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10/03/2016 06:50 CET | Aktualisiert 11/03/2017 06:12 CET

Künstlersozialabgabe - fast alle Unternehmen müssen zahlen!

Thomas Ruecker via Getty Images

Künstlersozialabgabe? Was hat mein Unternehmen denn mit Kunst zu tun? Das fragen sich in letzter Zeit viele Unternehmer, die nach einer Betriebsprüfung durch die Rentenversicherung nun plötzlich Künstlersozialabgabe für die letzten fünf Jahre nachzahlen sollen - zuzüglich Säumniszuschlägen. Nicht selten beläuft sich der nachgeforderte Betrag auf mehrere Tausend Euro.

Was ist die Künstlersozialabgabe?

Künstlersozialabgabe muss jeder Unternehmer an die Künstlersozialkasse (KSK) abführen, der regelmäßig selbstständige Künstler oder Publizisten beauftragt. Die Abgabe dient der Finanzierung der Künstlersozialversicherung, die selbstständige Kreative in die gesetzliche Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung einbezieht. Die Höhe der Abgabe wird jährlich neu festgelegt. Für 2015 und 2016 liegt der Abgabesatz bei 5,2 %.

Abgabepflichtig sind natürlich zunächst einmal alle Unternehmen, die geschäftsmäßig kreative Leistungen verwerten (z. B. Buch- und Presseverlage, Filmproduzenten, Werbeagenturen, Theater etc.).

Die Künstlersozialabgabe trifft aber auch die sogenannten "Eigenwerber", die für ihr eigenes Unternehmen Werbung oder Öffentlichkeitsarbeit betreiben und dabei regelmäßig Aufträge an selbstständige Kreative erteilen.

Laut Bundessozialgericht (BSG) können schon ein bis zwei Beauftragungen von Kreativen pro Jahr für das Entstehen einer Abgabepflicht ausreichen.

Wer Werbung macht, ist meist abgabepflichtig

Damit ist auch außerhalb der kreativen Branche nahezu jedes Unternehmen in Deutschland abgabepflichtig. Denn eine Abgabepflicht besteht meist schon dann, wenn Website, Flyer, Unternehmensbroschüren, Visitenkarten o. ä. von selbstständigen Kreativen gestaltet werden.

Die Abgabe fällt auf alle Nettoentgelte an, die in einem Kalenderjahr an selbstständige Kreative gezahlt werden. Keine Abgabe ist dagegen bei Zahlungen an juristische Personen sowie an eine OHG oder KG fällig.

Ist also zum Beispiel die mit der Erstellung der Website beauftragte Werbeagentur eine GmbH, muss keine Künstlersozialabgabe gezahlt werden. Anders dagegen, wenn die Agentur als GbR firmiert.

Außerdem gibt es eine Bagatellgrenze: Wer im Jahr nicht mehr als 450 Euro netto an selbstständige Kreative gezahlt hat, muss darauf keine Künstlersozialabgabe abführen.

Betriebsprüfungen wurden verschärft

Die Künstlersozialabgabe ist eigentlich kein neues Thema; sie existiert seit über 30 Jahren. Neu ist aber, dass die Abführung der Abgabe inzwischen konsequent kontrolliert wird.

Nachdem nämlich viele Unternehmen - teils aus Kalkül, größtenteils aber aus bloßer Unwissenheit - die Künstlersozialabgabe jahrelang nicht ordnungsgemäß abgeführt hatten, sah die Bundesregierung Handlungsbedarf.

Mit dem zum 1. Januar 2015 in Kraft getretenen Künstlersozialabgabestabilisierungsgesetz (KSAStabG) wurden die Betriebsprüfungen durch die Rentenversicherungsträger in puncto Künstlersozialabgabe drastisch verschärft:

Bei Unternehmen, die bereits bei der Künstlersozialkasse erfasst sind und Arbeitgebern mit mehr als 19 Beschäftigten findet die Betriebsprüfung nun zwingend mindestens alle vier Jahre statt. Die übrigen Unternehmen sollen im Schnitt alle zehn Jahre geprüft werden. Statt wie bisher rund 70.000 Künstlersozialabgabe-Prüfungen pro Jahr werden künftig jährlich rund 400.000 Prüfungen stattfinden.

Das neue Gesetz hat seine Wirkung nicht verfehlt: Laut der Deutschen Rentenversicherung haben die schärferen Kontrollen allein im ersten Halbjahr 2015 zu Nachforderungen von mehr als 9,2 Millionen Euro geführt.

Mit anderen Worten: Die Zeiten, in denen man sich mit etwas Glück erfolgreich um die Künstlersozialabgabe drücken konnte, sind definitiv vorbei. Bei nicht ordnungsgemäßer Meldung und Abführung drohen Nachzahlungen für die letzten fünf Jahre, Säumniszuschläge und gegebenenfalls sogar ein Bußgeld.

Was ist zu tun?

Unternehmen, die bislang noch gar nicht bei der Künstlersozialkasse erfasst sind, sollten sich in einem ersten Schritt pro-aktiv bei der KSK anmelden.

Dabei müssen sie allerdings in Kauf nehmen, dass dies mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Nachzahlungen für die letzten fünf Jahre führt. Eine Art Amnestieregelung bei freiwilliger Selbstanzeige gibt es leider nicht.

Unternehmen, die bereits bei der KSK erfasst sind, sollten unter Hinzuziehung ihres Steuerberaters oder eines spezialisierten Rechtsanwalts genau überprüfen, ob die jährlich bis zum 31. März des Folgejahres abzugebende Entgeltmeldung in den vergangenen Jahren korrekt erfolgt ist.

Zu schwierig ist die Abgrenzung zwischen künstlerischer und nicht-künstlerischer Tätigkeit im Einzelfall, zu komplex die Beurteilung von Sonderfällen wie Verwertungsketten, Zwischenschaltung von Vermittlern oder Sachverhalten mit Auslandsbezug, als dass man für die Richtigkeit der Entgeltmeldung die Hand ins Feuer legen könnte.

Und wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, der Prüfer also schon da war und ein Nachzahlungsbescheid ins Haus geflattert ist? Dann lohnt es sich unter Umständen, innerhalb eines Monats Widerspruch gegen den Bescheid einzulegen.

Insgesamt sollte man das Thema Künstlersozialabgabe auf jeden Fall pro-aktiv angehen, um böse Überraschungen bei der nächsten Betriebsprüfung zu vermeiden (weitere Informationen unter www.kuenstlersozialabgabe-hilfe.de).

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