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05/04/2016 16:05 CEST | Aktualisiert 06/04/2017 07:12 CEST

Stressprävention in Unternehmen: Eine sehr persönliche Angelegenheit!

Compassionate Eye Foundation/Hiep Vu via Getty Images

Stress und Burnout der Mitarbeiter vorzubeugen ist zu einer der dringlichsten Herausforderungen in den Unternehmen geworden. Die Stressprävention ist in der Regel dann erfolgreich, wenn die Firmen ihr Augenmerk auch auf die individuellen Stressoren der Mitarbeiter richten.

Überstunden, ständige Erreichbarkeit, immer mehr Aufgaben im zunehmend schnelleren Takt .... Viele deutsche Mitarbeiter - und hier insbesondere die Führungskräfte - fühlen sich in ihrem Job wie im Hamsterrad. Sie sind gestresst, brennen aus. Wie die Zahlen des kürzlich veröffentlichten DAK-Psychoreports 2015 zeigen, war im vergangenen Jahr hierzulande jeder 20. Arbeitnehmer wegen eines psychischen Leidens krankgeschrieben. Hochgerechnet sind das 1,9 Millionen Berufstätige. Den Unternehmen droht damit aber nur der dicke untere Teil des Eisbergs unter der sichtbaren Wasserlinie; die Spitze des Berges ist nicht erreicht. „Direkte Arbeitsausfälle machen nur ein Drittel der Stressschäden aus. Zwei Drittel gehen auf Kosten des Präsentismus", weiß etwa Prof. Dr. Holger Pfaff von der Universität Köln, Gründungsmitglied und Senior Consultant der Deutschen Gesellschaft für Stressmanagement. Was er damit meint sind schleichende Produktivitätsverluste, verursacht von Mitarbeitern, die trotz stressbedingter Krankheiten zur Arbeit erscheinen.

Arbeitsschutz fordert „Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen"

Stress und Burnout werden somit immer mehr zum ernsthaften Problem für die Unternehmen. Denn fest steht: Mit depressiven, demotivierten Mitarbeitern werden sie ihre Betriebsziele nicht erreichen. Zum Handeln sehen sich die Firmen aber ohnehin veranlasst, weil die seit Ende 2013 vom Arbeitsschutz geforderte „Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen" dies notwendig macht. Die Unternehmen sind demnach verpflichtet, eine Beurteilung der psychischen Gefährdung der Mitarbeiter am Arbeitsplatz vorzunehmen. Nur: Viele Unternehmen wissen nicht wirklich, wie sie dem arbeitsbedingten Stress vorbeugen können. Wie sie Totalausfälle von Mitarbeitern verhindern. Mit flexiblen Arbeitszeiten und dem Angebot von Entspannungskursen ist es freilich nicht getan. Wie gelingt es dann? Strategischer Weitblick ist nötig: Um Handlungsfelder erkennen und entsprechend agieren zu können, müssen sowohl in der Organisation liegende als auch persönliche Faktoren genau betrachtet werden. Die Unternehmen müssen in Erfahrung bringen, wo der Stress genau herkommt und wie stark er den Mitarbeiter beansprucht. Wichtige Fragen zudem: Inwiefern macht der Mitarbeiter sich selbst Druck? Welche individuellen Ressourcen hat er, um mit den Belastungen umzugehen? Und erlebt er seine Arbeit eigentlich noch als sinnvoll?

Innere Leere aufgrund schlechter Arbeitsprozesse

Stress ist letztlich eine sehr persönliche Angelegenheit. Die psychischen Grundbedürfnisse - etwa die Bindung zu anderen Menschen - spielen dabei eine große Rolle: Sich im Kreise seiner Kollegen wohl zu fühlen, ist für viele Menschen ein zentrales Element psychischen Wohlbefindens. Auch Orientierung ist wichtig für die Mitarbeiter. Sie brauchen Ziele im Job und Transparenz bei ihren Aufgaben. Sind Strukturen und Prozesse beliebig, unkontrollierbar und unvorhersehbar, verspüren sie schnell eine innere Leere. Wer außerdem wenig Einfluss auf die eigenen Tätigkeiten hat, sich oft fremdbestimmt fühlt, empfindet seine Arbeitssituation im Allgemeinen als belastend. Und wer als Mitarbeiter nur als Rädchen im Getriebe betrachtet wird, das zu funktionieren hat, ist häufig von Selbstzweifeln gequält - und gestresst.
Manche Mitarbeiter ziehen sich zurück, lassen in ihrem Engagement nach
Stress ist auch deshalb sehr individuell, weil Mitarbeiter unterschiedlich auf solche und andere psychische Belastungen reagieren - sowohl auf kognitiver, als auch auf emotionaler und physiologischer Verhaltensebene. Manche Mitarbeiter ziehen sich zurück, lassen in ihrem Engagement nach. Andere engagieren sich zwar weiterhin, bringen aber dennoch immer weniger Leistung. Und bei einigen sind gar Veränderungen im Sozialverhalten zu beobachten: Sie provozieren auf einmal Kollegen, sind ständig auf Konfrontationskurs - und werden als Folge davon immer mehr von den anderen Mitarbeitern gemieden.

Stressprävention ist für jeden anders richtig

Wie die Auswirkungen auch sind, eines haben sie gemeinsam: Sie sind Gift fürs Unternehmen. Die Firmen tun daher gut daran, in Sachen Betriebliches Gesundheitsmanagement nicht nur auf organisatorischer Ebene zu agieren und allgemeine Maßnahmen einzuführen. Sie müssen auch darauf eingehen, wie die einzelnen Mitarbeiter jeweils mit den Arbeitsbelastungen umgehen. Denn Stressprävention ist für jeden anders richtig! Allein dabei den Fokus auf die jeweiligen Stressauslöser zu richten, ist ebenfalls nicht sinnvoll. Denn natürlich verfügen Mitarbeiter über individuelle Ressourcen, um Stress zu bewältigen. Wie stark diese Resilienz ausgeprägt ist, sollte ebenfalls in die Stressanalyse einfließen, die mit speziellen Tools durchgeführt werden kann. Das gleiche gilt für das sogenannte Coping: Hat der Mitarbeiter Strategien an der Hand, um die beruflichen Anforderungen erst gar nicht zu Stressoren werden zu lassen? Wichtig auch: der Führungsstil des direkten Vorgesetzten, die Perspektiven am Arbeitsplatz, die Motivation durch Kollegen und die Identifikation des Mitarbeiters mit seinem Arbeitgeber betrachtet. Denn die Motivation, die Mitarbeiter von außen erfahren - von dritten Personen oder auch aufgrund unternehmensinterner Maßnahmen - spielt beim Thema Stressbewältigung ebenfalls eine große Rolle. Auch auf Huffpost:

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