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25/03/2016 09:56 CET | Aktualisiert 26/03/2017 07:12 CEST

Liebe im Herbst, Kapitel 1

Tooga via Getty Images

Aus Kapitel 1 Computerclub

Fabian

Ich bin hin und her gerissen! Da bringt die Margitta Berger einfach ihre Schwester Dagmar mit in den Computerclub und setzt sie an einen freien Platz, obwohl das nicht zulässig ist. Sie wolle ihr doch nur zeigen, was hier möglich ist, meint sie, denn in Weimar gebe es sowas nicht. Die Dame gefällt mir, sie macht einen aufgeweckten Eindruck, trotzdem darf sie hier nicht aktiv werden. Deshalb fordere ich sie höflich auf, sich neben ihre Schwester zu setzen und zuzuschauen. Ärgerlich sagt Margitta „So habe ich mir das nicht vorgestellt, komm wir gehen", und die beiden rauschen davon.

Dagmar

Schade, ich hätte gerne mit dem Betreuer gesprochen, er gefällt mir. Aber Margitta ist einfach mit mir gegangen. „Das war wohl nix" schimpft sie, „komm, ich zeige dir Mannheim, da gibt's eine Menge zu sehen." In der Innenstadt führte sie mich in eine Kaffeestube. „Die machen hier fantastisches Eis und guten Cappuccino, ich lade dich ein." Sie hatte nicht zu viel versprochen, das Angebot war hervorragend. Doch der Mann im Club war noch in meinen Gedanken. „Was für ein Mensch ist euer Betreuer?", fragte ich. „Er hält sich sehr zurück", sagte sie nachdenklich. „Wir wissen nur, dass er als Ingenieur tätig war, aber seit seine Frau vor zwei Jahren gestorben ist, nimmt er nicht mehr an den Ausflügen der Gruppe teil. Irgendwie hat ihn das verbittert und das hat er heute deutlich gezeigt."

Fabian

Auf der Heimfahrt spukte mir diese Frau Dagmar ständig im Kopf herum. Ich hatte ihr angemerkt, dass ich sie beeindruckte, doch war das nur mein Computerwissen oder mehr? Will ich sie überhaupt mehr beeindrucken und was stelle ich mir dabei vor? Nach Angelicas Tod habe ich bewusst Begegnungen mit Frauen vermieden, habe ich jetzt lange genug um sie getrauert? Ich habe mich immer für einen Steppenwolf gehalten, bin hart und abweisend geworden und selbst die Kinder und Enkel kamen nicht mehr an mich heran.

Doch allmählich merke ich, dass ich für ein einsames Leben nicht geschaffen bin, ich brauche die Kommunikation mit einem vertrauten Menschen. Und schon lange fehlt mir der körperliche Kontakt mit einer Frau, die ich lieben kann, so wie sie mich. Das war mit Angelica die ganze Zeit wundervoll gewesen, und selbst, als es wegen ihrer Krankheit nicht mehr möglich war, haben wir uns noch Gutes getan. Tief in meinem Innern meldete sich ein „Ja" zu dieser aufregenden Frau. Vielleicht kann ich ihr ein wenig näher kommen, ich muss es nur behutsam angehen lassen. Irgendwie freue ich mich darauf, sie wieder zu sehen.

Dagmar

Herr Tiemann führte uns in ein Elektronikgeschäft und sagte, als wir zwischen vielen verschiedenen Notebooks standen: „Wenn Sie das Gerät auf Reisen mitnehmen wollen, empfehle ich ein kleines. In einer Ecke standen einige kleine Geräte um die 800,- €. Er winkte einem Verkäufer, der eins in Betrieb nahm. „Da ist schon das neue Betriebssystem Windows 8.1 drauf, tippen Sie mal mit dem Finger auf eine Kachel", bat er mich. Ich tat es und hatte ein Programm vor mir. „Tippen Sie auf das Kreuz oben rechts in der Ecke", fuhr er fort. Ich tat es und das Programm war verschwunden. „Wenn man das kann, ist es manchmal einfacher als mit der Maus", erklärte er.

Fabian

Beim Weitergehen kamen wir an den Tablets vorbei, die sie interessierten. „Was ist denn das?", fragte sie. „Das sind Tablets, nur etwas für junge Leute", erklärte Margitta. „Moment mal!", schaltete ich mich ein, „das stimmt nicht. Tablets sind vollwertige Computer, zwar mit 10 Zoll Diagonale ziemlich klein, aber mit fantastischer Auflösung und alle mit Touchscreen. Schauen wir sie uns ruhig mal an."

Dagmar

Herr Tiemann gab es mir eins dieser Dinger in die Hand. „Das wiegt weniger als ein Kilo. Das Betriebssystem ist Windows 8.1 und man kann jedes Anwenderprogramm drauf installieren. Dies Tablet ist mit 649,- Euro billiger als die Geräte, die wir vorhin gesehen haben und hat nur den einen Nachteil, dass man auf dem kleinen Bildschirm nicht so viel sieht wie bei den anderen Geräten. Wenn Sie eine gute Brille haben, ist solch Tablet durchaus für Sie geeignet, es passt sogar in Ihre Handtasche. Ich lasse es Ihnen mal vorführen." Er rief eine junge Verkäuferin, die sich als exzellente Fachfrau erwies und bat sie, das Gerät vorzuführen. Nach dem Einschalten waren sofort die Quadrate zu sehen und die Verkäuferin bat mich, mit dem Finger auf eine Kachel mit einem „W" zu tippen, worauf eine Art Briefbogen und eine Tastatur erschienen.

„Schreiben sie etwas", forderte Herr Tiemann mich auf und ich tippte zwei Sätze ein. Doch die Schrift war so klein, dass ich sie kaum lesen konnte. „Drücken sie jetzt mit Daumen und Zeigefinger auf den Text und ziehen die Finger auseinander", schlug er vor. Ich tat es und die Schrift wurde größer, aber der Rest der Zeilen verschwand rechts. „Jetzt setzen Sie den Finger auf den Text und ziehen Sie ihn nach links und wieder nach rechts", fuhr er fort und ich sah, wie der Text über den Bildschirm wanderte. „Das ist ja eine tolle Sache", staunte ich.

Fabian

Ich hatte nicht gedacht, dass Frau Petrenko sich für ein Tablet entscheiden würde, jetzt merkte ich, was für eine intelligente und mutige Frau sie ist. „Sie brauchen nun noch eine Maus, einen Drucker, eine mobile USB3-Festplatte und ein kleines Handbuch für Windows 8.1", sagte ich, „die Maus sollte ein Bluetooth-Gerät sein, damit sie keinen USB-Anschluss blockiert." „Ich nehme an, Sie werden mir das beim Mittagessen erklären, im Moment verstehe ich nur Bahnhof", antwortete Frau Petrenko lächelnd. Ich zeigte ihr die Dinge, die sie ohne weiter zu fragen für knapp 1.100,- € kaufte.

Dagmar

„Herzlich willkommen in meiner bescheidenen Hütte", lud Fabian uns ein. Von einer großen Diele gingen mehrere Türen ab. Fabian öffnete eine und sagte: „Das ist das Wohnzimmer." Es war ziemlich groß mit einer Sitzecke mit Flachbildfernseher und einem Essbereich. „Hier wollen wir nicht arbeiten, kommt mit", meinte Fabian und öffnete eine andere Tür. „Das ist mein Reich, aber für drei Personen etwas klein", entschuldigte er sich, aber ich hatte schon hinein geschaut. In der Ecke einer Schreibplatte stand ein großer Monitor, ganz rechts ein Drucker und auf der Platte ein Laptop, wie wir sie bei den teuren gesehen hatten.

Fabian

Dagmar pack' doch mal deine Schätze aus", bat ich, dann ließ ich sie das Tablet und das Type Cover zusammenstecken und zeigte ihr den Netzschalter am Tablet. Nach dem Einschalten wurde sie aufgefordert, einen Benutzernamen und ein Passwort einzugeben und ich erklärte: „Das Passwort musst du dir aufschreiben, sonst kommst du nicht mehr in das System." Dagmar wählte ihren Vornamen als Benutzer und tippte ein Passwort ein, das sie im Notizbuch vermerkte. Nach der Eingabe zeigte ich ihr, wie sie die Maus mit dem Gerät verbinden kann. „Heute wollen wir nur noch ins Internet gehen." Nach dem Kaffee zeigte ich ihr den WLAN-Zugang auf dem Tablet und buchstabierte den Code zur Eingabe. Dann ließ ich sie den Internetexplorer starten und wies ihr den Weg, Firefox und Thunderbird herunter zu laden und zu installieren.

Dagmar

„Jetzt bist du schon im Internet und kannst auf diesem Weg die Erweiterung deines Telefonanschlusse auf DSL beantragen", schlug Fabian vor. „Ruf Firefox auf und wähle in Google Vodaphone an." Ich tat das und fand eine Seite mit Angeboten. „Jetzt machst du per Telefon weiter, weil du nur eine Erweiterung brauchst. Ich wählte die angegebene Servicenummer, konnte nach kurzer Wartezeit die Erweiterung beantragen und erhielt die Auskunft, man werde mir die Unterlagen per Post zusenden.

„Für E-Mail habe ich eine eigene Domain, bei der mein Name hinter dem Mailsymbol steht, dort liegt auch meine Webseite", fuhr Fabian fort. „Du hast eine eigene Webseite?", fragte Margitta erstaunt, „zeig' sie uns doch mal." „Ich dachte, das sei im Club bekannt", antwortete Fabian und schaute mich an. „Du kannst sie anwählen, geh' mal wieder auf Firefox." Dann sagte er mir, was ich oben in die Adresszeile eingeben musste. Seine Seite erschien mit einem Logo auf der linken und seinem Bild auf der rechten Seite seines Namens und einer Begrüßung. Nach ein paar einleitenden Zeilen waren drei Überschriften zu sehen:

- Mein Leben,

- Meine Berufstätigkeit,

- Meine Bücher.

„Klick' mal auf ‚Mein Leben', bat er und ich war beeindruckt. Ab seiner Geburt waren alle Daten seines Lebens aufgeführt auch seine Liebe zu zwei verstorbenen Frauen. „Und jetzt klick' auf ‚Meine Bücher'", fuhr er fort. Ich fand eine Liste von fünf Büchern, die darunter mit den Titelbildern und einer kurzen Inhaltsangabe dargestellt waren. „Wenn du bei den Büchern auf ‚Leseproben' klickst, bekommst du ausführliche Ausschnitte aus den Büchern."

Ich hatte das Buch „Leben mit Angelica" gesehen. und klickte die Leseproben an. Interessiert las ich die Begegnung mit seiner Frau vor fünfundvierzig Jahren und ihre vielen zärtlichen Briefe, bis Fabian mich zum letzten Kapitel führte, wo ich die liebevolle Beschreibung ihrer letzten Monate bis zum Tode und seine Grabrede lesen konnte. Unvermittelt stiegen mir Tränen in die Augen. „Danke, dass du mir das gezeigt hast", sagte ich gerührt und dachte: „Dieser Mann hat wohl viel Gefühl für Frauen." Er war mir jetzt ein ganzes Stück näher gekommen und ich wollte den Kontakt mit ihm auf jeden Fall bewahren. „Wenn dich das interessiert, gebe ich dir das Buch zum Lesen mit", sagte Fabian und holte ein Exemplar.

Fabian

Ich fühlte mich ziemlich durcheinander, als die Frauen fort waren. Keine Frau hatte mich in den letzten Jahren derart beeindruckt wie diese Dagmar. Solange Margitta bei ihr ist, kann ich ihr leider nicht näher kommen, aber irgendwie muss ich es versuchen, denn im Innersten weiß ich, dass ich mit ihr vielleicht eine schöne neue Gemeinschaft finden kann.

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© Copyright 2015 Ernst-Günther Tietze, Hamburg, www.eg-tietze.de

Der Roman „Liebe im Herbst" beschreibt auf 208 Seiten die neu entstehende Liebe zwischen zwei Senioren. Er wird gedruckt bei epubli und kann im Internet und in jeder Buchhandlung bestellt werden:

Als Taschenbuch für 8,- Euro mit ISBN-Nr. 978-3-7375-9527-9

Als e-Book für 1,99 Euro mit ISBN-Nr. 978-3-7375-9205-5

Das vorliegende Kapitel 1 umfasst im Buch 13 Seiten. Weitere Ausschnitte aus den folgenden Kapiteln des Romans werden nacheinander an dieser Stelle vorgestellt.

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