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04/11/2015 12:57 CET | Aktualisiert 04/11/2016 06:12 CET

Ich fühle mich leer und das ist gut so

Maskot via Getty Images

Wie kann man sich eigentlich leer fühlen? Das ist ein Zustand, in dem einfach nichts da ist. Jeder Zen-Meister und jede Meditation verlangt von euch, dass ihr euch vollkommen darauf einlasst und an nichts anderes denkt.

Ich dachte dabei nie an nichts. Es gab immer irgendetwas, über das ich nachdenken konnte: Meinen nächsten Urlaub, meine Kindheit, was ich zum Abendessen will... Die Liste ist lang.

Aber vor kurzem habe ich es gelernt, wie es ist, nichts zu fühlen. Vollkommen leer zu sein. Und mein bester Freund hat mir gezeigt, wie das geht: Er hat mich ignoriert, ohne dass ich wusste warum.

Es gab keinen Streit, der sein Verhalten rechtfertigen würde. Es gab kein Erlebnis, weswegen er sich nicht mehr melden könnte. Er war immer komplett normal zu mir und von einem Tag auf den anderen hat er den Kontakt abgebrochen.

Er hat nicht auf mich reagiert

Ich habe ihn angerufen, ich habe ihm geschrieben und bin zu ihm gefahren. Aber von ihm gab es keine Reaktion. Ich versank in Selbstvorwürfen, Selbstmitleid und Selbstzweifel. Dass ich den Grund nicht kannte, machte die Sache für mich unerträglich.

Ich war verzweifelt und habe ständig versucht ihn zu kontaktieren. Meine Gefühle waren wie ein Wirbelsturm. Wenn es mir richtig gut ging, kam plötzlich der Gedanke an ihn und ich war tieftraurig.

Allen ist aufgefallen, wie schlecht es mir damit geht. Nur ihm nicht. Sonst haben wir uns fast täglich getroffen und plötzlich nichts mehr. Ich konnte mich auf nichts mehr konzentrieren, weil ich immer nur daran dachte, wie ich wieder seine Aufmerksamkeit bekommen kann.

Und eines Abends dachte ich, es käme der Wendepunkt, alles wäre wieder wie früher. Aber es kam anders. Ich war gerade auf dem Weg zu einem Freund, als ich ihn plötzlich sah. Ich habe extra angehalten, weil ich dachte, dass er vielleicht stoppt und mit mir redet.

Seine Reaktion hat mich irgendwie nicht überrascht

Aber er ist nicht stehen geblieben. Da ist für mich eine Welt zusammengebrochen. Mein bester Freund hat mich schon wieder versetzt.

Ich habe wollte ihm hinterherlaufen, um ihm zu sagen, wie sehr ich ihn vermisse. Aber ich konnte nicht. Ich blieb auf meinem Weg. Mit verheulten Augen dachte ich über alles nach, was wir gemeinsam erlebt haben, die guten und die schlechten Zeiten.

Und da war es auf einmal: Das Gefühl der absoluten Leere. Mein Körper hat einfach abgeschaltet. Ich war wie in Trance und es passierte, worauf jeder Zen-Meister stolz wäre: Ich dachte an nichts.

Ich habe vergessen, wie sein Parfum riecht, oder welche Kleidung er gerne trägt, welche Musik er hört und was sein Lieblingsgericht ist. Es war alles weg. Mein Gehirn war leer.

Im ersten Moment habe ich einfach gar nichts gefühlt. Aber binnen Stunden konnte ich wieder fühlen, nur nicht für ihn. Und ich bemerkte, wie gut das war. Die Leere, die er in mir verursacht hat, brachte mir so viel Platz für schöne Dinge.

Ich musste mich nicht mehr ärgern, dass er nicht anruft. Und ich musste nicht mehr weinen, weil er mich ignoriert. Ich hatte wieder Raum für Glücksgefühle, neue schöne Erinnerungen und die Zukunft.

Die Leere hat mir mein Leben zurück gegeben

Seit diesem Abend fällt den Menschen in meinem Umfeld auf, dass ich mich verändert habe. Ich bin wieder zu dem Menschen geworden, der ich früher war. Selbst, wenn ich an ihn denke, ist da nichts. Wenn jemand von ihm spricht, ist da nichts. Wenn ich ihn sehe, ist da nichts.

Keine Sehnsucht. Kein Vermissen. Keine Trauer. Keine Freude. Es ist mir nicht einmal egal, ob ich ihn sehe oder nicht. Und genau diese Leere macht mich frei für so viel Neues.

Ich habe plötzlich wieder Zeit mich mit den schönen Dingen des Lebens zu beschäftigen. Ich nehme es wieder wahr, wie die Vögel zwitschern und der Mond in mein Fenster scheint. Das Leben war schon immer schön und Dank ihm kann ich es jetzt auch wieder sehen.

Ich kann meine Freunde wieder besser schätzen und habe mehr Zeit für meine Familie. Ich muss mich nicht mehr kümmern, was mein bester Freund macht und wann er sich wieder bei mir meldet. Ich muss mich nicht mehr fragen, ob er mich überhaupt noch mag.

Wenn ich an ihn denke, dann denke ich an seinen Namen und an die Sachen, die wir gemeinsam erlebt haben. Aber keineswegs mehr daran, welche gemeinsamen Dinge ich verpasse, weil er nicht mehr da ist. Ich fühle mich leer und das ist gut so.

Video: Britische Studie offenbart: Haben Sie diese vier Dinge zuhause? Dann könnten Ihre Freundschaften zerbrechen


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