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27/02/2014 08:51 CET | Aktualisiert 29/04/2014 07:12 CEST

"Darf man Spielen auch mal langweilig finden?" Gespräch zwischen zwei Müttern

Heute unterhalten Nina Massek und Béa Beste über das Thema Spielen. Sie erinnern sich an die Spiele ihrer Kindheit, fragen sich, ob Väter eigentlich die besseren Spielkameraden für Kinder sind, und geben Tipps, wie man mit Kindern kreativ werden kann.

Heute unterhalten sich die Bloggerin Nina Massek alias Frau Mutter und die Unternehmerin Béa Beste von Tollabox über das Thema Spielen. Sie erinnern sich an die Spiele ihrer Kindheit, fragen sich, ob Väter eigentlich die besseren Spielkameraden für Kinder sind, und geben Tipps, wie man mit Kindern kreativ werden kann.

Béa: An welche Spielsituationen mit Deinen Eltern kannst du dich noch erinnern?

Nina: Ich erinnere, wie mein Vater mit mir früher immer Höhlen gebaut hat. Und dann haben wir gespielt, wir wären jetzt in Sibirien und die Wölfe kämen. Dann heulte mein Vater immer wie ein Wolf und ich hatte so ein wunderbares, geborgenes Gefühl. In unserer Höhle konnte mir ja nichts passieren und alles war sicher und warm.

Béa: Wie hat sich das Spielen der Kinder heute und damals verändert?

Nina: Das klingt jetzt so als wäre ich Jahrgang 1927, aber "wir hatten damals einfach nicht so viel." Ich bekam Spielzeug wirklich nur zu den Feiertagen geschenkt und hatte einfach nicht so viel wie meine Kinder heute. Ich glaube, ich habe auch viel mehr Rollenspiele gespielt. Ich war eigentlich die ganzen 1980er Jahre eine rosa Fee;) "Und es hat mir nicht geschadet!!!"

Béa: Was für Spiele oder Aktivitäten mit Kindern hasst du oder findest du völlig langweilig? Machst du das trotzdem den Kindern zuliebe?

(Für mich war es immer Zoo und Zirkus, mich deprimieren unglaublich Tiere in Gefangenschaft, seit ich Kind war. Meine Tochter habe ich immer fremd vergeben an andere Eltern für solche Aktionen.)

Nina: Ich weiß, es ist total lehrreich und gut für das räumliche Denken, aber ich hasse es, mit jeglicher Art von Bausteinen zu spielen. Zoo und Zirkus mache ich im Gegensatz zu Dir sehr gerne, das erinnert mich an meine Kindheit...Und die Artistinnen sehen ja auch aus, wie rosa Feen;)

Béa: Sollten Mütter eigentlich die ganze Chose mit dem Spielen nicht ganz den Vätern überlassen? Gleich und Gleich gesellt sich gern... ;-)

Nina: Hahaha, das ist eine interessante Frage. Ich stelle schon fest, dass mein Mann geduldiger und ausgiebiger mit den Kindern spielt als ich. Besonders, wenn es um "Star Wars" geht. Was ich an vielen Vätern feststelle: Sie können beim Spielen mit den Kindern besser abschalten. Wir Mütter rennen halt immer mit der "To-Do-Liste im Gehirn" rum...

Béa: So, los, du darfst vom Leder ziehen: "Spielerisch Lernen" - was verbindest du damit?

Nina: Ich glaube einfach, dass Vieles, was man so als "lehrreiches Spielzeug" verkauft bekommt, Quatsch ist. Meine Tochter spielt am liebsten mit Leergut und Tupperdosen und deckt "ihre Babys" dann mit Geschirrtüchern zu. Fantasie und Kreativität entstehen wirklich auch oft aus Mangel. Es gibt schönes und sinnvolles Spielzeug, aber wahrscheinlich braucht man nur ein Drittel von dem, was zu Hause rumliegt.

Nina: Béa, wie wichtig ist Spielen für Kinder?

Béa: Enorm wichtig! Beim Spielen erforschen sie ihre Welt, entdecken und erarbeiten Wissen und Fähigkeiten. Die Fachwelt nennt das "Free Discovery Play" und Studien haben herausgefunden, dass es die komplette Entwicklung eines Kindes beeinflusst. Ich zitiere den Pädagogikprofessor Dr. Christian Rittelmeyer, in "Erziehungskunst", Feb. 2013, unter Bezug auf den Clinical Report der American Academy of Pedriatics von Kenneth R. Ginsburg: „Heranwachsende, denen in der Familie, in Vorschul- und Grundschuleinrichtungen genügend Zeit zum Spielen gegeben wurde, zeichnen sich später durch bessere schulische Leistungen, durch Kreativität, Widerstandsfähigkeit (Resilienz), Selbstvertrauen und soziale Fähigkeiten aus."

Junge Kinder unterscheiden nicht zwischen Spielen und Lernen. Es passiert gleichzeitig, mit aller Ernsthaftigkeit, Freude und Vertiefung. Wenn sie es denn dürfen und nicht von einer Aktivität zur anderen gekarrt werden... "

Nina: Muss das immer mit Spielzeug sein oder geht das auch mit Alltagsgegenständen?

Béa: Ich trete sehr bewusst für das ein, was Sophie Lüttich schon mal "Spielen mit Zeug statt Spielzeug" genannt hat - allerdings ohne Spielzeug zu verteufeln. Alles hat seine Daseinsberechtigung. Aber ich möchte gern die Aufmerksamkeit von Eltern und Kindern auf das lenken, was man mit dem ganzen Kram machen kann, den man eh zuhause hat, vom Tetrapack bis zu Draht und Nägel. Kinder sind von sich aus kreativ und wiegen auch einen Kochlöffel mit Augen in den Schlaf, wenn man sie lässt und nicht mit sprech-wein-Pipi-machenden Puppen überschüttet.

Nina: Ich bin die totale Bastel-Versagerin, (fast) alle Kinder machen das aber total gerne. Deine besten Tipps für glückliches und einfaches Basteln!

Béa: 1. Das Wort "Basteln" aus deinem eigenen Kopf verbannen!! Schnell! Es weckt die Assoziation, dass da am Ende ein Ergebnis mit Perlchen und Federchen stehen muss, bei dem Oma und die Tanten in Entzückung geraten. Bastelmuttihölle! Gehe ganz anders heran: Nenne es Gestalten, Erforschen, Entdecken oder Experimentieren. Das entspannt ungemein.

2. Kinder machen lassen. Sprich: Fehler machen lassen. Ausprobieren. Eventuell etwas auch mal in die Tonne zu treten, ohne dem guten Material nachzujammern. Der Weg ist das Ziel! (hahaha)

Nina: Die Sängerin Judith Holofernes sagte kürzlich in einem Interview, dass sie Spielen auch einfach manchmal komplett langweilig findet. Was rätst Du Eltern, denen es schwerfällt, mit Ihren Kindern zu spielen?

Béa: Nichts machen, bei dem die Kinder spüren, dass sie sich innerlich quälen. Kinder haben unglaublich feine Antennen für so etwas. Wenn die Kinder darauf bestehen, empfehle ich hart zu verhandeln: Spielen gegen etwas, was die lieben Kleinen auch nicht gern machen. Ich habe mir früher von meiner Tochter Spielen mit Barbies in meckerfreie Museumsbesuche auszahlen lassen. Sonst empfehle ich, etwas zu finden, was beiden Spaß macht: Kochen? Tanzen? Singen? Pantomime? Saft-Degustationen? Flohmarkt? Blumen und Blätter pressen? Apps bewerten? Verstecken? Abenteuerspielplätze bewerten? Irgendwas lässt sich immer finden!

Außerdem: Mutter oder Vater zu sein ist ein Führungsjob. Gute Führungskräfte delegieren.... ;-)

Nina: Sollen Eltern Deiner Meinung nach überhaupt dauernd mit den Kindern spielen? Stichwort "Dauerbespaßung"?

Auf keinen Fall! Das halte ich sogar für schädlich. So lernen Kinder nie, sich selbst zu beschäftigen. Manchmal brauchen sie Impulse, d.h. mal den Blick auf etwas gerichtet zu bekommen: "Wusstest du, dass der Teddybär die kleine Stoffmaus zum Kaffee eingeladen hat? Jetzt braucht Teddy etwas Hilfe, das alles einzurichten..." oder "niemand hat es bislang geschafft, einen Swimmingpool aus Lego zu bauen". Aber den Großteil des Spielens sollte man Kindern selbst überlassen. Das ist ihr Job. Sie spielen, also lernen sie.