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02/04/2015 11:52 CEST | Aktualisiert 02/06/2015 07:12 CEST

Nach Germanwings-Absturz: Selbstmordabsichten erkennen und frühzeitig eingreifen

Kent Wien via Getty Images

Germanwings-Absturz - Nach dem schrecklichen Germanwings-Unglück ist bisher bekannt, dass der Kopilot das Flugzeug bewusst hat abstürzen lassen. Offenbar litt er an Depressionen, die ihn zu dieser schrecklichen Tat verleitet haben. Der Frühling ist die Jahreszeit, in der die meisten Selbstmordgedanken in den Köpfen der Menschen kursieren - dies hat verschiedene Ursachen (wer sich dafür interessiert, kann sich hier einlesen).

Doch wie erkennt man Selbstmordgedanken frühzeitig? Die Mayo Clinic und die "Montana Suicide Prevention" haben diesen Leitfaden verfasst - ich habe ihn übersetzt und angepasst.

Als erstes sollte man überprüfen, ob die Person Selbstmordgedanken hat oder an den Tod denkt. Seien Sie sensibel, aber fragen sie direkt, wie:

• Wie kommen Sie damit zurecht, was in Ihrem Leben passiert?

• Haben Sie jemals das Gefühl, einfach aufzugeben?

• Denken Sie über das Sterben nach?

• Denken Sie darüber nach, sich selbst zu verletzen?

• Denken Sie über Selbstmord nach?

• Haben Sie jemals darüber nachgedacht, wie Sie es tun würden?

• Wissen Sie, wann Sie es tun würden?

• Haben Sie die Mittel, es zu tun?

Die Person zu diesem Thema zu befragen wird sie davon abhalten, die Gedanken auszuführen. Reden hilft - das Sprechen mit der Person zeigt, dass jemand für sie da ist und senkt somit das Selbstmordrisiko.

Achten Sie auf Warnsignale!

Man kann nicht immer sagen, ob ein Freund oder ein Verwandter einen Selbstmord in Erwägung zieht oder plant. Aber hier sind einige typische Anzeichen:

Reden über Selbstmord - zum Beispiel, Aussagen wie "Ich werde mich töten", "Ich wünschte, ich wäre tot" oder "Ich wünschte, ich wäre nicht geboren"

• Sich die Mittel beschaffen, um sich umzubringen, wie zum Beispiel der Kauf von Waffen oder übermäßiger Kauf von Pillen

Vermeidung von sozialen Kontakten und permanentes Desinteresse/Absagen wie z.B. "Lass mich in Ruhe!"

• ständige Stimmungsschwankungen (z.B. 1 Tag emotionales Hoch und dann ein plötzlicher Einbruch)

• plötzliche Beschäftigung mit den Themen Tod, Sterben und Gewalt

• das Gefühl in einer Situation gefangen zu sein oder in einer ausweglosen Situation zu stecken

• zunehmender Konsum von Alkohol oder Drogen

• ein ständiges Ändern der normalen Routine, einschließlich Essen- oder Schlafensmuster

riskante oder selbstzerstörerische Dinge ausüben, wie Drogenkonsum oder eine rücksichtslose Fahrweise

Loswerden von Gegenständen oder plötzliches Klären von Angelegenheiten ohne logische Erklärung

Abschied von Menschen, als ob man sie nicht mehr sehen würde

• Entwicklung von Persönlichkeitsveränderungen (oder plötzliche Besorgungen oder Aufregung, insbesondere bei oben genannten Situationen)

Suchen Sie sofort Hilfe, wenn nötig!

Wenn Sie glauben, dass jemand in Gefahr ist, Selbstmord zu begehen oder einen Selbstmordversuch gemacht hat:

• Lassen Sie die Person nicht allein

• Wählen Sie sofort die 112 oder Ihre örtliche Notrufnummer. Alternativ können Sie die Person auch direkt zur Notaufnahme fahren, wenn Sie sich dazu in der Lage fühlen.

• Versuchen Sie herauszufinden, ob er oder sie unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen ist, insbesondere ob er oder sie eine Überdosis eingenommen hat.

• Teilen Sie einem Familienmitglied oder Freund unverzüglich mit, was passiert ist.

Wenn sich ein Freund oder ein Familienmitglied seltsam verhält oder Sie glauben, dass er oder sie Selbstmord begehen könnte, dürfen Sie nicht versuchen, die Situation ohne Hilfe anzugehen - holen Sie sich schnellstens professionelle Hilfe. Die Person muss möglicherweise ins Krankenhaus, bis die schwere Zeit vorbei ist.

Bieten Sie Unterstützung!

Wenn ein Freund oder ein geliebter Mensch an Selbstmord denkt, braucht er professionelle Hilfe, auch wenn die Gedanken keine direkte Gefahr darstellen. Das können Sie tun:

• Überzeugen der Person, eine Behandlung zu suchen - jemand, der Selbstmordgedanken oder eine schwere Depression hat, kann nicht die Energie und Motivation aufbringen, um Hilfe zu finden. Wenn die Person keinen Arzt aufsuchen will, empfehlen Sie Hilfe bei der Suche von einer Hilfegruppe, einem Krisenzentrum, einer Glaubensgemeinschaft, einem Lehrer oder anderen vertrauenswürdigen Personen. Sie können bei der Suche helfen - aber denken Sie daran, dass es nicht Ihre Aufgabe ist, ein Ersatz für einen professionellen Helfer zu sein.

• Begleiten Sie die Person auf ihrem Weg - informieren Sie sich über Behandlungsmöglichkeiten, reden Sie mit ihr darüber oder begleiten Sie sie zu einem Termin.

• Motivieren Sie die Person, mit Ihnen zu reden - jemand, der Selbstmordgedanken hat, versucht vielleicht sich zu verschließen und Gefühle nicht zu zeigen, weil er oder sie sich schämt oder schuldig fühlt. Seien Sie stützend und verständnisvoll, drücken Sie Ihre Meinungen ohne Schuldzuweisungen aus und hören Sie aufmerksam zu, ohne die Person zu unterbrechen.

• Seien Sie respektvoll und bestätigen Sie die Gefühle der Person - versuchen Sie nicht, die Person aus ihren Gefühlen heraus zu drängen oder schockiert über sie zu sein. Denken Sie daran: Auch wenn jemand, der selbstmörderisch ist, nicht logisch denkt, sind die Emotionen echt.

Wenn Sie die Gefühle der Person nicht respektieren, kann dies zum Erliegen der Kommunikation führen.Reden sie nicht davon, was Sie zum Leben brauchen. Stellen Sie stattdessen Fragen wie: "Was verursacht, dass Sie sich so schlecht fühlen?", "Was würde Sie glücklicher machen?" oder "Wie kann ich helfen?".

• Nie versprechen, die Selbstmordgedanken geheim zu halten - zeigen Sie Verständnis, aber erklären Sie, dass Sie nicht in der Lage sind, ein solches Versprechen zu halten, weil Sie denken, dass das Leben der Person ist in Gefahr ist. An diesem Punkt müssen Sie Hilfe holen.

• Bieten Sie die Gewissheit, dass es besser werden wird - wenn jemand suizidal ist, scheint es, als ob nichts die Dinge besser machen würde. Versichern Sie der Person, dass diese Gefühle zeitlich begrenzt sind. Machen Sie der Person Mut und sagen Sie ihr, dass das Leben nach der Behandlung wieder normal sein wird.

• Vermeiden Sie, dass die Person Alkohol- und Drogen zu sich nimmt - sie mögen die Schmerzen lindern, aber letztlich machen sie alles nur schlimmer - sie können zu rücksichtslosem Verhalten führen oder mehr deprimieren. Wenn die Person trotz Ihrer Worte nicht damit aufhört, braucht sie professionelle Hilfe.

• Entfernen Sie wenn möglich gefährliche Gegenstände aus dem Umfeld/Haus der Person - stellen Sie sicher, dass die Person keine dieser Gegenstände um sich hat, mit denen sie sich verletzen könnte - Messer, Waffen, Drogen oder weitere scharfe Gegenstände gehören dazu. Wenn die Person ein Medikament nimmt, das für eine Überdosierung verwendet werden könnte, ermutigen Sie sie, jemanden zu haben, der die Einnahme kontrolliert.

Nehmen Sie alle Anzeichen von Selbstmordabsichten ernst!

Wenn Sie jemanden kennen, auf den sämtliche Punkte zutreffen, dürfen Sie die Situation nicht ignorieren. Viele Menschen, die Selbstmord begehen, haben die Absicht zu einem bestimmten Zeitpunkt ausgedrückt. Sie mögen vielleicht überreagieren, aber die Sicherheit von Ihrem Freund oder geliebten Menschen ist das Wichtigste. Machen Sie sich keine Sorgen um die Beziehung mit der Person, wenn ihr Leben auf dem Spiel steht.

Sie sind nicht dafür zuständig, zu vermeiden, dass sich jemand umbringt - aber Ihr Eingreifen kann helfen, damit die Person sieht, dass es auch anders geht - eine Behandlung bietet Sicherheit. Sie können damit das Leben der Person und vielleicht auch das von unschuldigen Beteiligten retten.


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