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10/09/2015 07:13 CEST | Aktualisiert 10/09/2016 07:12 CEST

An alle Männer, die sich einen Sohn statt einer Tochter wünschen

Dieser Beitrag von Doyin Richards erschien ursprünglich auf Fatherly.

Unlängst fragte einer meiner Leser, ob ich lieber Söhne als Töchter gehabt hätte. Natürlich ist die Antwort ein klares "nein", aber war das immer so? Es wäre gelogen, wenn ich das behaupten würde.

Schauen wir mal ein paar Jahre zurück.

Als mir meine Frau den positiven Schwangerschaftstest zeigte, der 2009 unser erstes Kind ankündigte, rief ich "großartig! Ich hoffe, es wird ein Junge!"

Fail.

Ich glaubte, wenn ich einen Sohn hätte, könnte ich ihm beibringen, wie man Basketball spielt, boxt und im Dreck spielt. Mit einer Tochter wäre ich für alle Zeit mit Verkleiden und anderem Mädchenkram gestraft, dachte ich.

Epic fail.

Ein paar Wochen voller "ich will so sehr einen Sohn" später, brach unsere Welt zusammen. Wenn ihr meinen Blog regelmäßig lest, wisst ihr, dass die erste Schwangerschaft meiner Frau nicht gut ausging und dass das ziemlich schrecklich für uns war.

Nach Monaten der Trauer wurde mir klar, dass ich eigentlich immer nur Vater sein wollte. Nicht nur der Vater eines kleinen Jungen. Ich verfluchte mich selbst dafür, dass ich so dumm und unreif gewesen war. Ich betete für Vergebung - und bekam sie.

2010 wurde meine Frau wieder schwanger und ich ließ den ganzen "ich hoffe, es wird ein Junge"-Blödsinn bleiben. Tatsächlich brach ich in Freudentränen aus als der Arzt uns sagte, dass wir ein Mädchen bekommen würden.

Seit Januar 2011 erfahre ich durch meine älteste Tochter eine Art der Liebe, von der ich nicht einmal wusste, dass es sie gibt. Außerdem glaube ich, dass mich meine Töchter zu einem besseren, stärkeren und klügeren Mann gemacht haben.

Hier sind einige Gründe, warum das so ist:

Erkenntnis #1

Ich stelle fest, dass ich alles, was ich mit einem Sohn machen könnte, auch mit meinen Töchtern machen kann (also Basketball spielen, boxen, im Dreck spielen).

Ja, ich weiß, dass die meisten von euch das für völlig offensichtlich halten. Aber ich bin eben ein Mann und ich wusste es nicht besser. Und ja, ich werde ihnen weit mehr als nur diese drei Sachen beibringen. Aber ich verspreche, dass ich ihnen diese drei Dinge auf jeden Fall beibringen werde.

Erkenntnis #2

Ich stelle fest, dass meine Töchter mich als Maßstab für Männer im Allgemeinen nehmen. Auch das ist nicht so richtig überraschend.

Jeder Vater ist natürlich das wichtigste männliche Vorbild im Leben eines Mädchens. Leider gibt es einige Männer, für die ihr Job alles ist und nicht nur das, was sie tun. Sie sind Manager, Vize-Vorstände, CEOs, Bauarbeiter, etc. Aber sie würden sich nie zuerst als Ehemann oder Vater bezeichnen.

Es sind auch jene Männer, die glauben, ihre Verantwortung gegenüber ihrer Familie würde von ihnen abfallen, sobald sie die Wohnungstür hinter sich zuziehen. Sie wechseln keine Windeln, sie lesen keine Gute-Nacht-Geschichten vor, sie baden ihre Kinder nicht, sie bereiten kein Abendessen zu.

Sie machen nichts, außer auf ihren Hintern sitzen und ESPN schauen oder im Internet surfen, während ihre Frau die ganze Arbeit macht (selbst wenn besagte Frau diese Arbeiten schon den ganzen Tag erledigt hat). Mit anderen Worten, sie sind nichts anderes als lebendige Geldautomaten.

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via Fox Meets Bear

Die besten Väter, die ich kenne (und ich kenne so einige), sehen ihre Arbeit als das, was sie tun, aber nicht als das, was sie ausmacht. Sie sind allem voran Väter und Ehemänner. Als ich noch Vollzeit arbeitete, wollte ich nach einem langen Tag voller Meetings und Telefonate und am Schreibtisch sitzen, nur meine Ruhe haben.

Dann dachte ich an meine Töchter. Ich will verdammt sein, wenn sie mich je ansehen und denken:

"Daddy kocht nicht für uns, liest uns nicht vor, badet uns nicht und wechselt nie unsere Windeln. Er sitzt nur rum, während Mommy alles erledigt. Vielleicht ist das einfach, wie Männer sich verhalten sollten und vielleicht sollte ich das auch von meinem Ehemann eines Tages erwarten."

Ich mache all diese Sachen mit meinen Töchtern, wenn ich abends nach Hause komme, weil das einfach das ist, was ein Vater und Ehemann macht.

Ich bin bestimmt kein Roboter. Manchmal bin ich fix und fertig und erschöpft, wenn ich zum neunten Mal hintereinander Der gestiefelte Kater lesen muss.

Manchmal bin ich so müde, dass ich statt einer Prise Chili, eine Menge nehme, die einen Großbrand auslösen könnte. Aber ich mache es trotzdem, weil meine Töchter erwarten dürfen sollen, dass ihr Vater für sie da ist - immer.

Eines Tages, wenn sie groß sind und aufs College gehen, werde ich mir die Zeiten zurückwünschen, als meine Tochter auf meinem Schoß saß und ich ihr vorlesen durfte. Ich nehme die Verantwortung als wichtigstes männliches Vorbild im Leben meiner Töchter sehr ernst.

Erkenntnis #3

Ich stelle fest, dass "Mädchenkram" ein Mythos ist. Was soll das überhaupt heißen? Ist meine Tochter kein richtiges Mädchen, wenn sie sich an Halloween lieber als Spider-Man anstatt als Prinzessin verkleidet? (Das hat sie übrigens wirklich getan).

Ist sie kein richtiges Mädchen, wenn sie lieber mit Jungs auf dem Football-Feld rauft, anstatt Ballett-Stunden zu nehmen? Nicht für mich. Das wäre so, wie zu behaupten, dass ein Kerl, der 100 Kilo stemmt, männlicher ist als ein Mann, der seinen Kindern ein Gute-Nacht-Lied singt.

Ich habe gelernt, dass ein Mädchen zu sein, bedeutet, einfach zu sein, was man sein will. Ich werde meinen Mädchen nie Vorschriften machen, wenn es darum geht.

Außerdem will ich, dass meine Kinder auch andere Frauen kennenlernen, die Männer-Domänen einreißen (Führungspositionen, Sportjournalistinnen, Richterinnen, etc.). Sie sollen verstehen, dass sie alles erreichen können, was ihre kleinen Herzen sich wünschen.

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Erkenntnis #4

Ich stelle fest, dass laut sein eine gute Sache ist. Mit laut meine ich, so sehr an etwas zu glauben, dass man es am liebsten von den Dächern schreien möchte, ohne Angst vor Kritikern, Neinsagern und der Meinung anderer.

In einer Welt, in der Frauen noch immer für Gleichberechtigung kämpfen müssen, will ich, dass meine Mädchen ihre Meinung laut sagen können - egal, ob in unserem Wohnzimmer oder im Klassenzimmer oder sonstwo. Vergesst, den Schwachsinn von "zickigen" oder "herrischen" Frauen, die bestraft werden, nur weil sie eine Meinung haben und diese auch vertreten. Geschlossene Münder werden nicht gefüttert.

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Erkenntnis #5

Ich stelle fest, dass ich dazu gemacht bin, um Töchter zu erziehen - oder zumindest glaube ich das. Ganz ehrlich, Mädchen müssen mit ziemlich vielen Herausforderungen und Gefahren klarkommen: Druck, gemocht zu werden, Druck, Sex zu haben, Druck, gut auszusehen, fiese Mädchen, Teenagerschwangerschaften, Vergewaltigungen, etc.

Ich bin mir sicher, dass ich einige Punkte vergessen habe, aber diese Auflistung ist einfach zu deprimierend. Ich kann sie nicht vor allem Übel in unserer Gesellschaft beschützen, aber ich kann dafür sorgen, dass sie das nötige Selbstbewusstsein und Köpfchen haben, um sich in dieser verrückten Welt frei zu entfalten.

So wie ich dafür kämpfe, dass sich Männer nicht vor ihrer elterlichen Verantwortung zu drücken, will ich, dass sich Frauen nicht vor ihrer Verantwortung drücken, wenn es um sie geht. Nicht nur für meine Töchter, sondern auch für eure Töchter.

Zum Schluss: Ja, ich bin mir sicher, dass ich genauso glücklich wäre, wenn ich Jungs statt Mädchen hätte. Aber die Bindung zwischen Vater und Tochter ist etwas ganz Besonderes, das man nicht erklären kann. Und diese Bindung würde ich gegen nichts auf der Welt eintauschen.

Wenn ihr mich nun bitte entschuldigen würdet ... in der Mall gibt es 50% Rabatt auf Jeggings für Kleinkinder.

Doyin Richards ist Autor, Mitglied von TODAY Parenting, Blogger bei AskMen, HuffPost, Babble, GMP, und HLN - aber vor allem ist er Vater von zwei großartigen Mädchen. Lest mehr von ihm auf DaddyDoinWork.com.

Mehr von Fatherly:

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Franca Lavinia Meyerhöfer aus dem Englischen übersetzt.


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