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14/12/2015 12:33 CET | Aktualisiert 14/12/2016 06:12 CET

Ein Investor und seine verrückten Gründerideen

david franklin via Getty Images

Florian Schweitzer: Reiner, Du hast mit einem Kommilitonen zusammen eine Online Bank gegründet. Das war 1994, zusammen mit Karl Matthäus Schmidt und wenn ich richtig liege, der erste Online Broker in Europa. Wenn Du Dich in das Jahr 1994 zurück versetzt - was dachtest Du als damals 27jähriger würde Eure Firma im Jahr 2000 sein?

Reiner Mauch: Schwer zu sagen. Ex post tendiert man ja dazu zu beschönigen oder zu romantisieren. Ich dachte mir schon, dass wir da etwas ganz Besonderes, etwas ganz Neues und etwas mit großem Potential aufbauen. Dass es aber so explodieren würde, hätte ich nicht gedacht.

Florian Schweitzer: Eure Firma war zum Höhepunkt im März 2000 am Neuen Markt einer der ganz großen Giganten unter den europäischen Start-ups mit einem Marktwert von rund EUR 5 Mrd. Just in diesem Moment hast Du die Firma verlassen. Rückblickend der ideale Zeitpunkt. Im Moment selbst war es glaube ich sehr hart, weil Du und Karl Matthäus Schmidt Euch nicht einig wart mit Blick auf die Strategie. Wie war der Ausstieg für Dich und hattest Du gespürt, dass es a) eine Blase war und b) dass diese bald platzen könnte?

Reiner Mauch: Ich hatte schon den Eindruck, dass viele in unserer Branche die Bodenhaftung verloren hatten - Das ja. Dass der Neue Markt und die ganze Venture Industrie dann aber so derart abstürzen würde, hätte ich nie gedacht. Und ja - zunächst war es sehr hart auszusteigen. Bei Consors waren wir dabei, die ganze Bankenwelt neu zu definieren. Wir waren die jungen Herausforderer, die auf einmal ernst genommen wurden aufgrund realer Erfolge.

Florian Schweitzer: Seither bist Du als Angel aktiv und ich darf jetzt seit 13 Jahren mit Dir zusammen arbeiten. Du bist extrem produktstark, wenn ich mir das jetzt so erlauben darf. Und eine weitere Stärke von Dir ist, dass Du die Gründer immer und immer wieder hinterfragst und direkte Fragen stellst. Ich behaupte, ohne Dich gäbe es Qype z.B. nicht, da warst Du ein sehr engagierter Angel. Machst Du das gerne? Was reizt .Dich am meisten?

Reiner Mauch: Bei Qype fand ich sowohl die Idee logisch als auch vor allem den Gründer sympathisch. Ich denke schon, dass es Qype ohne Nils Weitemeyer und mich als Angels nicht gegeben hätte. Was ich gerne mache: Ich überlege mir gerne, wie ein Produkt online oder mobil aussehen muss, damit es genutzt wird und Mehrwerte liefert. Am liebsten diskutiere ich das mit etwas verrückten Gründern. Denn man muss ja etwas verrückt sein, wenn man so etwas anpackt.

Florian Schweitzer: Als Angel Investor investierst Du in CleanTech, um ressourcenschonenden Technologien eine Chance zu geben und damit unsere Welt in Richtung Nachhaltigkeit zu bewegen. Im FinTech Bereich hattest Du lange Jahre nach interessanten Bewegungen Ausschau gehalten und bist jetzt von der Blockchain "angefixt". Welche Start-ups würdest Du Dir gerne ansehen, die die Blockhain Technologie nutzen?

Reiner Mauch: Das wüsste ich auch sehr gerne. Ich sehe mir sehr Vieles an in dem Bereich, lese viel dazu und spreche mit Leuten aus verschiedenen Bereichen. Aber die Zeit scheint noch nicht reif zu sein.

Florian Schweitzer: Wenn ich mir Dein Portfolio so anschaue, frage ich mich, warum Du Dich selbst noch als Hobby Angel definierst. Mit Finanzcheck, Qype, XING, Facebook, Linguee und vielen weiteren erfolgreichen Investments würden sich Deine US Kollegen Super Angel nennen.

Reiner Mauch: Ich investiere gerne sehr früh und arbeite mit den Gründern, bis die VCs kommen. Dann ist das nicht mehr meine Baustelle. Schön aber, dass ich Glück hatte und aus einigen der jungen Pflänzchen doch große Firmen geworden sind.

Florian Schweitzer: Glaubst Du, dass wir in Europa bald ein Start-up haben werden, welches über EUR 100 Mrd wert sein wird und vom Einfluss mit Google, Facebook, AirBnB etc. vergleichbar sein wird?

Reiner Mauch: Diese Größe ist außerordentlich. Aber warum nicht. Unser Besuch auf der NOAH in London neulich hat zumindest erahnen lassen, in welche Richtung es gehen könnte. Marco Rodzynek hat es geschafft, bei dieser Konferenz das Europäische Who is Who zusammen zu bringen. Und zwar so verdichtet, dass selbst Joey Levin, CEO von IAC, meines Erachtens voller Respekt ist über das, was Europa heute an Unternehmern und Investoren zu bieten hat. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass die Europäer nicht wie kleine Kinder zu den Amerikanern hochschauen. Es war atemberaubend, so viele Gründer an einem Ort zu treffen, die herausragende Firmen wie TeamViewer, adyen, BlaBlaCar, Skype, MoneySuperMarket und viele weitere aufgebaut haben.

Florian Schweitzer: Wer hat Dich am meisten beeindruckt?

Reiner Mauch: Zunächst der Organisator selbst mit seiner schier unendlichen Energie und dann sicherlich Oli Samwer. Mir hat die Wertediskussion sehr gut gefallen, die wir kurz davor im b-to-v Investorenkreis mit ihm geführt hatten. Ihn auf so einer großen Konferenz zu erleben, war mit Blick auf seine sehr differenzierten Antworten zum unfassbar weiten Spektrum der Rocket Aktivitäten äußerst überzeugend. Dann hat mir Klaus Hommels einmal mehr sehr gut gefallen - insbesondere seine Aussage mit Blick auf mittelständische Unternehmen, die, wenn sie ihre Marktstellung behalten wollen, jetzt mutiger werden müssen in Sachen M&A.

Florian Schweitzer: Kannst Du Dir vorstellen, dass man in 30 Jahren sagen wird, dass die Samwers für Berlin das waren, was Hewlett und Packard für das Silicon Valley waren?

Reiner Mauch: Mit Blick auf Produktinnovation wohl nicht, sehr wohl aber für das unternehmerische Ökoystem und die Internationalisierungs- bzw. Globalisierungskompetenz aus Berlin heraus. Wir sehen ja, wie gut ausgebildet ehemalige Mitarbeiter von Rocket sind. Hakan Koc von auto1, die Gründerinnen von Outfittery - die Liste ist sehr lang.

Florian Schweitzer: Was ist eine für Dich ideale Konstellation, in welche Du gerne investierst und Dich aktiv engagierst?

Reiner Mauch: Wenn mich eine technologische Lösung eines echten Problems begeistert und das Timing für die Marktreife gerade so ist, dass die Lösung bald (!) im Massenmarkt eingesetzt werden kann, ist die erste Grundvoraussetzung erfüllt, sofern es sich um ein tolles Geschäftsmodell handelt. Sehr wichtig ist mir ferner, dass die Chemie zwischen den Gründern und mir passt, wenn ich mich als Lead Investor engagiere. Als Co-Investor investiere ich sehr gerne, wenn ich den entsprechenden Lead Investor gut kenne bzw. ihm vertraue.

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