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07/12/2015 15:49 CET | Aktualisiert 07/12/2016 06:12 CET

Der Kampf gegen die Brände in Indonesien

Barry Kusuma via Getty Images

Zwischen Sumatra und Borneo wüteten in diesem Herbst über 20.000 Waldbrände, teilweise von skrupellosen Brandstiftern gelegt, die den tropischen Regenwald roden wollten, um wertvolles Holz zu gewinnen oder aber Palmölplantagen anzulegen.

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Jetzt berichtet der oberste Brandschützer Indonesiens auf einer Veranstaltung im Deutschen Bundestag über die Ursachen, die Brandbekämpfung und die Prävention.

Doch zunächst konnte Dr. Herdrajat Daryanto, Director General of Social Forestry and Enviromental Partnership im indonesischen Forstministerium mit einer guten Nachricht aufwarten: Der einsetzende Monsumregen, auf den man in Südostasien lange warten musste, hat die Rauchentwicklung über dem indonesischen Archipel weitestgehend ersticken lassen.

Über 20.000 Waldbrände


Die Feuer hatten es in diesem Jahr in sich: Daryantos Behörde hatte bis Anfang November 2015 insgesamt 21.633 Feuer gezählt. Dabei sind dies in erster Linie Torfbrände, bei denen sehr viel Kohlenstoff freigesetzt wird und die die nicht nur an der Oberfläche wüteten, sondern auch im Untergrund.

Der Rauch dieser Torfbrände belastete auch die Nachbarländer Malaysia, Singapur und Thailand.

Die Feinstaubbelastung ist für Mensch und Umwelt gefährlich, der sogenannte Pollutant Standards Index, der angibt, wie stark die Luft durch Schadstoffe verschmutzt ist zeigte für Anfang Oktober in der indonesischen Provinz Kalimantan auf Borneo einen Wert von 1800 - schon ab 300 gilt die Luftverschmutzung als ernsthaft gesundheitsgefährdend.

Die Folge: Hundertausende von Atemwegserkrankungen. „Allein in der Provinz Jambi waren es annährend 130.000 Erkrankungen, in Südsumatra 115.500 Fälle zudem mussten annähernd 20.000 Schulen geschlossen werden und zweieinhalb Millionen Schüler konnten nicht unterrichtet werden

Vielfach werden die Feuer absichtlich gelegt, um mit Hilfe von Bränden wertvollen Tropenwald zu roden und anschließend Palmölplantagen anzulegen. Zwar steht die Brandrodung unter Strafe und Ertappte werden ins Gefängnis gestectt, doch gerade bei indigenen Völkern gehört diese Art von Landgewinnung zur Tradition.

Nicht immer lasse sich zwischen Brauchtum und illegaler Absicht unterscheiden, zumal dann, wenn lediglich ein Funke ausreicht, die trockenen Torfböden in Brand zu setzen. Indonesien ist der weltweit größte Palmölproduzent.

Regierung setzt auf Prävention


Auch die indonesische Regierung, so Daryanto, wisse, dass eine vernünftige Prävention und eine abgestimmte Brandlöschung die wichtigsten Werkzeuge bei der Bekämpfung der Waldbrände sind.

Eines der effizienten Instrumente ist das vom neuen Präsidenten, Joko Widodo erlassenen Umwandlungsmoratorium von Tropenwald in Nutzwälder. Dieses wurde im Mai dieses Jahres noch einmal verlängert.

Darüber hinaus wurde im zuständigen Forstministerium sowohl ein webbasiertes Frühwarnsystem, als auch ein Land- und Waldbrandüberwachungssystem installiert, das unter anderem Daten der Nasa als auch anderer Satelliten gestützter Systeme verwendet. Auch deutsche Satelliten sind im Einsatz.

Der Kleinsatellit TET-1 (Technologie-Erprobungsträger) des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Aufgrund der hohen Empfindlichkeit und besseren räumliche Auflösung der Kamera auf TET können sehr kleine Brände trotz des Rauch erfasst und vermessen werden.

Das indonesische Waldbrandüberwachungssystem ist in Echtzeit von jedem Smartphone Tablet oder Computer erreichbar.

Regelmäßige Aufklärungsflüge über gefährdete Gebiete, Bodenpatrouillen und die Einrichtung regionaler Waldbrandbüros sind weitere Maßnahmen, die die indonesische Regierung eingeführt oder intensiviert hat.

Zudem habe man, so der oberste Waldbrandbekämpfer Daryanto, lokale Kapazitäten von Brandbekämpfer-Gemeinschaften, in Indonesien Masyarakat Peduli Api genannt, eingerichtet.

Kanalblocking


Ein wichtiges Instrument für die Feuerbekämpfung ist das sogenannte Kanalblocking. Durch Ausheben von Wassergräben sollen hiermit einerseits die die ausgetrockneten Torfböden bewässert werden, andererseits die Ausbreitung von Feuern verhindert werden.

Darüber hinaus investiert die Regierung vor allem in die Nachhaltigkeit des Palmölanbaus. Die Notwendigkeit hat man in dem südostasiatischen Inselstaat erkannt und strebt eine enge Zusammenarbeit vor allem auch mit den Importeuren des Palmöls an.

Denn eine nachhaltige Versorgung mit pflanzlichen Ölen könne nicht nur auf den Schultern der Exporteure liegen, sondern vor allem in den Zusammenarbeit zwischen Industrie, Verbrauchern und Produzenten.

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