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12/12/2015 10:01 CET | Aktualisiert 12/12/2016 06:12 CET

"Ich will alles. Und zwar sofort!"

ullstein bild via Getty Images

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Über das, was die Menschen gerade bewegt und besorgt, über ihre Kritik und ihre Wünsche sind wir Politiker/innen immer gut informiert, sei es durch Mails und Briefe oder vor allem durch persönliche Gespräche. Und auch wir sehen fern und lesen Zeitung.

Doch wird die Komplexität vieler Themen manchmal nicht dargestellt und gesehen, bestehen deswegen oft falsche Erwartungen an „die Politik", ziehen sich viele Menschen vorschnell in eine „Politikverdrossenheit" zurück.

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Dazu ein Gedanke

Der berühmte deutsche Sozialwissenschaftler Max Weber hat seinerzeit treffend geschrieben: „Die Politik bedeutet ein starkes langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß zugleich."

Nehmen wir als Beispiel die Energiewende, ein Thema, das zurzeit nicht so im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses steht:

Die ersten Überlegungen zu einer Energiewende stammen schon aus der Zeit Mitte der 70er Jahre, jene zum Klimaschutz von Anfang der 90er Jahre! Mit dem dann endlich von der rot-grünen Koalition eingeleiteten Atomausstieg haben wir uns von einer Hochrisikotechnologie verabschiedet.

Langfristig wollen wir wegkommen von den begrenzten, schadstoffhaltigen und klimaschädlichen fossilen Energieträgern - hin zu einer Vollversorgung mit Energie aus Wind, Sonne oder Biomasse.

Dies ist aber nicht weniger als ein Mammutprojekt, das uns nicht nur in dieser Legislaturperiode beschäftigen wird! Die Reform des EEG zum Beispiel war ein erster Schritt, um die erneuerbaren Energien in den Strommarkt zu integrieren.

Denn der Umbau des Energiesystems kann nur dann gelingen, wenn die Versorgungssicherheit gewährleistet und Energie bezahlbar bleibt. Nur dann findet die Energiewende übrigens auch die notwendige Akzeptanz der Verbraucher/innen und der Wirtschaft.

„Ich will alles. Und zwar sofort!"

- nett als Schlagertext, illusorisch in der Politik. Dies sei zum Beispiel all jenen zu Bedenken gegeben, die jetzt den Kohleausstieg fordern, wo der Atomausstieg noch nicht abschließend vollzogen ist.

Ich wünsche mir - nicht nur für 2016 - mehr Realismus und damit auch mehr Geduld in der politischen Diskussion.

Denn Willy Brandt hat nicht nur davon gesprochen, mehr Demokratie zu wagen, sondern auch gesagt: „Das Wesen der Demokratie ist der Kompromiss."

Video: Sex-Werbespot: Eine etwas andere Energiespar-Kampagne der Umweltministerin

Dieser Text ist Teil der Reihe "Wie geht es uns?" Ein Jahr lang hat die Politik in Berlin, die Krise in Syrien und der Konflikt mit Moskau die Schlagzeilen beherrscht. Wie aber geht es Ende dieses irren Jahres den Menschen in Deutschland? Wie blicken die Menschen in unserem Land in die Zukunft? Das will die Huffington Post herausfinden - und hat alle Redakteure als Reporter durch das Land geschickt. Sie führen Interviews, besuchen Menschen, denen sonst niemand zuhört - und berichten über Menschen, die dabei helfen, die größten Probleme zu lösen.

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