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06/04/2016 07:16 CEST | Aktualisiert 07/04/2017 07:12 CEST

Digitale Trends 2016: Vernetzung und Wandel

Nigel Treblin / Reuters

Die CeBIT 2016 ist vorbei und der futuristische Zeitgeist liegt noch immer in der Luft. Trendthemen wie autonomes Fahren, die embedded SIM oder Wearables nehmen Einfluss auf unseren Alltag.

Die Connected World steht für Veränderung und insbesondere Konvergenz bestehender Bereiche und Industrien. Die Vernetzung sorgt für frischen Wind in der Automobil-, Telekommunikations- oder Kundenmanagement-Branche und liefert spannende Innovationen. Im Rahmen zahlreicher Neuheiten habe ich mir gemeinsam mit meinem Kollegen Dr. Florian Pallas die wichtigsten Fragen im Bereich Automotive und Telekommunikation genauer angesehen.

Fahren unsere Autos bald autonom?

Die Idee das Auto zu technologisieren und mit seiner Umwelt zu vernetzen ist bereits auf der CES in Las Vegas Anfang des Jahres wieder eines der Trendthemen gewesen. Autos sollen mitdenken und auf Abruf verfügbar sein.

Die Hersteller haben etliche neue Funktionen eingebaut, die auch die Kundengewohnheiten verändern. Eine Innovation ist beispielsweise die Gestensteuerung im Cockpit der Autos, welche dem Fahrer völlig neue Erfahrungen im Umgang mit Infotainment und Assistenzsystem ermöglichen soll. Sie soll irgendwann keine bloße Science Fiction mehr sein. Auch die Technik innerhalb der Elektroautos erinnert viel mehr an einen Computer als an klassische Ingenieurskunst.

Fahrzeugentwicklungen von Apple und Google scheinen das Fahren ohne Autofahrer bald möglich zu machen. Das Auto als klassisches Fortbewegungsmittel hat augenscheinlich bald ausgedient - ist es längst an der Zeit, sich auf die neue Generation von Autos einzustellen? Denn nicht nur das Tanken von Sprit ist bald hinfällig, sondern auch der Fahrer.

BMW hat sein „Cockpit der Zukunft" schon im Januar auf der CES vorgestellt und gezeigt, dass das Auto je nach Fahrsituation selbständig „mitdenkt" und beispielsweise automatisch die Sitzposition je nach Fahrgeschwindigkeit anpasst.

Über Sensoren und Vernetzungstechnologie lassen sich System-Diagnosen erstellen. Ist der Motoröl-Stand gering oder ist es Zeit für einen Winterreifenwechsel, kann der Fahrer direkt einen Hinweis ins Cockpit bekommen, um eine Werkstatt in der Nähe aufzusuchen und einen Termin zu vereinbaren. Im Infotainment-Bereich ist es jetzt schon möglich, seine Lieblingsmusik, -filme und -serien ins Auto zu streamen.

Vielfahrer, Urlauber und Wochenendausflügler freuen sich über zielgerichtete Tipps für Restaurants, Hotels und Veranstaltungen für die Stadt, in der sie sich gerade befinden. Im Zeitalter der Digitalisierung sind solche Daten und Nutzungsmuster Gold wert und eröffnen den Automobilherstellern neue Monetarisierungsmodelle. Versicherungen arbeiten daran, diese Daten für sich zu nutzen und Tarife sowie Prämien auf der Basis des Fahrverhaltens zu berechnen.. Eine große Rolle spielt auch das Thema Sicherheit.

Ab 2018 soll das europäische Notrufsystem eCall verpflichtend in alle Neuwagen eingebaut werden. Dieses setzt bei einem Unfall automatisch einen Notruf ab. Auch ein innovativer Spurlinien-Sensor lässt erkennen, wenn das Auto die Fahrbahn verlässt, und bremst selbstständig ab. Es gibt auch die Möglichkeit, die Technologie einer Nachtsichtkamera zu nutzen, um im Dunkeln Objekte auf der Fahrbahn rechtzeitig zu erkennen. Diese teilweise bereits eingebauten Funktionen legen die Grundsteine für die Vision des autonomen Fahrens.

Was bedeutet die Digitalisierung im Mobilfunkmarkt?

Doch nicht nur der Automobilbereich wird mehr und mehr vernetzt. Auch der Telekommunikationsmarkt erlebt einen Wandel. Die embedded Sim (eSIM) wird früher oder später die klassische SIM-Karte ersetzen. Sie eignet sich für Tablets, Wearables und Smartphones und ist fest in der Hardware integriert.

So werden die Karten neu gemischt: Die Kundenhoheit könnte sich somit vom Netzbetreiber zum Gerätehersteller verschieben - das gleicht einem Horrorszenario für die Anbieter. Da die Hardware-Hersteller damit von vornherein eingrenzen könnten, mit welchen Mobilfunkanbietern sie zusammenarbeiten und an welcher Stelle sie im Auswahlmenu stehen, erhöht sich auch der Druck auf die Telekommunikationsanbieter.

Marktteilnehmer wie Apple oder Samsung sind auf dem Sprung die Branche mit dieser Technologie erheblich zu verändern. Es kommt zu einem Paradigmenwechsel in der Telekommunikations-Landschaft, welcher so vorher noch nie stattgefunden hat und die Telekommunikationsanbieter vor neue Herausforderungen stellt..

Die eSIM könnte auch die Form der Kundenbindung verändern, weil sie zukünftig schneller von einem Anbieter zum anderen wechseln können. Aktuell fühlen sich die Anbieter aufgrund der Rufnummer-Portierung (d.h. Mitnahme der Rufnummer) und der damit einhergehenden Bearbeitungsdauer „sicher" vor einer „Wachablösung" durch die OEMs. Jedoch telefonieren heute schon viele (junge) Konsumenten über VoIP (u.a. FaceTime oder Skype), die nur eine spezielle ID benötigen und eine „physische" Rufnummer obsolet machen.

Wie sollten sich Anbieter angemessen darauf vorbereiten und welche Maßnahmen können sie ergreifen, um den Anschluss dennoch nicht zu verlieren? Aktuell sprechen Datensicherheitsbedenken sowie mögliche Kosten durch einen Wechsel für viele Verbraucher noch gegen die Nutzung einer eSIM.

Allerdings sind günstige Preise und eine gute Netzqualität für die meisten Konsumenten noch der größte Treiber bei der Anbieterwahl und damit sollte weiterhin gepunktet werden. Für die meisten Verbraucher ist die eSIM zudem noch gänzlich unbekannt - sodass die Bereitschaft, den Anbieter zu wechseln noch aktuell sehr gering ist.

Erste Wearables mit der eSIM werden dieses Jahr in den Markt eingeführt und die Wahrnehmung beim Kunden signifikant verändern, so dass auch mögliche Sicherheitsbedenken mittelfristig abgeschwächte werden,

Wearables als Kundenmagnet?

Gerade die Vernetzung von Wearables und Smartphones kann eine Möglichkeit bieten, sich seinen Platz im Mobilfunkmarkt zu sichern. Die kleinen und stylischen Fitnessarmbänder und andere Tracker haben längst Einzug in unserem Alltag gehalten. Sie können Schritte zählen, Herzfrequenzen messen und die erhobenen Daten mit dem Handy verknüpfen und weiterverarbeiten.

In Deutschland bieten erste Telekommunikationsanbieter Tarife sowie Abomodelle in den Bereichen Vorsorge, Wohlbefinden und Fitness an, um neue Geschäftsfelder aufzudecken. Zukünftig wird auch der Aspekt, präventiv Abweichungen des eigenen Gesundheitszustandes sowie Risiken zu erkennen, an Bedeutung gewinnen. Telekommunikationsanbieter haben hier eine große Chance: Aufgrund ihrer bestehenden Systeme (u.a. Datawarehouse, Datennetz sowie sichere Cloudanwendungen) sind die Telekommunikationsunternehmen bestens vorbereitet, um die Gesundheitsdaten der Kunden zu sichern bzw. zu verarbeiten.

Dies ermöglicht den Telekommunikationsanbietern neben der Bereitstellung der Datenpipe auch einen inkrementellen Mehrwert zu schaffen und am Gesundheitsmarktwachstum teilzunehmen. Es bleibt spannend, was von den Visionen wie oder wann Realität wird oder ob manches einfach nur als Gedankenspiel fortlebt.

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