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01/04/2016 07:10 CEST | Aktualisiert 02/04/2017 07:12 CEST

Liebe im Herbst, Kapitel 6

Tooga via Getty Images

Aus Kapitel 6 Westküste

Fabian

Nach dem Frühstück bezahlte ich die Rechnung und wir packten das Gepäck in den leicht betagten aber sehr bequemen Lincoln, der pünktlich um 9 Uhr vor der Tür stand. Einen Navi hatte die Firma dazu gegeben. Sportlich bekleidet machten wir uns auf dem Highway Nr. 5 auf den Weg nach Süden.

Gegen 12 Uhr erreichten wir das Hotel Historic Chateau am Silver Lake. Wir bekamen ein geräumiges Zimmer mit Bad und bewunderten vom Balkon die Aussicht auf den Mt. St. Helens. Nach einem guten Mittagessen fuhren wir zum Johnston Ridge Observatory, das nur 20 km vom Mount St. Helens entfernt liegt. Wir sahen Bilder und Filme über den Ausbruch des Vulkans vom ersten Grummeln bis zum explosiven Aufriss auf der einen Seite und hörten die Erklärungen eines Rangers. Faszinierend ist der direkte Blick in den Krater und auf den Spirit Lake, in dem noch immer die vom Ausbruch gefällten Baumstämme schwimmen.

Sonntag früh besuchten wir das Visitor Center und erfuhren die Einzelheiten des Ausbruchs. Zuerst entstand ein zweiter Krater und bei einem noch größeren Ausbruch verschmolzen die beiden Krater zu einem großen. Die nördliche Flanke des Vulkans wölbte sich zu einem 90 Meter hohen Buckel. Am 18 Mai 1980 löste ein Erdbeben einen Hangrutsch aus. Vom Buckel an der Nordseite donnerten große Blöcke zu Tal, die weiteres Material mitrissen, sodass der ganze Nordhang in einer gigantischen Lawine abscherte und in den Spirit Lake rutschte. Zwei Kubikkilometer Gestein und Gletschereis trieben das Wasser aus dem See, ließen riesige Wellen überschwappen und verstopften seinen Abfluss. Ein 300 Grad heißer, pyroklastischer Strom zerstörte alles, was die Druckwelle der Explosion verschont hatte. Der in 10 Kilometern Entfernung postierte Vulkanologe konnte noch einen letzten Funkspruch abgeben, bevor ihn die Glutwolke erfasste: „Vancouver! Vancouver! Jetzt geht es los!"

Dagmar

In einer guten Stunde fuhr ich uns beide nach Portland. Nach der Karte vom Automobilclub fanden wir das gebuchte Hotel River Side problemlos und bekamen ein gutes Zimmer. Portland ist eine nette Stadt, wir wollen bis übermorgen bleiben. Abends aßen wir auf der Straße vor einem Restaurant ein gutes Steak und tranken Rotwein dazu. Weil uns die bestellte Flasche zu viel war, baten wir die Bedienung um einen Korken, damit wir sie mitnehmen könnten. Wir bekamen die Flasche nicht nur gut verkorkt, sondern in einem schmucken Leinenbeutel mit dem Namen des Restaurants.

Fabian

Dienstag fuhr ich zum Warm Springs-Resort, wo ich ein Zimmer für zwei Nächte gebucht hatte. Das Hotel liegt direkt am Fluss und wir bekamen ein komfortables Zimmer mit Bad und Balkon. Das Haus hat einen Wellnessbereich, in dem auch Massagen angeboten werden. Das reizte uns, so dass wir beschlossen, den Nachmittag hier zu bleiben und uns erst morgen mit den nativen Indianern zu beschäftigen. Zunächst badeten wir in den heißen Quellen, dann meldeten wir uns zur Ganzkörpermassage für ein Paar an.

Wir lagen nackt nebeneinander auf einer breiten Unterlage, zwei Indianerinnen massierten uns. Zuerst lag ich auf dem Bauch und die Masseurin griff mir bei der Massage der Gesäßmuskeln tief in die Pospalte. Als ich mich auf den Rücken drehen musste, ging sie bei den Innenseiten der Oberschenkel mehrmals bis an die Hoden, was mich sichtbar erregte. Leider schien sie das nicht zu interessieren, sie berührte „ihn" nicht direkt. „Schade!", dachte ich. Als ich zu Dagmar schaute, sah ich, dass ihre Masseurin ähnlich unbekümmert ihre Pospalte durchzog, ihre Brüste knetete und ihr tief in die Vulva griff. Grinsend beobachtete sie die Auferstehung meines Fleisches. Nach der Massage ruhten wir eine Stunde auf den Liegen Als Dagmar erzählte, dass sie meine Erektion beobachtet hatte, lachte ich, die Masseurin sei ja leider nicht konsequent gewesen. „Na, ja", meinte meine Gefährtin, „es wäre mir nicht so recht, wenn jetzt eine fremde Frau meine Aufgabe über-nimmt."

Dagmar

Die Warm Springs Indian Reservation wird seit mehr als 10.000 Jahren durch die vereinigten Stämme von Warm Springs bewohnt, einer eidgenössischen Konföderation von drei Native American Stämmen, deren Sprachen in den Reservation-Schulen unterrichtet werden. In einem Vertrag mit der US-Regierung wurde 1855 eine medizinische Grundversorgung, Bildung und andere Formen der Unterstützung vereinbart und dafür ein Bereich des Gebiets abgetreten, in dem aber die Stammesmitglieder die Jagd- und Fischereirechte behalten. Das Museum verfügt über eine große Sammlung von historischen Fotos, Grafiken und seltenen Dokumenten. Zusätzlich werden Filme gezeigt, wie z. B. eine Hochzeit und traditioneller Tanz. Bis zur Mittagszeit durchstöberten wir die interessanten Räume und lernten viel über die indianischen Ureinwohner.

Fabian

Nach gut der halben Strecke hatten wir gerade die Stadt Bent hinter uns gelassen, als uns ein Pickup überholte und kurz vor uns abrupt bremste, ich konnte mit Mühe das Auffahren vermeiden. Zwei Männer sprangen heraus und liefen mit Pistolen in der Hand auf uns zu. Doch ich hatte den Lincoln schon ein Stück zurückgesetzt und fuhr geradeswegs auf sie zu, sie konnten nur knapp zur Seite springen. Dann fuhr ich so über die leere Straße, dass sie etwa 200 Meter hinter uns blieben, unser Wagen war viel kräftiger als ihrer. „Ruf' die Polizei über 911 an", bat ich Dagmar und sie schilderte unsere Lage und die Kilometeranzeige. Ein Einsatzwagen würde uns entgegen kommen, sagte der Beamte und es dauerte nicht lange, bis wir ihn sahen. Hinter uns stellte er sich quer auf die Straße und als der Pickup bremste, waren die Polizisten schon mit Revolvern an den Türen und nahmen die Männer fest. Das sei schon der zweite Überfall, meinten sie, als sie unsere Aussage aufnahmen und uns dankten, dass wir ihnen die Gauner so gut geliefert hatten. Auf die Frage, wo sie uns erreichen könnten, nannte ich das nächste Hotel und unsere Handynummer. „Gut, dass du gefahren bist, ich hätte bestimmt nicht so schnell reagiert", lobte Dagmar mich.

Dagmar

Am nächsten Morgen schliefen wir länger und holten zärtlich nach, wozu wir gestern Abend zu müde waren. Nach dem Frühstück machten wir uns mit einer genauen Karte auf den Weg. Wir fuhren, hielten an, schauten und staunten. Von einem Parkplatz liefen wir einen markierten Weg in den Wald hinein, es war unwahrscheinlich. Die Bäume sind riesig hoch und haben einen sagenhaften Umfang. So etwas hatten wir noch nie gesehen und wir vergaßen völlig das Mittagessen. Zum Glück hatten wir eine Packung Studentenfutter dabei, das wir mit frischem Wasser aus einem Bach verzehrten. Dann schwammen wir eine Weile nackt im Bach, wo uns niemand sehen konnte. Erst spät rissen wir uns los und fuhren zurück. Weil wir im Wald kaum etwas gegessen hatten, ließen wir uns vom Hotelier ein Restaurant am Ufer empfehlen, zu dem wir eine Viertelstunde laufen mussten. Es war noch früh genug, wir bekamen einen guten Platz und genossen ein vorzügliches Fischmenü mit Weißwein. Gut gesättigt gingen wir zurück und ließen den Tag, der uns so viel Schönes geschenkt hatte, in inniger Gemeinschaft ausklingen.

Fabian

Dienstag fuhr Dagmar uns in den historisch-romantischen Ort Ferndale, der als viktorianisches Dorf bezeichnet wird und uns sofort begeisterte. Im 19. Jahrhundert Jahren war Ferndale als landwirtschaftliches und Verkehrszentrum ein Schmelztiegel für die skandinavischen, schweizerisch-italienischen und portugiesischen Einwanderer. Die Gebäude sind sorgfältig restauriert und mit gepflegten Gärten verschönert. Staunend gingen wir durch die hübsch dekorierten Straßen mit ihren Handarbeitsgeschäften, Antiquitätenläden, Kunstgalerien und Fachgeschäften. Nach dem Mittagessen in einem historischen Restaurant fuhr ich die Lost Coast hinab. Als wir an einem Flüsschen anhielten, um zu baden, sahen wir eine junge Frau mit zwei Kindern nackend baden. Das ist in diesem Land selten, aber wir taten es ihnen natürlich gleich. Nach dem Bad lagen wir nebeneinander am Strand und unterhielten uns. Auf unsere Frage bedauerte die Frau, dass sie, um nackend baden zu können, solch eine einsame Gegend aufsuchen müssen.

Dagmar

Nach der Besichtigung des Botanischen Gartens verließen wir am Mittwoch die Küste und ich fuhr 160 km über die Berge nach Calistoga, wo Fabian ein Zimmer im Hot Springs Resort gebucht hatte. Nach dem Einchecken aßen wir in der Stadt und liefen zum Old Faithfull Geysir, der stündlich eine 20 m hohe Fontäne in den Himmel spuckt. „So etwas habe ich noch nie gesehen, danke dass du mir das zeigst", schwärmte ich. Im Hotel vergnügten wir uns bis zum Abend im Spa-Bereich neben unserem Zimmer, wo wir begeistert ein Paares-Schlammbad mit anschließendem heißen Mineral-Jacuzzi und Ganzkörpermassage erlebten. Im Gegensatz zu den Indianern verlief es sehr gesittet und wir gingen gleich danach schlafen.

Fabian

Freitag konnten wir lange schlafen, weil wir die Stadt ansehen wollten, aber als wir uns unsere Liebe schenken wollten, klappte wieder nichts bei mir. Dagmar merkte es und streichelte mich wundervoll zärtlich bis zum Erfolg. Es ist immer wieder ein Wunder für mich, noch einmal solche wundervolle Geliebte gefunden zu haben, doch allmählich mache ich mir ernste Sorgen. Nach dem Frühstück gingen wir in Stadt und besichtigten zuerst das Capitol direkt gegenüber, es ist der Regierungssitz von Kalifornien. Dann wandten wir uns in das hübsche Zentrum „Old Town". Nachdem wir uns im Westernflair umgesehen hatten, aßen wir in einem historischen Inn recht ordentlich zu Mittag.

Auf einer Tafel lasen wir die Geschichte der Stadt: „Nach dem Mexikanisch-Amerikanischen Krieg von 1846/48 wurde Kalifornien amerikanisch und Sacramento entstand als Goldgräbersiedlung an der Mündung des American River in den Sacramento. 1854 wurde Sacramento zur Hauptstadt des Bundesstaats Kalifornien erklärt und wuchs zu einem Handelszentrum heran." Den ganzen Nachmittag durchstreiften wir die alten Straßen und entdeckten immer wieder Interessantes, z. B. den alten Bahnhof. Die Stadt sieht noch genauso romantisch aus wie damals. Nach einem guten Abendessen gingen wir müde zum Hotel zurück und fielen stracks ins Bett.

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© Copyright 2015 Ernst-Günther Tietze, Hamburg, www.eg-tietze.de

Der Roman „Liebe im Herbst" beschreibt auf 208 Seiten die neu entstehende Liebe zwischen zwei Senioren. Er wird gedruckt bei epubli und kann im Internet und in jeder Buchhandlung bestellt werden:

Als Taschenbuch für 8,- Euro mit ISBN-Nr. 978-3-7375-9527-9

Als e-Book für 1,99 Euro mit ISBN-Nr. 978-3-7375-9205-5

Das vorliegende Kapitel 6 umfasst im Buch 11 Seiten. Weitere Ausschnitte aus den folgenden Kapiteln des Romans werden nacheinander an dieser Stelle vorgestellt.