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21/01/2017 10:20 CET | Aktualisiert 22/01/2018 06:12 CET

5 Dinge, die du im Improvisationstheater fürs Leben lernen kannst

Izabela Habur via Getty Images

Ich habe kürzlich einen Improvisationstheater-Kurs mitgemacht. Ich konnte nicht anders, als einen Artikel dazu zu schreiben, weil ich so viele geniale Sachen gelernt habe, von denen ich euch unbedingt erzählen möchte.

Zwar war es erst mein zweiter Kurs und ich bin immer noch absoluter Anfänger - aber es geht dabei auch gar nicht darum, gut zu sein darin, sondern Spaß zu haben und sich weiterzuentwickeln.

Hier sind fünf Dinge, die ich dort gelernt habe und die auch du in einem solchen Kurs lernen kannst.

1) Du lernst, Fehler zu machen

Das Erste, was man im Improtheater sofort lernt, ist es, sich bewusst zu erlauben, Fehler zu machen, ohne gleich dieses Gefühl zu haben, sich selbst verurteilen zu müssen und ohne diese Negativität.

Ich persönlich bin jemand, der oftmals extrem eingeschränkt ist durch Perfektionismus. Man versucht, alle Kleinigkeiten perfekt zu machen, aber am Ende des Tages bringt es dich nicht weiter, es hält dich nur zurück, weil du einfach nicht mit voller Wucht loslegen kannst. Du denkst ständig, dass da noch etwas ist und das hält dich zurück.

Und im Impro musst du das absolut überwinden. Es geht in der Essenz im Improtheater wirklich darum, auch bewusst Fehler zu machen. Es gibt eigentlich keine Fehler, lernt man dann, weil alles okay ist. Es gibt keine Regeln, es heißt nicht: Du darfst das oder jenes nicht tun. Man kann aus allem etwas Schönes und Kreatives machen.

Du lernst also, Fehler zu machen und damit umzugehen, dabei sogar zu lachen. Es ist ein kompletter Mindshift, dass man quasi bewusst lächelt, wenn man Fehler macht - denn im Prinzip gibt es keine Fehler.

Und das ist etwas, was dich in deinem Leben so sehr weiterbringen kann. Wenn du diese Kleinigkeiten nicht so sehr an dich heranlässt, lehrt dich das eine enorme Selbstakzeptanz. Und das ist so wichtig im Leben! Das ist jedoch nichts, was man sofort lernt.

Man überwindet Stück für Stück Grenzen, und dabei hat Impro sehr viel Ähnlichkeit mit Yoga, weil wir an unserem Wachstum arbeiten und Stück für Stück die Mauern niederreißen, die wir um uns herum gebaut haben. Das ist der Grund weshalb es meine Leidenschaft ist Yoga zu unterrichten und auch weshalb ich so von Impro begeistert bin!

2)Du bekommst Zugang zu einer ganzheitlichen Intelligenz und Kreativität

Wir sind im Alltag, habe ich das Gefühl, ganz oft „oben" im Kopf, ständig in unseren Gedanken. Gerade, wenn man viel intellektuell arbeitet, dann noch viel mehr - dann ist die Gefahr groß, dass man sich irgendwie im Kopf gefangen hält. Man nimmt eigentlich nur noch einen kleinen Aspekt vom Leben wahr.

Wir wissen nicht, wo unser Geist im Körper angesiedelt ist. Es gibt ja im Englischen diesen Begriff mind. Es geht dabei nicht nur um das Gehirn, sondern um etwas viel Ganzheitlicheres und man weiß eigentlich nicht, wo dieses mind im Körper angesiedelt ist. Es ist wissenschaftlich einfach schwierig es genau zu identifizieren und auch im Yoga sagt man eigentlich, dass es im ganzen Körper verteilt ist.

Im Impro lernt man, auf einen größeren Teil dieser Intelligenz zuzugreifen, in dem man aus dem Kopf herausgeht, ganz bewusst - dafür gibt es bestimmte Techniken - und viel stärker in den Körper hineingeht. Dadurch bekommt man eben Zugang zu dieser ganzheitlicheren Intelligenz und dieser Kreativität, von der ich überzeugt bin, dass sie in jedem von uns schlummert.

3) Du lernst, mit Ungewissheit umzugehen

Im Impro geht es ja darum, wie der Name schon sagt, dass man improvisiert. Das heißt, es gibt kein Skript, es gibt keine festen Szenen. Du musst einfach im Moment etwas kreieren und du weißt nicht, was als nächstes kommt. Das kann am Anfang sehr einschüchternd sein. Man fängt natürlich nicht gleich zu spielen an. Man fängt Stück für Stück an mit kleinen Übungen und baut es langsam auf.

Aber worum es im Kern geht: Du bist trotzdem in Situationen, die ein bisschen unangenehm sind. Du musst aus der Komfortzone raus treten, ganz enorm. Aber du lernst, mit Ungewissheit umzugehen, beziehungsweise habe ich sogar Situationen erlebt, in denen ich Spaß mit dieser Ungewissheit hatte.

Weil du weißt, du gehst da jetzt rein in eine Situation im Improtheater - oder später vielleicht auch draußen - ohne zu wissen, was passiert.

Du entwickelst so eine Art Vertrauen, dass durch diese kreative Intelligenz in dir, dann in dem Moment irgendetwas hochkommt. Du lernst offen zu sein, dich auf diese Ungewissheit einzulassen.

Und das ist einfach etwas, was im Leben nicht nur Freude bringt, sondern es hat auch eine befreiende Wirkung, wenn es langsam in deinem Leben hier und da immer wieder zum Vorschein tritt. Es ist eine ganz wunderbare Sache, wenn man Ungewissheit nicht nur annehmen kann, sondern wenn man sogar Freude daran haben kann.

4) Du lernst, Ja zu sagen und Dinge anzunehmen

Im Impro ist es so, dass du natürlich nicht alleine spielst, sondern in einem Team. Es gibt bestimmte Interaktionen zwischen den Teammitgliedern und man versucht, zusammen etwas zu kreieren. Das kann nur funktionieren, wenn man zusammen spielt und nicht gegeneinander.

Vielleicht hast du schon eine Vorstellung, in welche Richtung du gehen möchtest, wenn du spielst. Aber du wirst merken, wenn du im Impro im Team etwas kreieren willst, dann funktioniert das nur dann, wenn du auch Ja sagst zu dem, was dir präsentiert und angeboten wird - durch die Situation und deine Mitspieler.

Du lernst es anzunehmen und dann zu versuchen, etwas damit zu machen. Und es können wundervolle Sachen dabei entstehen, wenn du etwas annehmen kannst, was nicht dem entspricht, was du im Kopf hattest.

Wenn du da einfach mitgehst und alles über Bord wirfst, was du gerade in deinem Kopf hattest, dann können Sachen entstehen, die enorm lustig und faszinierend sein können. Geschichten, auf die du niemals drauf gekommen wärst, wenn du an dem festgehalten hättest, was du vorher in deinem Kopf geplant hattest.

Ich denke, das ist auch etwas, was im Leben eine riesen Rolle spielt. Ja, ich glaube, man sollte einen Plan und eine Vision haben, aber oftmals ist es wichtig, dass man einfach annehmen kann, was gerade da ist und dazu Ja sagen kann. Wenn man diese Spontanität entwickelt, dann hat man, denke ich, auch am Ende sehr viel mehr Freude am Leben. Und das ist ja eigentlich das, worum es geht.

5) Du lernst, anderen etwas Wertvolles anzubieten

Im Improvisationstheater geht es immer darum, dass du etwas schaffst und dem anderen etwas anbietest, mit dem er arbeiten kann. Es ist immer ein Hin und Her und kann auch nur so funktionieren.

Du lernst, aus der Situation etwas zu machen und dem anderen etwas anzubieten, was Wert hat. Damit meine ich nicht etwas Materielles, sondern vielleicht ein nettes Kommentar, ein Kompliment. Oder du erzählst einen Witz - du bietest einfach etwas an, was Wert hat und Freude verbreitet.

Man hört auf zu denken, was man aus einer Situation für sich selbst rausziehen kann, sondern beginnt zu fragen, was man den Personen um sich herum geben kann. Am Ende, denke ich, ist es sowieso so: Je mehr man gibt, desto mehr bekommt man auch. Das ist im Improtheater genauso wie im Leben.

Das waren die fünf Dinge, die ich in meinem letzten Improvisationstheater-Kurs gelernt habe. Ich hoffe, sie regen dich vielleicht dazu an mal einen Improkurs auszuprobieren!

Wenn dir der Artikel gefallen hat, schreib gerne ein Kommentar! Ich würde mich freuen!

Liebe Grüße aus Konstanz,

Fabian Merkle

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