kurz vor dem Kollaps stehen. Sie sind zwar erschöpft, können aber nicht schlafen: Weil die Kinder rufen oder die Gedanken kreisen (habe ich auch wirklich an alles gedacht für morgen?).

Sie haben kaum mal eine Minute für sich, weil einfach immer etwas ist: Das Hin und Her zur Kita, der anspruchsvolle und stressige Job, der Haushalt, die Turbo-Kocherei, die Erziehungsarbeit, die verschiedenen Bedürfnisse der Kinder; deren Hobbys, Schularbeiten und so weiter. Ja, und da wären noch die eigene Partnerschaft, die Verwandtschaft und Freunde, die man auch noch irgendwann pflegen soll und will. Feierabend? Kennen sie kaum, sagte mir eine Mutter unlängst, «Schichtwechsel, das triffts eher».

Erschöpfung und Burn-outs nehmen zu

Mütter reiben sich auf zwischen Familie und Beruf. Die Doppel- und Dreifachbelastung heutiger Mütter strapaziert viele über Gebühr. Der Stress, Job und Familie zu vereinbaren, sowie der ständige Zeitdruck sind Gründe dafür. «Heute sind Kuren für Eltern wieder stark nachgefragt», berichtete die FAZ diese Woche.

Viele heutige Mütter und Väter betreiben zu sehr Raubbau an ihrer Gesundheit und Partnerschaft. Eine vor zwei Jahren publizierte Auswertung bestätigt diesen Trend: Die Zahl der Mütter mit Erschöpfungszuständen bis zum Burn-out ist innert zehn Jahren um fast 40 Prozent gestiegen. Die Zahlen stammen aus dem Jahresbericht des Müttergenesungswerks Deutschland.

Gerade so machbar

Denn meist ist es nach wie vor die Frau, die sich in den Dienst des Haushalts, der Kinder und der Familie stellt. Geht sie einer Arbeit nach, kommt diese Aufgabe noch dazu. Sie hat sich ein wachsendes Pensum an Aufgaben und Ansprüchen eingehandelt, die - wenn der Familienalltag schön flutscht und niemand krank ist - gerade so machbar sind.

Ist das nicht der Fall, ist die Hölle los - und Mami hat es mal wieder zu richten. Das Ergebnis ist eine erschöpfte Gesellschaft aus Frauen und auch Männern, die verzweifelt versuchen, zwei oder drei Leben in einem zu führen.

Deswegen mal auf den Tisch zu hauen und sich zu wehren, tut Frau aber nicht: Meist ist sie froh, dass sie ihre lieben Kinder UND einen Teilzeitjob hat, der ihren Interessen und Fähigkeiten entspricht. Dass sie beides haben kann, war ihre Bedingung damals, als sie sich für Kinder entschieden hatten.

Es gehört zu ihrem Selbstverständnis als Frau, weiter arbeitstätig zu sein - und käme einer Selbstaufgabe gleich, wäre es anders.

Klar aber ist: Viele Mütter sind mit der Situation überfordert. Sie verlangen viel zu viel von sich selbst und sagen viel zu selten auch mal Nein.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Tages-Anzeiger.

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