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20/03/2016 06:32 CET | Aktualisiert 21/03/2017 06:12 CET

Von wegen nur noch online: Musik vom Vinyl bis zur Cloud

Guido Mieth via Getty Images

Der Blick auf die Realität der deutschen Musikindustrie zeigt: Es ist das Miteinander von physischem und digitalem Produkt, das die aktuelle Stärke des Marktes ausmacht.

Bei 4,6 Prozent Wachstum im Gesamtmarkt im Jahr 2015 ist es für viele überraschend, dass die längst totgesagte CD weiterhin das Rückgrat der Branche ist, ihr Marktanteil beträgt über 60 Prozent! Und während Vinyl weiterhin in der Nische boomt, hat sich der Streamingumsatz innerhalb eines Jahres nahezu verdoppelt, dank eines geradezu explosionsartigen Wachstums: Lag der Marktanteil 2014 noch bei 8,2%, sind es 2015 nun 14,4%.

Entsprechend hat sich auch die Zahl der tatsächlich gestreamten Songs fast verdoppelt von 329 Millionen pro Woche in 2014 auf 617 Millionen in 2015.

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Grafik: Bundesverband Musikindustrie / GfK Entertainment → http://bit.ly/1M546C9

Dann ist jetzt alles wieder gut?! Nein, soweit kann man leider nicht gehen. Zwar wächst das Streaming mit einer solchen Dynamik, dass sich der Gesamtkuchen tatsächlich wieder vergrößert hat, genau darauf hat die Branche gesetzt.

Aber der Blick auf die Langzeitentwicklung zeigt auf sehr eindrückliche Weise, dass wir zur Zeit zwar von einer guten Entwicklung sprechen, dass man diese Entwicklung aber nur als „im Prinzip gut" bezeichnen kann, weil sie sich auf dem Niveau eines um 40 Prozent geschrumpften Marktes abspielt: Lag der Umsatz der deutschen Musikindustrie 1997 noch bei fast 2,6 Milliarden Euro, freuen wir uns im Januar 2016 darüber, dass wir im vergangenen Geschäftsjahr erstmals seit 2009 wieder die 1,5 Milliarden-Euro-Hürde genommen haben.

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Grafik: Bundesverband Musikindustrie → http://bit.ly/1R0GAmD

Sicher ist: Die Musikindustrie befindet sich längst in einer Zeit der Diversifizierung, dem „ÜberalldortseinwoderNutzerist" und hat die Digitalisierung mittlerweile erfolgreich in ihre DNA integriert, 106 Prozent Wachstum beim Streaming sprechen für sich.

Das vergangene Jahr war ein entscheidendes für das Musikstreaming in Deutschland, das sich, im Vergleich zu anderen Ländern mit etwas Verspätung, nun als Nutzungsform etabliert hat.

Vergegenwärtigt man sich jedoch den globalen Erfolg der großen Internet-Plattformen im letzten Jahrzehnt und vergleicht ihn mit der Umsatzentwicklung der Musikindustrie, wird deutlich, dass hier kein Gleichlauf besteht.

Verlässliche Rahmenbedingungen unabdingbar


Wenn wir aber kreative Vielfalt erhalten wollen, ist es umso dringlicher - gerade auch wegen des weltweit zunehmenden Erfolgs des digitalen Geschäfts -, dass verlässliche Rahmenbedingungen für das digitale Lizenzgeschäft geschaffen werden. Dass Kreative und ihre Partner entsprechend an der Wertschöpfung im Internet partizipieren. Dass sichergestellt wird, dass Rechteinhaber ihre Rechte auch tatsächlich durchsetzen können. ‎

Denn unsere Branche bleibt die maßgebliche Investorin in musikalische Inhalte und finanziert damit zugleich einen erheblichen Teil der Webinhalte. Die „Musicfuels"-Kampagne der RIAA zeigt ziemlich eindrucksvoll, wie sehr Musiker mit ihren jeweiligen Facebook-, twitter-, YouTube-, Instagram-, YouNameThem-Accounts die Social Media-Sphäre dominieren und dadurch wesentliche Treiber von Kommunikation und Interaktion im Internet sind:

Sieben der zehn weltweit beliebtesten Twitter Accounts gehören Musikerinnen und Musikern, angeführt von Katy Perry mit über 84 Millionen Followern. Der erste Mensch weltweit, der bei Facebook die 100-Millionen-Marke geknackt hat, war Shakira, bekanntlich ebenfalls Sängerin. Und auch bei Facebook gehören sieben der zehn beliebtesten Seiten Musikern, bei Instagram sind es sechs. Und so weiter, und so fort.

Fazit: Wenn es weiter gelingt, illegale Quellen auszutrocknen, wenn es weiter gelingt, die Nutzer nicht nur über die Hits, sondern auch in der Nutzungsform überall dort abzuholen, wo sie gerade sind, und wenn es gelingt, die Rahmenbedingungen so anzupassen, dass „Freerider" es möglichst schwer haben, kann dieses positive Umfeld im Sinne aller Partner weiter ausgebaut werden. Und dann wird sich der Gesamtkuchen weiter vergrößern. Es bleibt auf jeden Fall spannend.

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