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20/08/2014 06:04 CEST | Aktualisiert 20/10/2014 07:12 CEST

Kofferpacken mit Menschenrechtler Ronald Meinardus: Ein Gespräch auf dem Weg nach Neu Delhi

Getty

Nach über sieben Jahren hat der Journalist und Menschenrechtler Ronald Meinardus die Leitung des Regionalbüros der Stiftung für die Freiheit für den Nahen Osten und Nordafrika in Kairo abgegeben. Jetzt geht es für den ehemaligen Redakteur der Deutschen Welle nach Neu Delhi. Zunächst einmal habe er "viele, viele Fragen im Gepäck". Im Interview erzählt der passionierte Twitter-Nutzer über die Herausforderungen und seine nächsten Schritte.

>>Herr Meinardus, nach Jahren der Arbeit für die Stiftung für die Freiheit in Kairo haben Sie einen Zwischenstopp in der Zentrale in Potsdam eingelegt. Was steht für Sie und Ihre Kollegen zurzeit auf dem "Trainings-Programm" Ihrer Vorbereitung? Und: Inwiefern hilft die Erdung in Brandenburg, um den Kompass neu zu justieren?

"Acht Jahre in Ägypten ist eine lange Zeit. Nicht etwa, dass ich zwischenzeitlich nicht des Öfteren nach Deutschland zurückgekommen wäre - dafür sorgt schon die segensreiche Einrichtung des so genannten jährlichen Heimaturlaubs. Aber der Vorbereitungsdienst, wie er im Amtsdeutsch heißt, ist eine gute Gelegenheit, Abstand zu nehmen und sich Schritt für Schritt auf die neue Aufgabe einzustellen. Nach so langer Zeit in einem Land ist das Abschiednehmen ein emotionaler Vorgang.

Doch nun schaue ich nach vorne - und auf eine in vielerlei Hinsicht faszinierende neue Herausforderung in Indien. Wie andere mit öffentlichen Mitteln geförderte Einrichtungen operiert unsere Stiftung mit einem dichten administrativen Regelwerk. Es ist überhaupt nicht schlecht, das diesbezügliche administrative Know-how ab und an aufzufrischen. Denn, wie heisst es so schön im Kollegenkreis: Die beste Projektarbeit ist 'Asche', wenn es mit den Abrechnungen nicht stimmt."

>>Ihr nächstes Ziel lautet: Neu Delhi. Ab wann berichten Sie aus und über Indien? Und welche Fragen an Land und Leute haben Sie im Gepäck?

"Also, im Moment ist das nicht meine Priorität. Bevor ich überhaupt irgendetwas zu meiner neuen Projektregion von mir gebe, muss ich viele Bücher lesen und Land und Leute auf mich wirken lassen. Das wird sicherlich einige Monate dauern. Ich fühle mich sehr privilegiert, dass ich mich gleichsam qua meines neues Amtes in eine neue politische Kultur einfinden muss.

Und Indien und die Nachbarländer - ich nenne hier nur Pakistan, Afghanistan und Bangladesch - haben ja für einen politisch interessierten Menschen mit einem journalistischen Hintergrund sehr viel zu bieten. Im Gepäck habe ich zunächst viele, viele Fragen. Wenn diese beantwortet sind, dann werde ich - da kenne ich mich - meine Erkenntnisse mit anderen teilen wollen.

Dass es dabei vor allem um politische Dinge gehen wird, ist naheliegend. Aber auch die Themen Wirtschaft und Umwelt werden mich in Südasien vermutlich mehr interessieren (müssen) als in meiner alten Region."

>>Im Arabischen Frühling trug die Nutzung sozialer Medien wahre Blüten. Sie selber nutzen Twitter intensiv. Werden die digitalen Kommunikationsmittel auch für Ihre neuen Aufgaben eine große Rolle spielen? Welche Stiftungs-Projekte werden Sie vorantreiben?

"Ich bin gerade dabei, mich in Bezug auf meine Twitter-Lektüre umzuorientieren und die Kurzmeldungen wichtiger Akteure in Indien und Pakistan regelmässig zu lesen. Ich bin der Überzeugung, dass es heute für einen politisch interessierten Menschen unverzichtbar ist, die Informationen und Debatten in den sozialen Medien im Auge zu haben.

Wenn man aus Deutschland kommt, wird man dann feststellen, dass andere viel weiter sind als wir. Das war in Ägypten der Fall, ansatzweise erkenne ich das aber auch schon jetzt - ohne systematisches Studium - in Bezug auf Indien. Dort haben die sozialen Medien einen großen Beitrag an der Bekämpfung der Politikverdrossenheit gehabt.

Es wird zu meinen ersten Prioritäten zählen zu prüfen, wie wir - und damit meine ich natürlich vor allem unsere liberalen Partner - die digitalen Kommunikationsmittel noch intensiver und damit strategischer einsetzen können. Wen das interessiert, den lade ich ein, mir unter @Meinardus zu folgen. Da wird sich über lang oder kurz einiges verändern. Insofern ist Twitter auch ein treuer Spiegel meiner beruflichen Veränderung."

Die Fragen stellte Julia Kranz, Online-Referentin, Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit.

Kontakt: Ronald Meinardus ist neuer Regionalbüroleiter der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in Neu Delhi (Indien). Das Regionalbüro betreut dort länderübergreifende Projekte unter anderem in Pakistan, Bangladesch und Sri Lanka. In Südasien setzt sich die Stiftung für liberale Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte sowie wirtschaftliche Freiheit ein. Der ehemalige Journalist der Deutschen Welle informiert aus erster Hand von seiner Arbeit vor Ort auch über den Kurznachrichtendienst Twitter: @meinardus.

Links:

Kontakt: Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in Neu Delhi: http://www.freiheit.org/Suedasien/611c163/index.html

Twitter: Ronald Meinardus: @meinardus

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