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19/03/2016 08:00 CET | Aktualisiert 20/03/2017 06:12 CET

Verdacht im Dreieck

... via Getty Images

Aus Abschnitt 5

Zehn Minuten nach dem Eintreffen der Familie klingelten die Kriminalbeamten an der Haustür und wurden freundlich hinein gebeten und zu einer Tasse Tee eingeladen. Die Kommissarin erkannte Luc sofort als Mieter der Wohnung im zweiten Stock.

Als sie den beiden das Bild der Toten auf ihrem Handy zeigte, rief Luc erschrocken: „Das ist Frau Hacker, die Kindergärtnerin, was ist mit ihr passiert?" „Das würden wir gerne von Ihnen wissen", antwortete der Hauptkommissar erbost, „schließlich hatten sie häufig Kontakt mit ihr und sie ist kurz vor ihrer Ermordung bei Ihnen gewesen." „Das kann nicht sein, wir waren eine Woche in Paris", mischte Evelyn sich in das Gespräch ein.

„Ja, aber der Mord ist schon vor neun Tagen passiert, als Sie noch in Dresden waren", wandte Frau Čelik sich an Luc. „Sie haben um 19:32 mit der Frau telefoniert und sie hat sie um 20 Uhr in Ihrer Zweitwohnung am Bischofsweg besucht.

Haben Sie da ein Liebesnest mit der Frau und sie umgebracht, weil sie von Ihnen schwanger war und damit Ihre Beziehung zur Mutter Ihres Sohnes gefährdete? Ich habe Sie noch am Abend nach dem Mord mit diesem Bild befragt, ob Sie die Tote kennen, und jetzt erklären Sie uns bitte, warum Sie es geleugnet haben und in welchem Verhältnis die Tote zu Ihnen gestanden hat."

Verzweifelt schaute Luc Evelyn an, die die Antwort übernahm: „Frau Hacker nimmt seit einem Jahr unseren Sohn bei sich auf, wenn wir beide zu Fotoshootings reisen. Von ihrer Schwangerschaft wussten wir ebenso wenig, wie von ihren sonstigen persönlichen Verhältnissen. Die Wohnung am Bischofsweg ist kein Liebesnest, sondern das Arbeitszimmer und Fotolabor meines Mannes, weil wir nach der Geburt unseres Sohnes im Haus keinen Platz mehr dafür haben.

Ich kann Ihnen jederzeit unter Eid bestätigen, dass mein Mann keinerlei persönliche Beziehung zu Frau Hacker hatte. Jetzt lassen Sie bitte Ihre üblen Verdächtigungen und suchen den wahren Mörder, dazu hätten Sie schon die ganze Woche Zeit gehabt." „Danke Evelyn", sagte Luc, doch die Kommissarin fragte weiter: „Warum haben Sie an dem Abend mir gegenüber geleugnet, die Tote zu kennen?" „Sie haben mich bei einer komplizierten Fotomontage gestört und ich habe gar nicht so genau hingesehen, um schnell wieder an meine Arbeit zu kommen", antwortete Luc mit gequältem Gesicht.

„Das wird ihnen mindestens eine Anzeige wegen Behinderung der Polizei bei der Verbrechensaufklärung einbringen", nahm Wellmann wieder das Wort. „Wenn Sie gleich zugegeben hätten, die Tote zu kennen, wären wir mit den Ermittlungen eine ganze Woche weiter. Und Sie sind sich hoffentlich darüber klar, dass Sie sich mit dieser Falschaussage hoch verdächtig gemacht haben, denn Sie sind wahrscheinlich der Letzte, der die Frau unversehrt gesehen hat.

Was wollte sie denn unmittelbar vor ihrem Tod bei Ihnen, nachdem Sie sie vorher zum Besuch eingeladen hatten?" Ärgerlich antwortete Luc: „Wie meine Frau schon sagte, hatten wir mit Frau Hacker eine rein geschäftliche Beziehung als Teilzeit-Pflegemutter für unseren Sohn. Weil sie den Lohn dafür nicht versteuern wollte, haben wir ihn immer am Monatsende bar an sie gezahlt.

Und da wir über dies Monatsende nach Paris fahren wollten, habe ich sie Freitagabend angerufen, sich das Geld am Bischofsweg abzuholen, wo ich bis zum Abend zu tun hatte. Sie kam gegen acht und ist gleich wieder gegangen." Wellmann schaute seine Assistentin an, die leicht den Kopf schüttelte, was er als Signal deutete, dass sie nichts Ordentliches in der Hand hätten.

Montag früh erschienen Luc und Evelyn im Kommissariat, unterschrieben das Protokoll und erhielten die Mitteilung, der DNA-Abgleich habe bestätigt, dass Luc nicht der Vater vom Fötus der Toten sei. „Das habe ich Ihnen schon gestern gesagt", triumphierte Luc und der Hauptkommissar verkniff sich eine Antwort. „Anscheinend haben die beiden wirklich nichts mit dem Mord zu tun", sagte Wellmann enttäuscht zu seinen Kollegen.

„Kommen Sie Duru, wir fahren noch einmal zur Wohnung der Toten, vielleicht finden wir etwas, was wir letzte Woche übersehen haben." Bei genauer Suche fanden sie ein Fotoalbum mit Bildern der Frau und einem unbekannten Mann, der auf dem letzten Bild dick schwarz überkreuzt war. „Das sieht verdammt nach einer unfriedlichen Trennung aus", überlegte die Kommissarin, „vielleicht wollte der Mann das Kind nicht und sie hat ihn abserviert." „Damit ist er verdächtig, sie umgebracht zu haben, wie können wir ihn finden?", überlegte der Hauptkommissar.

„Lassen Sie uns noch mal die Telefonliste der Toten durchsehen", schlug die Kommissarin vor und gab Schuster den Auftrag, in der weiter zurück liegenden Zeit nach häufig angerufenen Nummern zu suchen. Schuster fand einen Kontakt zu einem Handy, der vor vier Wochen abrupt abbrach, und ermittelte alsBesitzer Albert Zahn, den Inhaber eines Restaurants an der Görlitzer Straße, verheiratet und Vater von zwei Kindern.

Sein Strafregister zeigte vor 15 Jahren eine zweijährige Freiheitsstrafe wegen Drogenhandel, die aber wegen guter Führung ein halbes Jahr eher zur Bewährung ausgesetzt wurde. Vor zehn Jahren hatte er unter dem Namen seiner späteren Frau das Restaurant eröffnet und war seitdem nicht mehr auffällig geworden.

„Da haben wir tief geschlafen, als wir die Wohnung der Toten durchsuchten", beschimpfte sich der Hauptkommissar. „Wir waren so auf Soltau mit seiner Zweitwohnung fixiert, dass wir gar nicht weiter gesucht haben. Hier gibt es wohl wirklich eine Dreiecksbeziehung und es ist ziemlich sicher, dass der Mann etwas mit der Toten zu tun hat." Sie trafen den Gastwirt beim Vorbereiten des Restaurants für das Mittagessen, er war wirklich der Mann auf den Bildern der Toten.

„Kennen Sie Frau Susanne Hacker?", fragte Wellmann ihn, nachdem sie sich als Kriminalbeamte ausgewiesen hatten. Der Mann wurde rot, bevor er langsam antwortete: „Ja, flüchtig, unser Sohn ist bei ihr im Kindergarten." „Und Sie haben keine Beziehung zu ihr?", setzte der Hauptkommissar nach, worauf der Mann mit „Nein" antwortete. Frau Čelik reichte die Lügerei.

„Was ist denn das hier?", fragte sie und zeigte dem Mann die Bilder aus dem Album, die ihn mit Frau Hacker in trauter Umarmung und beim Küssen zeigten. Er wurde tiefrot und suchte nach einer Antwort, doch Wellmann sagte unmissverständlich: „Sie haben uns jetzt genug belogen, Wir müssen Sie bitten, uns aufs Kommissariat begleiten."

Im Kommissariat wurden die DNA und Fingerabdrücke des Gastwirts genommen, danach machten die Beamten ihm unmissverständlich klar, dass sie ihn für den Vater des Fötus hielten und des Mordes an Frau Hacker verdächtigten, wenn er nicht rückhaltlos auspackte. Schließlich habe er schon eine kriminelle Vergangenheit. Das genügte, ihn zur Vernunft zu bringen.

Er gab das Verhältnis mit Frau Hacker zu, die er als Kindergärtnerin seines Sohnes kennen gelernt und sich mit ihr nachmittags im Restaurant getroffen hatte. Wahrscheinlich sei er auch der Vater des Fötus. Sie habe ihm vor vier Wochen von der Schwangerschaft berichtet, er sei entsetzt gewesen und habe auf einer Abtreibung bestanden.

Darauf habe die Frau jeden Kontakt mit ihm abgebrochen. Von ihrem Tode habe er in der letzten Woche im Kindergarten erfahren, doch damit habe er nichts zu tun. Mehr konnten die Kriminalisten nicht aus ihm herausbringen, so viel sie auch nachfragten. Inzwischen waren seine Untersuchungsergebnisse ausgewertet worden. Die Fingerabdrücke stimmten mit einigen in der Wohnung der Toten überein und er war eindeutig der Vater des Fötus.

Auf die Frage, wo er am 27. Mai zwischen 20:00 und 20:30 gewesen sei, antwortete er ohne nachzudenken: „Natürlich in meinem Restaurant, um die Zeit ist dort am meisten los und ich komme mit dem Kochen kaum nach. Sie können die Kellnerin fragen, und wenn es unbedingt sein muss, auch meine Frau, die auch bedient und für die Kasse zuständig ist. Frau Hacker und ich haben uns zwar im Streit getrennt, aber ich habe sie mit Sicherheit nicht umgebracht, dazu war sie mir viel zu wertvoll geworden."

Die Kommissare brachten den Mann zu seinem Restaurant zurück und fragten die inzwischen eingetroffene Kellnerin nach seinem Alibi am Abend des 27. Mai. „Wir haben jeden Tag mittags von 12 bis 14 Uhr und abends von 19 bis 21 Uhrgeöffnet, nur Sonntagabend nicht, und es ist noch nie vorgekommen, dass der Chef nicht die ganze Zeit hier war, wer soll sich denn sonst um die Küche kümmern", sagte sie mit Bestimmtheit.

Seine Frau bestätigte das und wollte den Grund der Frage wissen. Das würde ihr Mann ihr sicherlich in einer ruhigen Minute erklären, antwortete Wellmann süffisant. „Anscheinend wieder eine Sackgasse, wenn die beiden Frauen nicht unverschämt gelogen haben", seufzte er auf dem Rückweg zum Kommissariat, und seine junge Kollegin bestätigte, dass sie immer noch keine belastbare Erkenntnis über den Mörder in der Hand hatten. „Es könnte doch sein, dass er sich nach dem Kochen kurz davon gemacht hat", meinte sie dann, doch das schien beiden nicht sehr wahrscheinlich.

Als die Beamten fort waren, fragte Frau Zahn ihren Mann, warum die Polizei wissen wollte, wo er am 27. Mai abends gewesen sei. Er versuchte, sich heraus zu reden, zu dieser Zeit sei die Kindergärtnerin ihres Sohnes ermordet worden und man habe ihn verdächtigt.

Das machte die Frau noch misstrauischer und sie fragte, ob er etwas mit der Frau gehabt habe, weshalb man ausgerechnet ihn verdächtige. Da gestand er sein Verhältnis mit der Ermordeten, das er aber vor vier Wochen beendet habe. Als seine Frau den Grund wissen wollte, gestand er schließlich auch die Schwangerschaft der Toten und seine Forderung auf Abtreibung.

„Wenn ich nicht genau wüsste, dass du an dem fraglichen Abend hier warst, würde ich dir zutrauen, sie umgebracht zu haben, damit ich nichts von deinem Seitensprung erfahre!", schimpfte die Frau. „Wenn du das noch einmal tust, lasse ich mich scheiden. Jetzt mache ich erst mal mit den Kindern Urlaub, weil ich deine Nähe nicht ertragen kann.

Bis ich irgendwann wiederkomme, weißt du hoffentlich, was du willst. Setz' unsere Gemeinschaft nicht aufs Spiel!" Mit diesen Worten zog sie ihren Kittel aus und verließ das Restaurant. Albert Zahn hatte sich förmlich unter dieser Schimpftirade geduckt. „Sie hat ja Recht", dachte er, „ich verdanke ihr doch alles. Ohne sie wäre ich noch genauso elend wie damals bei der Wende. "

Zurück im Kommissariat fragte Frau Čelik den Chef: „Können wir die Soltaus jetzt frei geben, wo wir den Vater des ungeborenen Kindes kennen?", doch er verneinte: „Der Gastwirt ist mit einiger Sicherheit aus dem Schneider, er scheint ein brauchbares Alibi zu haben. Aber Soltau war zur Tatzeit alleine in seinem Labor direkt gegenüber dem Tatort. Ich sehe zwar keinen Grund, warum er die Frau umbringen sollte, aber weiß gewaschen ist er noch lange nicht. Wir müssen weiter suchen."

Albert Zahn wollte so schnell wie möglich bei seiner Frau um gutes Wetter bitten, doch als er das Restaurant um 15 Uhr geschlossen hatte, fand er in der Wohnung nur einen Zettel auf dem Bett: „Wir sind verreist, wohin brauchst du nicht zu wissen. In einer Woche werde ich dich anrufen und fragen, ob du zur Besinnung gekommen bist.

Ich wünsche dir viel Spaß bei der Arbeit." Er hätte sich ohrfeigen können, doch dann dachte er nach: „Wichtig ist, dass ich mich jetzt nicht hängen lasse, sondern das Restaurant nur mit der Bedienung optimal führe, als wenn Katharina dabei wäre. Damit kann ich ihr zeigen, dass ich trotz allem ein verantwortlicher Ehemann bin, und sie vielleicht wieder gewinnen. Voraussetzung ist, dass die Polizei mir glaubt und mich zufrieden lässt."

2016-03-04-1457084579-3594156-CoverDreieckvorne.jpg© Copyright 2016 Ernst-Günther Tietze Hamburg

Der Kriminalroman „Verdacht im Dreieck" beschreibt auf 45 Seiten den Mord an einer jungen Frau in Dresden, die in einem Dreiecksverhältnis gelebt hatte. Er wird gedruckt bei epubli und kann im Internet und in jeder Buchhandlung bestellt werden:

Als Taschenbuch für 6,99 Euro mit ISBN-Nr. 978-3-7375-9106-5

Als e-Book für 0,99 Euro mit ISBN-Nr. 978-3-7375-9107-2

Der vorliegende Abschnitt 5 umfasst im Buch 6 Seiten. Weitere Ausschnitte aus den folgenden Abschnitten des Romans werden nacheinander an dieser Stelle vorgestellt.

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