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16/03/2016 06:39 CET | Aktualisiert 17/03/2017 06:12 CET

Verdacht im Dreieck, Abschnitt 3

... via Getty Images

Aus Abschnitt 3

Montag kam eine Vermisstenmeldung auf den Tisch der Kommissare: Die Kindergärtnerin Susanne Hacker wurde seit zwei Tagen im Kindergarten am Alaunplatz vermisst. Der Hauptkommissar fuhr mit Frau Čelik zum Kindergarten, wo sie erfuhren, dass die Frau schon am Samstag und auch heute nicht zum Dienst erschienen war. Als die Kommissarin das Bild der Toten zeigte, bestätigte die Leiterin, sie sei die Vermisste. Was sie über die Tote sagen könne, fragten die Kommissare. Sie sei 30 Jahre alt, antwortete die Leiterin, bei den Kolleginnen sei sie beliebt, habe aber nie über ihre persönlichen Angelegenheiten gesprochen. In den sechs Jahren ihrer Tätigkeit sei sie nie unangenehm aufgefallen, ihr Tod sei ein großer Verlust für alle. „Wissen Sie etwas über die Beziehung der Toten zu einem Mann", fragte die Kommissarin jetzt direkt. Nein, das könne sie sich überhaupt nicht vorstellen, so abfällig wie sie immer über die Männer gesprochen habe, antwortete die Leiterin. „Na, immerhin war sie im vierten Monat schwanger", gab Frau Čelik lächelnd zu bedenken. Die Leiterin war entsetzt, davon habe sie nichts gewusst.

Die Kommissare fuhren zur Martin-Luther-Straße und ließen sich von einem Schlosser die Wohnung der Toten öffnen, um nach Anhaltspunkten für den Mord zu suchen. Sie fanden aber nur die gut aufgeräumte Wohnung mit den Utensilien einer berufstätigen jungen Frau, während Papiere, Geld und Handy nicht zu finden waren. Der Telefonspeicher der Toten zeigte die Nummer ihrer Eltern und eine Handynummer mit dem Namen „Soltau". Sie baten Schuster, die Handynummer und ihre Festnetznummer zu verfolgen. Er ermittelte beides und auch die Telefongesellschaft, bei der das Handy mit dem Namen „Soltau" geführt wird. Es gehörte Luc Soltau mit den zwei Wohnungen und sie forderten eine Gesprächsliste an, ebenso von den Anschlüssen der Toten. Bald konnte Schuster von einem regelmäßigen Telefonverkehr zwischen ihr und Luc Soltau berichten, das letzte Gespräch fand am Freitag um 19:32 statt und dauerte nur zwei Minuten. „Das war wohl eine Verabredung zum Besuch am Bischofsweg", meinte Wellmann und fuhr grinsend fort: „Hier haben wir die dritte Ecke des Liebesdreiecks, und die Wahrscheinlichkeit wächst, dass der Mörder an einer der beiden anderen Ecken zu finden ist.

Auf der Rückfahrt sah Wellmann seine junge Kollegin von der Seite an, bis er sich zu einer Frage überwand, die ihm schon lange am Herzen lag, denn er wusste, dass sie ohne jeden Kontakt nach Dresden gekommen war: „Sie haben vorhin die Leiterin nach einer Beziehung der Toten gefragt, entschuldigen Sie bitte die indiskrete Frage, wie sieht es denn bei Ihnen damit aus? Ich weiß, dass ich kein Recht zu dieser Frage habe, aber Ihr Wohl liegt mir schon etwas am Herzen. Wenn Sie nicht antworten wollen, vergessen Sie bitte meine Frage."

Die junge Frau überlegte einen Moment, bis sie lächelnd antwortete: „Ich habe kein Problem, Sie über mein Liebesleben zu informieren, weil ich ganz einfach keins habe. Ich bin ja aus Duisburg hierher geflohen, um der Überwachung durch meine Familie möglichst weit zu entgehen.. Bis zu seinem Tod hat mein Vater meine Überwachung als seine Pflicht angesehen, ich durfte nicht ohne Begleitung ausgehen und unbewachte Treffen mit Jungen waren kaum möglich. Mit 17 Jahren traf ich mich ein paar Mal heimlich mit einem deutschen Jungen aus meiner Klasse, es war völlig harmlos, er hat mich nur einmal geküsst. Aber mein Vater bekam das mit und hielt mir lange Vorträge, kein türkischer Mann würde mich nehmen, wenn ich keine Jungfrau mehr sei. Beleidigt antwortete ich, ich sei eh' nicht an türkischen Männern interessiert, aber bis ich achtzehn war, begleiteten sie mich sogar zur Schule und holten mich wieder ab. Als ich volljährig war, riskierte ich einen fürchterlichen Krach, indem ich das Kopftuch herunterriss und verkündete, dass mein Privatleben sie nichts mehr angehe. Ich beantragte die deutsche Staatsbürgerschaft, was problemlos ging, weil ich in Deutschland geboren bin. Erst hier kann ich leben wie ich will. Ich bin zwar frei, aber die Einarbeitung in der Mordkommission hat mir bisher keine Gelegenheit gelassen, mich nach einem Partner umzusehen. Ich bin ja erst 23 und fühle mich noch jung genug, um mich zu verlieben, wenn mir der Richtige irgendwann über den Weg läuft. Und ich danke Ihnen für Ihre Fürsorge. Von Anfang an hatte ich das Gefühl, dass Sie mir ein wenig den Vater ersetzen."

Auf Soltaus Konten fanden sie immer wieder beträchtliche Einnahmen von renommierten Modefirmen und die üblichen laufenden Ausgaben eines wohlhabenden Haushalts. Anscheinend wurde auch viel bar bezahlt, denn öfter erfolgten Barauszahlungen. „Jetzt müssen wir nur noch die Verbindung zu Susanne Hacker finden", meinte der Hauptkommissar. Bei der Prüfung ihrer Kontoauszüge stellten sie fest, dass sie außer dem Gehalt vom Kindergarten gelegentlich Barbeträge eingezahlt hatte. Sie verglichen diese Einzahlungen mit den Barabhebungen von Luc Soltaus Konto und fanden Übereinstimmungen der Termine. „Es wird immer wahrscheinlicher, dass Soltau seine Geliebte umgebracht hat. Wenn wir ihn morgen nicht in seinem Haus antreffen, schreiben wir ihn zur Fahndung aus", bestimmte der Hauptkommissar. „Ich habe eine andere Idee", warf Frau Čelik nachdenklich ein. „Vielleicht ist er irgendwo zu einem Fotoauftrag gereist und hat die Familie mitgenommen. Aus den Einnahmen auf seinem Konto kennen wir die Firma, für die er zurzeit arbeitet und können dort vielleicht erfahren, wo er jetzt ist." „Danke, Duru, das ist eine tolle Idee", lobte der Chef seine junge Kollegin.

Dienstag früh riefen sie das Modehaus in Düsseldorf an, von dem die letzte Zahlung an Luc Soltau gegangen war. Erst als sie der Chefin erklärten, es handle sich um einen Mordfall und wenn sie keine Auskunft gebe, würden sie sie von der örtlichen Kriminalpolizei vorladen lassen, ließ sie sich zu der Mitteilung herab, Herr Soltau halte sich gerade in Paris auf, wo er Gesellschaftsmode fotografiere. Auch die Frage nach Evelyn Möller beantwortete sie widerwillig, die Dame sei als eines der Models Objekt der Aufnahmen. Wann die Fotostrecke beendet sei, wollte Wellmann wissen und erhielt die Antwort, die Aufnahmen dauerten noch bis morgen, aber ihres Wissens wollten die beiden noch ein paar Tage in Paris bleiben. „Ein bisschen schlauer sind wir jetzt, aber wie können wir erfahren, wann sie wieder in Dresden sind?" Hier wusste Mark Schuster Rat: „Sie werden ja wohl kaum mit dem Auto oder der Bahn nach Paris gefahren sein, bleibt nur das Flugzeug. Lasst' uns die Fluggesellschaften abfragen, die Dresden anfliegen. Da Luc Soltau Freitagabend noch am Bischofsweg war, sind sie wahrscheinlich Samstag früh geflogen." Die drei gingen an die Arbeit und wussten nach einer Stunde, dass das Paar mit dem Kind am Sonntag um 17:10 in Dresden landen würde. „Bisher haben wir nicht genug Material, um sie am Flughafen festzunehmen", nahm der Hauptkommissar wieder das Wort, „aber wir haben fünf Tage Zeit, danach zu suchen. Wenn wir nichts finden, befragen wir sie Sonntag nach 18 Uhr in der Bachstraße."

2016-03-04-1457084579-3594156-CoverDreieckvorne.jpg© Copyright 2016 Ernst-Günther Tietze Hamburg

Der Kriminalroman „Verdacht im Dreieck" beschreibt auf 45 Seiten den Mord an einer jungen Frau in Dresden, die in einem Dreiecksverhältnis gelebt hatte. Er wird gedruckt bei epubli und kann im Internet und in jeder Buchhandlung bestellt werden:

Als Taschenbuch für 4,49 Euro mit ISBN-Nr. 978-3-7375-9106-5

Als e-Book für 0,99 Euro mit ISBN-Nr. 978-3-7375-9205-5

Der vorliegende Abschnitt 3 umfasst im Buch 6 Seiten. Weitere Ausschnitte aus den folgenden Abschnitten des Romans werden nacheinander an dieser Stelle vorgestellt.

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