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21/03/2016 12:19 CET | Aktualisiert 22/03/2017 06:12 CET

Verdacht im Dreieck, Abschnitt 7

... via Getty Images

Aus Abschnitt 7

Am nächsten Tag brachte ein illegal in Dresden lebender Albaner die Kriminalisten auf eine neue Spur.

Albanien ist einer der problematischsten Staaten in Europa. Nach Kriegsende errichtete Enver Hoxha dort eine brutale Diktatur. Nachdem er 1985 starb, dauerte es noch fünf Jahre, bis das kommunistische Regime gestürzt wurde. Der anschließende Transformationsprozess verlief zunächst nur schleppend und ohne große Erfolge. 1991 wurden die ersten freien Wahlen abgehalten, Doch auch heute noch hat Albanien mit großen strukturellen Problemen zu kämpfen, die der Entwicklung zu einer zivilisierten Gesellschaft im Weg stehen. Dazu zählen die Armut, die schwache Infrastruktur, die weit verbreitete Korruption, das Sozialproblem der Blutrache, Geldwäsche, Vetternwirtschaft, Ämterkauf und Ähnliches.

In den Suburbs der Hauptstadt Tirana leben viele Menschen, vor allem Roma, unter unwürdigen Umständen. Im Slumviertel Shkoza, haben sie sich ihre „Häuser" aus Teppichen und alten Holzplatten zusammengebaut. Es gibt kein Wasser, keine Kanalisation und keinen Strom. Weil die Menschen keine Arbeit bekommen, sammeln sie den Müll der Stadt, Plastikflaschen, Metall und Papier und verkaufen ihn. Und wenn sie ihre Kinder zur Schule schicken, wollen die irgendwann nicht mehr hingehen, denn sie können sich nicht waschen. Ein Badezimmer gibt es im Müllleben nicht, und deshalb werden sie in den Schulen beleidigt, geächtet. Dann sammeln sie lieber nur Müll.

Wegen der katastrophalen Verhältnisse sehen viele junge Albaner keine Lebensperspektive mehr und verlassen zu tausenden das Land, um sich in Deutschland als Flüchtling registrieren lassen. Da die EU 2010 die Visa-Bestimmungen gelockert hat, brauchen Albaner nur noch einen biometrischen Pass, um in den Schengen-Raum einreisen zu dürfen. Nachdem aber Albanien zum „sicheren Herkunftsland" erklärt wurde, werden sie in Deutschland nicht mehr als Flüchtling anerkannt und in großer Zahl in die Heimat abgeschoben. Um diesem Schicksal zu entgehen, tauchen sie in die Illegalität ab und bilden eine undurchdringliche kriminelle Subkultur.

Auch der neunzehnjährige Sali Trashani kam aus diesem Milieu und schlug sich 2014 nach Deutschland durch. Er war bei der Einreise zur Registrierung nach Dresden geschickt worden und landete in einer Flüchtlingsunterkunft. Als sein Asylantrag abgelehnt wurde, verschwand er aus dem Flüchtlingsheim, um nicht abgeschoben zu werden, und fand Unterschlupf bei einem Landsmann. Natürlich wollte der etwas dafür sehen und Sali brauchte auch Geld zum Leben. Da wegen der strengen Vorschriften kein Unternehmer einen illegalen Albaner beschäftigt und er nur gebrochen Deutsch spricht, blieb ihm nur eine kriminelle Laufbahn. Zuerst versuchte er es mit Ladendiebstählen, aber als er nur knapp einer Verhaftung entging, verlegte er sich auf Taschendiebstähle, wo er bald eine ziemliche Professionalität entwickelte. Bei passender Gelegenheit stahl er auch unbewachte Gepäckstücke auf den Bahnhöfen oder raubte Frauen, die alleine unterwegs waren, die Handtasche.

In der Abteilungsleiterbesprechung der Kriminalpolizei berichtete am Dienstag der Leiter des Raubdezernats von einer schwierigen Festnahme am Elbufer. Weil dort in der letzten Zeit mehrere Überfälle vorgekommen waren, gingen zwei Zivilbeamte regelmäßig Streife in diesem Park. Am letzten Sonntagabend überfiel der illegal im Land lebende Albaner Sali Trashani eine ältere Frau und entriss ihr die Handtasche. Als die Beamten ihn festnehmen wollten, ging der Mann mit einem stehenden Messer auf sie los und konnte erst durch einen Schuss in den Fuß ruhig gestellt werden. In seiner Unterkunft bei einem Landsmann wurden verschiedene Handys und viel Geld gefunden.

Bei Hauptkommissar Wellmann klingelte es, als er von dem stehenden Messer des Verhafteten hörte und er ließ es zur Spurensicherung bringen. Die Klinge war zwar sauber gewischt, doch am Übergang zum Griff fanden sich winzige Reste von Susanne Hackers DNA. Mit hoher Wahrscheinlichkeit war dieser Mann ihr Mörder. Der Verdacht bestätigte sich, als unter den bei ihm gefundenen Mobiltelefonen das von Susanne Hacker entdeckt wurde und seine Fingerabdrücke mit denen vom Telefon übereinstimmten. Im Verhör leugnete er die Tat, doch da er nach dem Überfall das gestohlene Handy nicht ausgeschaltet hatte, ergab das gespeicherte Bewegungsprofil eine eindeutige Spur vom Tatort zu seiner Unterkunft. Zusätzlich identifizierte der Experte ihn als Anrufer beim Notdienst.

Darauf gestand er, die Frau auf der Bank gesehen zu haben, wie sie Geld zählte. Als er ihr das wegnehmen wollte habe sie sich gewehrt und seine Hand mit dem Geld festgehalten, so dass er mit dem Messer zustach, um sich zu befreien. Da sie noch lebte, habe er den Notdienst alarmiert. Auf keinen Fall habe er sie töten wollen.

Der Mann wurde wegen Verdachts auf schwere Körperverletzung mit Todesfolge in Untersuchungshaft genommen und den Soltaus mitgeteilt, sie seien nicht mehr verdächtig. Allerdings müsse Luc mit einer Anzeige wegen seiner Falschaussage rechnen. Er fiel Evelyn um den Hals und dankte ihr für ihre standhafte Haltung bei den Befragungen.

2016-03-04-1457084579-3594156-CoverDreieckvorne.jpg © Copyright 2016 Ernst-Günther Tietze Hamburg

Der Kriminalroman „Verdacht im Dreieck" beschreibt auf 45 Seiten den Mord an einer jungen Frau in Dresden, die in einem Dreiecksverhältnis gelebt hatte. Er wird gedruckt bei epubli und kann im Internet und in jeder Buchhandlung bestellt werden:

Als Taschenbuch für 6,99 Euro mit ISBN-Nr. 978-3-7375-9106-5

Als e-Book für 0,99 Euro mit ISBN-Nr. 978-3-7375-9107-2

Der vorliegende letzte Abschnitt umfasst im Buch 3 Seiten.

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