BLOG
28/02/2016 06:28 CET | Aktualisiert 28/02/2017 06:12 CET

Wie ein Berliner Unternehmen Flüchtlinge integriert

2016-02-27-1456585683-6360988-2.jpg

Integration ist nicht allein eine Aufgabe des Staates, sondern vor allem der Gesellschaft. Das hört sich banal an, aber wenn wir keine Parallelgesellschaften haben wollen, vor denen sich hierzulande die Mehrheit der Bundesbürger fürchtet, dann geht es vor allem darum Migranten sowohl sozial, als auch kulturell zu integrieren.

2015-11-12-1447332656-6784274-Facebook2.jpg

Vorgestern startete die deutsche Industrie- und Handelskammer in Berlin ein Aktionsprogramm zur Integration von Flüchtlingen, angesichts einer guten Konjunktur in Deutschland werden Arbeitskräfte dringend gesucht.

Doch viel wichtiger ist die Bereitschaft der Verantwortlichen in Unternehmen, Flüchtlinge aufzunehmen, ihnen einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz, eine Ausbildung oder auch nur ein Praktikum anzubieten.

Und dass dies funktioniert, beweist derzeit der Online-Marketing Dienstleister seosupport GmbH aus Berlin. „Wir haben uns entschlossen Migranten bei uns auszubilden," berichtet Sebastian Petrov, Geschäftsführer des Unternehmens, das sich u.a. auf Suchmaschinenoptimierung und Webentwicklung spezialisiert hat.

„Besonders mittlere Unternehmen in Deutschland haben eine besondere Verantwortung, wenn es unserer Gesellschaft gelingen soll, eine gute Integration voranzutreiben. Und dass das gelingt, davon ist Petrov überzeugt.

Bewegendes Schicksal nimmt ein gutes Ende

Sadegh Woschagh stammt aus dem Iran und hat eine abenteuerliche Lebens- und Fluchtgeschichte hinter sich, sein Vater, Kritiker des Mullahregimes ist hingerichtet worden, seine Mutter lebt noch heute im berüchtigten Camp Liberty nahe des Bagdader Flughafens, in dem die iranischen Oppositionellen von den USA untergebracht worden sind.

Die Menschen dort, werden jedoch von der Irakischen Regierung als Terroristen betrachtet und hausen täglich unter Lebensgefahr.

Sadegh selbst weiß ganz genau, was Krieg und Lebensgefahr bedeutet, der tägliche Überlebenskampf hat es dem 34jährigen unmöglich gemacht, einen abgeschlossenen Schulabschluss zu erlangen.

„Das hat uns aber auch nicht so interessiert", sagt Vincent Sünderhauf, ebenfalls Geschäftsführer der seosupport GmbH. Sadegh habe sich autodidaktisch Programmierung und Design von Websites beigebracht, „sodass er vom ersten Tag an eine Bereicherung für unsere Unternehmen darstellt. Die digitale Welt ist eben international und universell", so Sünderhauf.

Das Unternehmen möchte mit diesem Schritt auch andere Online-Marketing Agenturen animieren, sich stärker dem neuen Arbeitsmarkt zu öffnen und speziell auch Flüchtlingen eine Chance zu bieten, sich beruflich in Deutschland einzugliedern.

EU interessiert sich

Das soziale Engagement der beiden Unternehmer führte dazu, dass sich zu Anfang dieser Woche Michel Servoz, Generaldirektor der Generaldirektion für Beschäftigung, Soziales und Integration der Europäischen Kommission vor Ort bei seosupport persönlich ein Bild gemacht hatte. Bei der Vermittlung hat übrigens das IvAF-Projekt "Berufsvorbereitung für Flüchtlinge" des Zentrums für Flüchtlingshilfe und Migrationsdienste (zfm) geholfen.

Auch auf HuffPost:

#auchichbindeutschland: Sie sind in Deutschland geboren oder aufgewachsen, werden aber nicht als "Deutsche" gesehen

Lesenswert

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.