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12/11/2015 11:43 CET | Aktualisiert 12/11/2016 06:12 CET

An den Mann, der mich gezeugt hat, aber mich nicht wollte

Gettystock

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Lieber John Doe,

ich weiß, das ist wahrscheinlich nicht dein Name. Ich möchte deinen Namen gar nicht wissen, denn er nützt mir nichts. Wenn du das liest, denkst du wahrscheinlich, dass ich dir sagen werde, was für ein schlechter Vater du bist und dass du dich dafür schämen solltest, dass du mich verlassen hast. Das ist nicht der Fall. Was ich dir sagen will, ist...

Ich vergebe dir.

Ich vergebe dir, dass du nicht da warst, denn es hat mich stärker gemacht. Als ich noch klein war und wir in der Schule den Vatertag gefeiert haben, hatte ich meinen Großvater. Wenn ich gefragt wurde: "Wo ist dein Vater?" habe ich gesagt, dass ich keinen habe, aber etwas viel besseres hätte.

Er war schon einmal ein Vater, also wusste er, was er mir beibringen musste, damit ich stärker werde und ein besserer Gentleman. Er sagte mir immer, dass ich vor nichts und niemandem klein beigeben sollte. Er hat mir gezeigt, dass ich immer einfordern sollte, mit Respekt behandelt zu werden.

Ich vergebe dir, dass du mich weggestoßen hast, denn dadurch habe ich neue Arme gefunden, die mich an sich drücken. Meine Großmutter hat mir beigebracht, respektvoll und vertrauenswürdig zu sein. Sie hat mir gezeigt, dass ich zu jedem ehrlich sein muss, mit dem ich in Kontakt trete, denn eine Lüge ist schlimmer als jedes Wort, das ich zu einem Menschen sagen könnte.

Sie hat mir nicht erlaubt, mich anderen gegenüber respektlos zu verhalten und wenn ich es doch tat, hat sie mir gezeigt, dass Bestrafungen existieren. Und glaub mir, sie hat sich nicht gescheut, sie anzuwenden.

Ich vergebe dir, dass du kein Elternteil warst, denn Mama war in der Lage, es selbst in die Hand zu nehmen. Sie hat denselben Job, seitdem ich auf der Welt bin. Sie hat zwei Kinder großgezogen, einen Vollzeitjob gemacht und war immer in der Lage, für uns zu sorgen.

Manchmal war es vielleicht nicht das, was sie uns gerne gegeben hätte, aber wir sind unendlich dankbar für alles, was sie für uns getan hat. Wenn wir in den Urlaub fuhren, hat sie sich abgeschuftet, um uns das zu ermöglichen und sicherzustellen, dass wir eine großartige Zeit haben.

Sie ist zu jedem Event gekommen, an dem ich teilnahm, zu jeder Show, zu jedem Konzert und sie hat Bilder von all diesen Ereignissen. Sie war immer da, egal worum es ging und sie war stolz auf jede Erinnerung, die ich erschaffen habe.

Ich vergebe dir für all diese Dinge, denn ich weiß, dass ich dadurch ein besserer Mensch geworden bin. Ich bin ohne dich zu meinem ersten Schultag gegangen und ich habe ohne dich an der Universität angefangen und bereits mein halbes Studium hinter mir.

Ich weiß, wer ich bin und wer ich sein will. Ich weiß, wen ich mir zum Vorbild nehmen werde, wenn ich selbst einmal Vater werde. Dass du nicht an meinem Leben teilgenommen hast, hatte keinen Einfluss auf meinen Erfolg, es hat mich gefordert und motiviert, meine Sache noch besser zu machen.

Nicht, weil ich es dir beweisen wollte, sondern weil ich es mir selbst beweisen wollte. Wenn ich mich umsehe, ist diese Familie mit der Zeit gewachsen und die Menschen, die in meinem Leben ein- und ausgehen, haben die Lücke gefüllt, die du hinterlassen hast.

Also denk dran, du hast mich nicht versaut, als du mich verlassen hast, als du dich von Mama getrennt hast und als du vor deinen Problemen davon gelaufen bist. Ich hoffe wirklich, dass du dein Glück gefunden hast und ich vergebe dir, dass du der Mann bist, der mich geschaffen hat, aber mich nicht wollte.

Aufrichtig,

dein Kind.

Dieser Text erschien zuerst bei The Odyssey und wurde aus dem Englischen übersetzt.

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