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17/10/2015 05:40 CEST | Aktualisiert 17/10/2016 07:12 CEST

Vom Surflehrer zum Unternehmer: Dieser Mann hat es geschafft

Paul McConnell via Getty Images

Florian Schweitzer: Daniel, Du bist heute einer der erfolgreichsten Angel Investoren Europas - vermutlich der Welt. So warst Du zum Beispiel Seed Investor von Mobileye und hast dort immer Anteile gehalten, bis die Firma über 10 Milliarden US$ wert war. Nach Deinem selbst finanzierten Studium bist Du ohne Geld in der Tasche und mit mittelmäßigem Englisch nach Hawaii gegangen, um das schöne Leben zu genießen.

Dort bist Du Surflehrer geworden, gleich nebenan von Robby Naish, der die andere Surfschule dort betrieben hat. Nach einigen Monaten konntest Du dann sehr gut surfen und englisch sprechen. Geld aber hattest Du nicht genug, um Dir eine der schönen Villen direkt am Strand zu kaufen. Was ist dann passiert?

Daniel Gutenberg: Erstmal - ich konnte gar kein Englisch, als ich nach Amerika kam. Eine Ausländerin hat mir an der Telefonzelle beim Übersetzen geholfen, als ich ein günstiges Zimmer zum Wohnen gesucht habe. Rückblickend wundere ich mich, dass ich nicht unter der Brücke gelandet bin - andererseits ist es auf Hawaii ja auch schön warm... (lacht).

Was die Villen betrifft - Ja, das war genau so. Ich habe gemerkt, dass ich etwas in meinem Leben ändern muss, damit ich mir so ein Haus kaufen kann. Die vermögenden Leute, die ich kannte, die in diesen Häusern wohnten, waren alle Unternehmer. Also habe ich beschlossen auch ein Unternehmen zu gründen.

Florian Schweitzer: ...und Du hattest keine wirkliche Idee?

Daniel Gutenberg: Genau. Ich hatte sogar überhaupt keine Idee. Ich bin in die Schweiz zurückgekehrt, um für eine IT-Distributionsfirma die technische Leitung zu übernehmen. Als die Firma dann ein Jahr später verkauft wurde, habe ich mich selbstständig gemacht.

Florian Schweitzer: Das war 1991. Wie hast Du interessante Produkte gefunden, gesourced?

Daniel Gutenberg: The hard way. Ich bin auf die Messen gegangen und habe mich sehr gut darauf vorbereitet, welche Produkte und Hersteller ich besuchen wollte. Ich kannte dann die Hallenpläne fast auswendig und bin systematisch die Gänge durchgelaufen auf der Suche nach innovativen Produkten.

Alles was ich beim Vorbeilaufen nicht innerhalb von 30 Sekunden verstehen konnte, kam sowieso nicht in Frage, weil diese Firmen das Marketing nicht im Griff hatten. So bin ich dann per Zufall auf ein kleines schwedisches Startup Namens Axis gestoßen. Ich habe die Axis-Produkte dann distribuiert und bin so mit dem Internet in Berührung gekommen. Axis ist dann vor ein paar Monaten für 2.8 Milliarden US$ von Canon gekauft worden.

Florian Schweitzer: Du bist relativ schnell zum Vertriebspartner von Oracle, Netscape, Intershop und Altavista geworden und hast sehr viel Geld über den Vertrieb dieser Lizenzen verdient. Wie bist Du zum erfolgreichen Investor geworden?

Daniel Gutenberg: Das war einer der großen Zufälle in meinem Leben und ist aus einem großen Problem heraus entstanden. Ich hatte nämlich ein sehr gutes Produkt einer amerikanischen Technologiefirma, die mich eines Tages anrief und mir mitteilte, dass ihre Lieferungen ab jetzt leider eingestellt werden müssten, weil sie insolvent seien. Ich bin aus allen Wolken gefallen und hätte viel Geld gewettet, dass diese Firma eine super erfolgreiche Firma war.

Was ich aber nicht wusste: Ich kleiner Schweizer habe in der Schweiz nahezu 100% des globalen Umsatzes der Firma ausgemacht. Das war sehr ärgerlich und ich habe daraufhin beschlossen, mich an den Firmen, deren Produkte ich vertreibe, zu beteiligen, damit ich weiß, wie gut oder wie schlecht es der Firma eben geht. Ich wollte Informationen haben - und so habe ich das Investieren gelernt.

Florian Schweitzer: ... und Dich so dann sehr früh an Netscape, Intershop und vielen weiteren beteiligt.

Daniel Gutenberg: Genau. Es waren vier Unternehmen, die dann in den Jahren oder Monaten drauf an die Börse gegangen sind, die meisten mit sehr prominenten Milliarden-IPOs. Da hatte ich Glück und bin nicht mehr die Surf-Welle, sondern die der ersten großen Internetentwicklung geritten (lacht).

Florian Schweitzer: Im Höhepunkt der dotcom Blase hast Du dann Deine Firma im März 2000 verkauft. Viele dachten zu dem Zeitpunkt es ginge immer weiter nach oben. Warum Du nicht?

Daniel Gutenberg: Eigentlich wollte ich ja gar nicht verkaufen, aber als ein Angebot kam in einer Höhe, die ich nicht verstehen konnte, habe ich die Firma per Handshake Deal verkauft.

Florian Schweitzer: ... und dann hast Du Dich erst einmal erholt, was im "Nuklearen Internetwinter" von 2001 - 2003 ja auch nicht das Schlechteste war.

Daniel Gutenberg: Stimmt - einige sehr glückliche Investments aber habe ich gemacht in der Zeit, wie zum Beispiel Mobileye.

Florian Schweitzer: Das hört sich alles sehr einfach an, vielleicht schon zufällig. Wer Dich kennt, weiß, dass dem nicht so ist. Du liest sehr viel und schaust Dir tausende von Ideen pro Jahr an. Offenbar hast Du ein gutes Gespür für Timing und Technologie. Was ist Dir an den Gründern wichtig?

Daniel Gutenberg: Mir sind drei Dinge sehr wichtig: Der Gründer muss einer sein, der ein „High level of energy" hat, er muss „Skin in the game" haben und unbedingt die Welt verändern wollen oder zumindest ein wichtiges Problem beheben wollen.

Florian Schweitzer: Als wir vor fünf Jahren zusammen mit zwei Dutzend befreundeten Investoren ins Silicon Valley gefahren sind, hast Du mit dem Finger auf eine Firma gezeigt, die wir uns unbedingt ansehen sollten. Wir haben sie angeschrieben und sie haben zunächst nicht reagiert.

Als unser Programm voll war mit 50 Start-up Pitches und knapp 30 Investoren Meetings, hat sich der Gründer dann zurückgemeldet und wollte auch pitchen. Auf unsere Absage hin hat er dann vorgeschlagen, im Bus zu präsentieren auf einer unserer Fahrten vom Hotel zu einem Unternehmen. Alleine dafür hätten wir ihm Geld geben müssen, Energie hatte der Mann ja...

Daniel Gutenberg: ... holy Moses ja. Das war die Seed Runde von UBER und damit wohl der beste Deal des Jahrzehnts. UBER ist heute mit 50 Milliarden US$ bewertet und wird mit Sicherheit noch weiter stark wachsen - da würde mir auch ein Prozent reichen (lacht).

Florian Schweitzer: Tja, und wir haben leider kein sauberes Follow-up gemacht.

Daniel Gutenberg: In der Tat sehr schade - und auch verrückt, wenn man überlegt, wieviel erfahrene, hochintelligente und super erfolgreiche Investoren im Bus sassen.

Florian Schweitzer: Weniger ist meistens mehr, bzw. wenn man auf Konferenzen oder Business Trips geht und viele unterschiedliche Personen am Tag trifft, muss man eben ein bis drei Tage Nachbereitung einplanen. Andererseits muss jede Fußballmannschaft auch viele Chancen erspielen, um ein Tor zu schießen und es ist nun mal unser Geschäft, aus Tausenden im Jahr die fünf bis zehn vermeintlichen Sieger heraus zu fischen.

Daniel Gutenberg: Nein - den Sieger. Die Selektion ist Alles in unserem Business. Das ganze Support Herumgerede von vielen VCs geht mir auf die Nerven - Schlussendlich sind die Unternehmer die Helden. Natürlich können wir manchmal ein paar Türen öffnen oder Erfahrungen einfließen lassen aber am Ende des Tages sind es die CE0s und das Management Team, die den Erfolg ausmachen.

Florian Schweitzer: Wonach suchst Du aktuell, was interessiert Dich?

Daniel Gutenberg: Im Moment interessieren mich Themen rund um Home Automation. Da wird es sehr spannend, ob sich Google oder Apple durchsetzen wird. Ebenfalls verfolge ich die Entwicklung in Sachen selbstfahrende Autos mit großem Interesse, mit den verschiedenen Technologien darum herum.

Was meiner Meinung nach noch besonders unterschätzt wird, sind Bitcoins und insbesondere die Möglichkeiten, die sich durch die Blockchain-Technologie ergeben werden. Es ist doch allen klar, dass wir ein Problem mit Währungen haben. Vielleicht muss der Schock aber persönlich erlebt werden, wie z.B. in Argentinien, wo die Inflation innerhalb kürzester Zeit Vermögen vernichtet.

Seit Bitcoin existiert haben wir noch keine große Währungskrise erlebt und es wird interessant sein, dies zu verfolgen. Last but not least lasse ich mich gerne überraschen damit, was die Startupper sonst noch so für Ideen haben.

Zur Person Daniel Gutenberg

Daniel Gutenberg ist einer der bekanntesten und erfolgreichsten Business Angels in Europa und seit 2003 General Partner beim Schweizer VC Investor VI Partners. Nach seinem Abschluss in Hochfrequenz-Ingenieurswesen an der CPLN in Neuchâtel ging er nach Hawaii und arbeitete dort unter anderem als Surflehrer. Im Anschluss ließ er sich von der Firma Dataset für einen kurzen beruflichen Ausflug ins Silicon Valley locken und fand so sein Interesse an der digitalen Welt.

Nach einer Zwischenstation bei einem existierenden IT-Distributor, gründete er im Jahr 1991 die Gutenberg Communication Systems AG, einen IT-Distributor, den er im Jahr 2000 an die TelinDus verkaufte. Zu seinen erfolgreichsten Investments gehören Firmen wie facebook, Mobileye, Netscape und Skrill.

Talkrunde: Was Deutschland vom Silicon Valley lernen kann

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