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07/10/2015 11:45 CEST | Aktualisiert 07/10/2016 07:12 CEST

Diese Mode ist etwas ganz besonderes- denn sie hat eine starke Botschaft

SharapaAndriy via Getty Images

Die Models, die in den Kleidern des Labels Romani Design in den letzten Monaten über die Laufstege verschiedener Fashion Shows in Ungarn und Europa wandelten, strahlten übers ganze Gesicht.

Lag es an den blumig-farbenprächtigen Röcken, Blusen und Jacken, die sie tragen durften, dass hier nicht mit der auf Fashion-Catwalks üblichen Ausdruckslosigkeit defiliert wurde? Oder macht es einfach mehr Spaß, nicht nur Mode, sondern auch eine tolle Botschaft in die Welt zu tragen?

Das Modelabel Romani Design ist ein Beispiel dafür, wie die Idee des Social Business auch in einem schwierigen Umfeld Veränderung bewirken kann. Die gesellschaftliche Einbindung von Europas größter ethnischer Minderheit, den Sinti und Roma, gehört zu den komplexesten sozialen und wirtschaftlichen Aufgaben in europäischen Gesellschaften.

Lange Jahre waren trotz beachtlicher öffentlicher Investitionen kaum Erfolge zu vermelden. Heute zählen Social Businesses zu den Projekten, die den größten Erfolg bei der gesellschaftlichen Integration der osteuropäischen Roma versprechen. Vielerorts werden allerdings immer noch Roma-Minderheiten eher kontrolliert und „verwaltet", anstatt sie zu bestärken und zu unterstützen, selbst wirtschaftlich aktiver zu werden.

Brückenschlag zwischen den Kulturen in Europa

Erika Varga ist Romni und Unternehmerin und sie hat Romani Design in Budapest gegründet. Die Entwürfe ihrer Damenkollektionen sind tragbar und originell, sie greifen Romatraditionen auf und zeigen Mut zur Farbe und zum Muster.

Die ungarische Designerin möchte mit ihren Kreationen eine Brücke schlagen: „Meine von traditioneller Roma-Kleidung inspirierten Designs sollen Roma und Nicht-Roma gleichermaßen ansprechen und so einen Kulturaustausch anstoßen."

Meiner Meinung nach wird das junge Label nicht nur dazu beitragen, dass die Kultur der Roma als bereichernd für den Alltag von Nicht-Roma wahrgenommen wird, sondern es wird auch Arbeitsplätze schaffen. Mit steigender Produktion werden zusätzliche Näherinnen und Näher gebraucht und die Marke gibt Impulse für Beschäftigung an Zulieferer und den lokalen Handel.

Das Beispiel von Romani Design zeigt, dass soziales Unternehmertum eine ernstzunehmende Alternative zu den herkömmlichen Förderstrukturen zur Stärkung benachteiligter Bevölkerungsgruppen ist.

Hilfe zur Selbsthilfe - Unternehmensgründung als Ausweg aus der Abhängigkeit

Roma, seit mehr als tausend Jahren ein wesentlicher Teil der europäischen Zivilisation, werden in weiten Teilen Zentral- und Osteuropas in Schlüsselbereichen des gesellschaftlichen Lebens sozial ausgegrenzt und vor allem am Arbeitsmarkt massiv benachteiligt. So wird es ihnen nahezu unmöglich gemacht Unternehmen zu gründen, bei denen sie nicht auf die Unterstützung von Nicht-Roma angewiesen wären.

Impact Investoren wie die ERSTE Stiftung finanzieren daher Projekte, die Arbeitsplätze schaffen. Ein Social Business wiederum nimmt sich ein gesellschaftliches Problem vor und bearbeitet es auf der Basis eines funktionierenden Geschäftsmodells. Den erwirtschafteten Gewinn reinvestiert es wieder ins Unternehmen.

Diese Prinzipien des Social Entrepreneurship auf eine benachteiligte Bevölkerungsgruppe zu übertragen heißt auch, dass sich diese vom Prinzip der abhängig machenden Förderung emanzipieren kann. Nicht minder wichtig für den Erfolg derartiger Projekte ist der Zugang zu Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten für jene, die solche Arbeitsplätze einmal besetzen sollen.

Verständigung zwischen Nicht-Roma und Roma

Besonders in ländlichen Regionen und kleinen Gemeinden können Social Businesses die Beziehungen zwischen Roma und Nicht-Roma verbessern und lokale Ressourcen zur Schaffung von Einkommen und Arbeitsplätzen können genutzt werden.

Ganz zentral ist auch die Unterstützung durch Know-how. Das können pro bono angebotene Coachings sein, kompetente Beratungsleistungen durch Experten im Tätigkeitsbereich des Unternehmens oder auch Peer-to-peer Wissenstransfer aus anderen erfolgreichen Projekten.

Erika Varga wird inzwischen von internationalen Designern beraten, die ihr Tipps geben, wie der Aufstieg des Labels noch besser gelingen kann. Auch die nächste Kollektion wird die Models bestimmt wieder zum Strahlen bringen - und somit auch die immer zahlreicher werdenden Kundinnen.

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Franz Karl Prüller unterstützt bereits seit vielen Jahren die Idee von Social Business. Bereits 2012 haben er, die Erste Stiftung und die Erste Bank den Global Social Business Summit in Wien unterstützt. Der Summit wird dieses Jahr vom 4. bis zum 7. November 2015 in Berlin am historischen Flughafen Tempelhof stattfinden. Prüller wird dort als Redner über seine Erfahrungen wie auch den positiven Impact, den der Summit und Social Business in Wien hinterlassen haben, berichten.

LeserInnen der Huffington Post bekommen mit dem Promocode (tUdQ9biD) auf die Tickets für den Global Social Business Summit einen extra Discount von 10%.

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