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25/03/2016 12:15 CET | Aktualisiert 26/03/2017 07:12 CEST

Liebe im Herbst, Kapitel 2

Tooga via Getty Images

Aus Kapitel 2 Übungen

Fabian

Pünktlich um 10 Uhr klingelten die beiden Frauen Donnerstag früh an meiner Tür. Ich ließ Dagmar die gestrige Lektion wiederholen, sie hatte kaum etwas vergessen. „Heute wollen wir uns mit der E-Mail beschäftigen", sagte ich. "Ich habe dir einen Account eingerichtet, den kannst du beliebig benutzen." Ich diktierte ihr die Adresse und das Passwort, dann schickte ich ihr eine kurze Mail, die auf dem Tablet angezeigt wurde. „Jetzt schick' Margitta eine Mail", sagte ich und zeigte ihr den Weg, Im Formular trug sie Margittas Adresse ein und schrieb einige Worte, worauf ich ihr das Senden zeigte. „Ich kann E-Mail!", jubelte sie, als Margitta die Mail öffnete.

Dagmar

Zwar hatte ich keine Ahnung, was Fabian für mich empfand, ich war mir ja selbst meiner Gefühle nicht sicher. Doch zum ersten Mal seit Jahren beeindruckt mich wieder ein Mann derart, dass ich ihm etwas näher kommen will. Fabian ließ mich „Free Office" herunter laden und installieren, dann das Textprogramm aufrufen. „Gib einen beliebigen Text ein", bat er. Wie von selbst formulierten meine Finger einen Dankesbrief:

Lieber Fabian,
ich finde es nett, wie fürsorglich und trotzdem erfolgreich Du mich in die Computerei einführst. Ich habe es nie für möglich gehalten, in meinem Alter noch einem derart netten und zuvorkommenden Mann zu begegnen, der so viel Mühe für mich aufwendet. Ich hoffe, dass wir noch viele gemeinsame Unterrichtstunden miteinander verbringen können.
Dagmar.

„Danke, ich danke dir von Herzen", rief er und umarmte mich, doch das genügte mir jetzt nicht mehr. Ohne nachzudenken küsste ich ihn und unsere Zungen umschlangen einander, bis wir keine Luft mehr bekamen. „Du", sagte ich schwer atmend, „das darfst du nicht machen." „Entschuldige vielmals", antwortete er lachend, „es soll nicht wieder vorkommen." „Das wäre schade", meinte ich, ebenfalls lachend und konnte gar nicht aufhören, seine Lippen zu fühlen. Wie lange war ich nicht so geküsst worden!

„Wir sind ja verrückt", rief er schließlich und ich antwortete „Ja, ich bin ganz verrückt nach dir und habe das Gefühl, dass es dir genauso geht." „Du hast Recht", antwortete er nachdenklich, „seit Angelicas Tod war ich nicht mehr so glücklich. Ich bin dir so dankbar, dass du mir deine Zuneigung so offen zeigst, ich hätte nicht gewagt, einfach auf dich zuzugehen. Doch jetzt sage ich voller Freude: ‚Doch küsst mich ein weiblicher Mund, so bin ich schon wieder gesund.' Ich glaube, ich habe mich in dich verliebt." Als ich bedenkenlos antwortete. „Ja, Papageno, mir geht es doch ebenso, nur ein sanftes Täubchen werde ich nicht sein", lief ein glückliches Strahlen über sein Gesicht. Was habe ich da angerichtet, ohne nachzudenken?

Fabian

Nach Dagmars liebevollen Worten und Küssen war ich richtig benommen, ich hatte nicht zu hoffen gewagt, dass wir uns so schnell so nahe kommen würden. Jetzt mit der Computerei weiter zu machen, wäre mir wie eine Blasphemie vorgekommen. Da der Nachmittag unter unseren Entdeckungen fortgeschritten war, kochte ich Kaffee und kredenzte ihn mit dem Rest Kekse. „Wann kommst du nach Weimar?" fragte Dagmar und lächelte mich vielversprechend an. „Am liebsten gleich Sonntag mit dir gemeinsam", erwiderte ich, „doch Dienstag muss ich in den Club. Nach 12 Uhr mittags kann ich fahren. „Dann tu' es", sagte Dagmar mit Bestimmtheit.

Dagmar

Mit seinen ruhigen Erläuterungen wurde Fabian mir immer sympathischer, am liebsten hätte ich ihn wieder umarmt und geküsst. Gleich lagen wir uns in den Armen und unsere Zungen führten einen wilden Tanz auf. Nie hatte ich gedacht, welche Leidenschaft noch in mir steckt. Und als Fabian meine Brüste streichelte, hätte ich ihn am liebsten auf das Sofa geworfen und vernascht.

Fabian

Nachdem ich Dagmars Brüste gefühlt hatte, hätte ich sie jetzt gern unverhüllt bewundert, Verlegen flüsterte ich ihr den Wunsch ins Ohr. „Die können sich noch gut sehen lassen", antwortete sie lachend. " Ich zog sie aufs Sofa, sie streifte das Shirt über den Kopf und ich konnte nach dem Öffnen des BH ihre mittelgroßen, straffen Brüste bewundern. Mit den Händen liebkoste ich die beiden lieblichen Kugeln und als ich behutsam die Spitzen küsste, wurden sie fest, wobei Dagmar zuckte, als ob ein elektrischer Schlag ihren Körper durchfuhr und leise stöhnte. Da kamen mir die Worte von selbst: „Schon seit ich dich zum ersten Mal gesehen habe, weiß ich, dass du eine schöne Frau bist. Aber jetzt fehlen mir die eigenen Worte und ich kann nur die Bibel zitieren: ‚Schön bist du, meine Freundin, ja, du bist schön und ist kein Fehl' an dir', sagt sie und ich beziehe diese Worte gerne auf dich. Ich bin glücklich, dass ich solch eine schöne Frau lieben darf." Ergriffen von meinen Worten zog Dagmar mir das Hemd aus und drückte die weichen Brüste an meinen Oberkörper. Zwei Jahre lang war ich keiner Frau so nahe gekommen.

Dagmar

Es war himmlisch, seine Haut direkt auf meiner zu fühlen, und ich zog ihn ganz an mich. Eng aneinander geschmiegt lagen wir auf dem Sofa. Unsere Zungen führten einen immer wilderen Tanz auf, während unsere Hände den nackten Rücken des anderen liebkosten. Bald konnte ich Fabians steigende Erregung deutlich fühlen, das brachte mich auf eine verwegene Idee, wie ich schon ein Stück seines Wesens erforschen kann. Ich drückte mich noch fester an ihn, bis er bald am ganzen Körper bebte und leise stöhnte. Das hatte ich gewollt und freute mich darüber.

Verlegen flüsterte er: „Entschuldige bitte, aber du hast mich so eng umarmt, dass ich mich nicht lösen konnte." Glücklich antwortete ich: „Das ist doch ganz natürlich und ich bin dir dankbar, dass ich dich so erleben durfte. Jetzt kenne ich auch schon ein Geheimnis von dir." „Du bist großartig", stammelte er, „das habe ich zwei Jahre lang nicht erlebt, auch die innigen Küsse nicht. Angelica hat mir schon bevor wir vollkommen zusammen kamen, ihre Liebe auf diese Weise erwiesen, und zuletzt konnte sie sie nur noch so zeigen. Nun setzt sich das mit dir wundervoll fort."

Fabian

Sonntag kurz nach 17 Uhr klingelte das Telefon, ich hatte schon gehofft, dass Dagmar ihre Ankunft melden würde. Doch sie hatte noch etwas auf dem Herzen: „Ich habe die Einwahldaten für das Internet von Vodaphone bekommen, finde aber den WLAN nicht. Kannst du mir helfen?" „Wie heißt denn dein Anschlussgerät?", fragte ich. „Im Handbuch steht ‚Easybox 903'", antwortete sie. Ich fand das Gerät im Internet. „Das Ding hat oben links einen Schalter, mit dem der WLAN eingeschaltet werden kann", erklärte ich ihr. „Drück mal drauf, da müsste eine weitere Lampe angehen und schau dann wieder auf dein Tablet."

Dagmar

Ich war so begeistert von Fabians tatkräftiger Hilfe, dass ich ihm in einer Mail danken musste:

Weimar, 31. 5. 2015 Mein ganz lieber Fabian,
ich weiß gar nicht, wie ich Dir für deine ständige Hilfe bei der Computerei danken soll. Du hast mich so geduldig und liebevoll in die Materie eingeführt und das Sahnehäubchen war eben Deine Führung ins Internet, die ich alleine nie bewältigt hätte. Doch auch für die persönliche Führung gestern und vorgestern danke ich Dir von Herzen. Ich habe jahrelang in einem seelischen Dornröschenschlaf gelegen und überhaupt nicht mehr gewusst, dass ich eine Frau bin. Du hast mich wunderbar zärtlich aufgeweckt und mir die Tage so schön gemacht, wie ich es schon lange nicht erlebt habe, mein Liebling. Ich freue mich bannig, dich übermorgen in die Arme schließen und küssen zu können und vielleicht auch ein bisschen mehr.
Jetzt will ich bald ins Bett gehen und mich von der Reise erholen, denn die Abende mit Margitta waren lang, wenn wir auch nur wenig über Dich gesprochen haben.
Viele herzliche Küsse sendet Dir Deine Dagmar.

Nach fünf Minuten hatte ich Fabians Antwort:

Mannheim, 31. 5. 2015 Meine geliebte Dagmar,
herzlichen Dank für Deine liebe Mail, über die ich mich zweifach gefreut habe: Einmal weil Du so gut gelernt hast, mit der E-Mail umzugehen und zum zweiten über Deine wundervolle Liebeserklärung. Nach unserem Abschied gestern konnte ich nicht gleich nach Hause gehen, sondern bin durch die Stadt gewandert und habe mich beim Anblick des Elefanten an Dich erinnert. Nachdem ich in einer Bar einen Cognac getrunken habe, fühlte ich mich von Deiner Liebe umhüllt und wurde ruhig, so dass ich nach Hause fahren konnte. Ich konnte lange nicht einschlafen, weil meine Gedanken bei Dir waren. Heute habe ich - abgesehen von unserem netten Telefonat - an meinem neuen Roman geschrieben. Gelegentlich erzähle ich Dir mal etwas darüber. Ein paar Verse sind mir eingefallen, die ich Dir mitsende:
Du bist meine Frau,
ich weiß, ich liebe Dich so sehr,
mit Dir will ich mein Leben teilen.
Vor langem schon wurde mir Liebe geschenkt,
eine wundervolle Liebe von einer großartigen Frau
über viele Jahre, Jahrzehnte.
Bin ich ihr stets gerecht geworden,
habe ich ihr immer genug Liebe gegeben?
Trotzdem hat sie nie an mir gezweifelt.
Ihr Weg ist vollendet,
ich blieb zurück, alleine
und denke oft an sie.
Du hast mich angenommen
und achtest ihr Vermächtnis
Ich möchte Dir viel Liebe geben.
Denn jetzt bist Du meine Frau,
ich weiß, Du liebst mich so sehr,
Willst Du mein Leben mit mir teilen?
Nun wünsche ich Dir eine gute Nacht und küsse Dich in Gedanken,
Dein Fabian

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© Copyright 2015 Ernst-Günther Tietze, Hamburg, www.eg-tietze.de

Der Roman „Liebe im Herbst" beschreibt auf 208 Seiten die neu entstehende Liebe zwischen zwei Senioren. Er wird gedruckt bei epubli und kann im Internet und in jeder Buchhandlung bestellt werden:

Als Taschenbuch für 8,- Euro mit ISBN-Nr. 978-3-7375-9527-9

Als e-Book für 1,99 Euro mit ISBN-Nr. 978-3-7375-9205-5

Das vorliegende Kapitel 2 umfasst im Buch 13 Seiten. Weitere Ausschnitte aus den folgenden Kapiteln des Romans werden nacheinander an dieser Stelle vorgestellt.

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