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29/10/2015 06:55 CET | Aktualisiert 29/10/2016 07:12 CEST

So gewinnen wir unser Gefühl der Sicherheit zurück

Thomas Barwick via Getty Images

Tausende Menschen sind unterwegs, Erdbeben, Flutkatastrophen, finanzielle Schwierigkeiten ganzer Länder. Wir könnten mehr Angst bekommen, als jemals zuvor. Wie sicher ist das Leben noch? Der Leistungsforscher und Buchautor Gabriel Schandl beantwortet Fragen, die schwierig sind, aber höchst aktuell.

Herr Schandl, in Zeiten, in denen ganze Völker in Bewegung geraten, auf der Flucht vor Krieg, die meisten von ihnen laufen um ihr Leben, und das ist nur eine der weltweiten Krisen, was entsteht da in unseren Köpfen?

Der Fokus verschiebt sich, also unsere Aufmerksamkeit. Wir konzentrieren uns mehr auf die Dinge, vor denen wir Angst haben als auf das, was wir sicher können oder wissen. Tatsache ist aber auch, dass die meisten unserer Sorgen und Ängste nicht in dem Maß eintreffen, wie wir sie uns vorher schon ausmalen.

Es ist schon eine biblische Aufforderung, dass wir uns keine Sorgen machen sollen, weil Sorgen weder unser Leben verlängern noch etwas zum besseren wenden. Natürlich sind Ängste manchmal berechtigt, es gibt ja auch die gute Absicht dahinter, uns vor etwas zu schützen. Aber wir sollten nicht zulassen, dass uns Sorgen und Ängste kontrollieren sondern den Spieß umdrehen.

Was genau meinen Sie damit?

Wenn wir uns wieder darauf konzentrieren, was in unserem Leben gut läuft, entwickeln wir wieder eine neue Dankbarkeit, für die kleinen Dinge des Lebens. Das heißt nicht, die großen Probleme zu ignorieren, es heißt, sich auf das zu konzentrieren, was wir beeinflussen können.

Unseren Tag, unsere Familien, unsere Kunden und Kollegen, unsere Mitarbeiter und Führungskräfte, unsere Freunde und Kinder. Überall dort haben wir Gestaltungsmöglichkeiten, wir können in diesem „Mikrokosmos" für kleine Verbesserungen sorgen. Wenn dann noch Energie und Kapazitäten übrig sind, können wir uns auch beteiligen an unterschiedlichen Hilfsaktionen und anderen Menschen etwas Gutes tun.

Sind Menschen egoistisch, wenn es von außen her bedrohlich wird?

Es hat sich in den letzten Monaten beeindruckend gezeigt, wie hilfsbereit Menschen werden, im Angesicht der Not. Waren es in den letzten Jahren Flutkatastrophen, die Menschen dazu gebracht haben, zur Schaufel zu greifen, um ihrem Nachbar zu helfen, sein Wohnzimmer wieder frei zu bekommen, so sind es heute die vielen ehrenamtlichen Helfer, die unermüdlich für die Flüchtlinge sorgen, ihnen helfen.

Andere spenden Geld, auch das hilft. Egal was wir tun, jeder kann etwas tun und das erzeugt Sicherheit. Wenn wir uns darauf konzentrieren, was wir tun können. Vor allem in Zeiten, in denen man nur sehr bedingt planen kann.

Sie haben ihr Buch betitelt mit „Das Beste geben". Gilt das in diesen Zeiten noch?

Unbedingt! Das meine ich ja damit: Wenn jeder an der Stelle, an der er oder sie steht, das Beste gibt, zu dem wir in der Lage sind, mit den Mitteln die wir haben, dann entsteht daraus etwas Besonderes. Das gelingt nicht jeden Tag, aber das macht nichts. Allein der Versuch, das zu Tun, ist schon viel wert. Lieber etwas weniger perfekt angepackt, als es perfekt zu planen und dann nie zu tun.

Sie haben vorhin aus der Bibel zitiert, einige der Ereignisse heute und aus letzter Zeit erinnern bereits an die angekündigte „Endzeit", wie stehen sie ganz persönlich zu diesem Thema?

Also die Frage ist berechtigt und sie bringen es auf den Punkt: Es ist tatsächlich ein sehr persönliches Thema, das jeder für sich selbst entscheiden muss. Was mir hilft, ist der Gedanke, dass es einen Schöpfer-Gott gibt, der unter anderem dafür sorgt, dass sich die Erde dreht, die Sonne scheint und im Frühling wieder überall neue Blüten sprießen.

Warum was wie passiert auf dieser Welt, kann weder ich noch sonst jemand schlüssig erklären, bei allen gut gemeinten Versuchen der Wissenschaft, landen wir im Endeffekt doch beim bekannten Satz: Ich weiß, dass ich nichts weiß. Wenn wir es wüssten, wären wir ja Gott und das sind wir nicht.

Aber wir haben schöpferische Fähigkeiten mit bekommen, Talente, mit denen wir große Städte bauen, unglaubliche Maschinen und wunderbare Kunst. Das ist das göttliche in uns und daran glaube ich auch: Ich glaube, wir können vieles in dieser Welt mitgestalten, ja sogar verändern.

Vielen Dank für das Gespräch.

Volksküche "Vokü" engagiert sich am Münchener Hauptbahnhof für die Versorgung von Flüchtlingen

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