BLOG
06/04/2016 08:13 CEST | Aktualisiert 07/04/2017 07:12 CEST

Liebe im Herbst, Kapitel 10

Michael Marquand via Getty Images

Aus Kapitel 10 Kroatien

Fabian

Nach dem Frühstück verabschiedete ich mich von Dagmar und fuhr in einer Taxe zum Stromversorgungs-Unternehmen in Zagreb. Der Chef und die Sachbearbeiter begrüßten mich und kurz danach auch der EU-Beamte, der sich zu meiner Überraschung als attraktive Frau von Mitte dreißig entpuppte. „Magdalena Hölzl, Master of Business and Engineering", stand auf ihrer Visitenkarte. Sie öffnete die fünf Angebote und ließ sie kopieren, so dass jeder eines vor sich hatte. Dann war es an mir, die Arbeitsweise zu erklären. Da ich sah, dass jeder mein Buch und die vorbereiteten Tabellen hatte, beschränkte ich mich auf eine kurze Erläuterung des Verfahrens und empfahl, die von mir eingetragene Gewichtung der einzelnen Anforderungen gemeinsam zu prüfen. Als nächstes schlug ich vor, jeder solle das erste Angebot alleine durchlesen, um mit der gebotenen Lösung vertraut zu werden. Danach sollten wir die Bewertung der angebotenen Eigenschaften in die Tabellen eintragen. Wir hätten pro Anbieter zwei Tage Zeit. Der Vorschlag wurde angenommen und jeder nahm sich das erste Angebot vor.

Dagmar

Ich führte Fabian in die Shopping Mall ‚Ilica' direkt beim Hotel mit allen möglichen guten und preiswerten Angeboten. In einem kleinen Restaurant aßen wir etwas Leichtes zum Abend. Beim Essen wollte ich natürlich wissen, wie sein Tag verlaufen sei, und wunderte mich, wie begeistert er von der EU-Beamtin berichtete, deren Fachkenntnis seine Aufgabe erleichtere. Beim Frühstück kam die Dame an unseren Tisch und Fabian stellte uns einander vor. Sie fragte nach meinem Alter und staunte, als ich es nannte. „Ich habe Sie höchstens auf sechzig geschätzt", sagte sie. Da wagte ich, sie nach ihrem Alter zu fragen und staunte ebenfalls, als sie sich mit neununddreißig outete, sie sah wie Anfang dreißig aus. Nur ungern lasse ich Fabian mit ihr ziehen, aber es muss ja sein.

Fabian

Der zweite Arbeitstag verlief ähnlich wie gestern, das erste Angebot erfüllt die Anforderungen nur knapp. Dagmar führte mich abends nach einer kurzen Ruhepause in die nahe Kathedrale. Vor einem Marienaltar sahen wir Frau Hölzl kniend beten, das zeigte uns diese flotte Frau in einem ganz anderen Licht, sie hatte nicht den geringsten katholischen Eindruck auf mich gemacht. Als wir zwei Kerzen für unsere verstorbenen Lieben anzündeten und uns küssten, erhob sich Frau Hölzl und fragte, ob wir auch katholisch seien. Es rührte sie, als wir erklärten, wir täten das oft zum Andenken an unsere verstorbenen Partner, und der Kuss gehöre dazu.

Dagmar

„Haben Sie Lust, mit uns zum Abend zu essen?", fragte ich die Frau, weil sie mich immer stärker interessierte. Ich hatte mitbekommen, dass diese EU-Beamtin meinen Geliebten beeindruckte und wollte mich deutlich einbringen. Sie stimmte gerne zu und ich führte die beiden in ein nettes Restaurant in der Nähe. Während wir ein schmackhaftes Carpaccio mit Rotwein genossen, fragte unser Gast nach unserer Beziehung. In der Kirche habe sie gehört, dass wir beide schon von geliebten Menschen Abschied nehmen mussten, offenbar hätten wir jetzt einen neuen Anfang gefunden. Ich berichtete kurz von meiner langen Ehe in Weimar, dann folgte Fabian mit Angelica und leitete zum Computerclub über, wo wir uns gefunden und ineinander verliebt hatten.

„Ich hätte nie gedacht, dass man sich in Ihrem Alter noch verlieben kann", staunte Frau Hölzl, worauf wir beide lachend erwiderten, die Liebe in unserem Alter sei in allen Aspekten noch ebenso schön und intensiv wie in der Jugend. „Wirklich in allen Aspekten?", fragte sie zweifelnd, worauf ich offen antwortete: „Sie meinen, ob wir noch miteinander schlafen? Ja natürlich! Wir tun es häufig und können gar nicht wieder aufhören, denn es ist herrlich!"

Fabian

Das Boot des Versorgungsunternehmensfuhr aufs Meer hinaus und ankerte vor einer kleinen Insel. Über eine Leiter kamen wir ins Wasser, wobei ich Magdalenas schlanke Figur im Bikini bewunderte. Nach dem Schwimmen legten wir uns auf Matten auf dem Deck, wobei Magdalena ungeniert den BH abstreifte und Dagmar folgte, als sie meine bewundernden Blicke sah. Magdalena hatte hübsche kleine Brüste mit dunklen Warzenhöfen, doch Dagmars etwas größere standen ihr kaum nach. Langsam fuhr das Boot zum Hafen von Baska wo wir uns, wieder züchtig bekleidet, in ein Fischrestaurant direkt am Wasser führen ließen. Da ich die Kassenlage der Kroaten kenne, erbot ich mich, die Gesellschaft ein-zuladen und erntete einen dankbaren Blick. Es gab vorzüglich gegrillten Fisch mit leichtem Landwein und danach Mokka.

Als ich später mit Dagmar zusammen war, spielten meine Gedanken plötzlich verrückt, statt ihr fühlte ich Magdalenas kleine Brüste unter mir. Erst als ich vom Gipfel herab fiel, wurde mir klar, dass ich meine Geliebte mit einer anderen Frau betrogen hatte, zwar nur in Gedanken, aber auch das war schlimm genug. Ich musste dringend Abstand von dieser Frau gewinnen, durfte sie nicht mehr als interessante (verlockende) Frau sehen, sondern nur als einen - zufällig weiblichen - EU-Beamten.

Dagmar

Heute Abend hatte ich keine Lust, auf die Straße zu gehen und schlug stattdessen einen Besuch im Hotelpool vor, was Fabian gerne akzeptierte. Wir schwammen eine Weile, dann entdeckten wir die Sauna. Da niemand zu sehen war, gingen wir nackt hinein und fanden auf der obersten Bank Magdalena Hölzl nackt liegen. Fabian betrachtete Magdalenas Körper, ich fand ja auch, dass sie eine außerordentlich schöne Frau ist. „Hast du Lust, mit uns im Hotel zu essen?", fragte ich und Magdalena stimmte zu. „Du bist eine schöne Frau, ich beneide dich", konnte ich mich nicht zurückhalten, doch Magdalena antwortete traurig, das habe ihr bisher bei der Suche nach einem neuen Partner nichts genutzt. „Kann es sein, dass du gar nicht genau weißt, was du eigentlich suchst?", fragte mein kluger Gefährte. „Du könntest recht haben", war die verlegene Antwort. „Vielleicht muss ich mir wirklich erst mal darüber klar werden, was ich will. Vielen Dank für den guten Tipp." Als wir schlafen gingen, fragte ich Fabian lächelnd: „Mit der Schönheit, die du vorhin in der Sauna bewundert hast, kann ich nicht mehr dienen, ich hoffe, du bist noch mit mir zufrieden." „Das werde ich dir sofort beweisen", rief er und schon hatte ich seine Hände an meinem Körper.

Fabian

Das vierte Angebot hatte uns bei der Durchsicht die meisten Schwierigkeiten bereitet, weil es sehr unübersichtlich war. Im Gespräch versuchten wir, die beiden Vertreter zu klareren Angaben zu bewegen, doch wir hatten den Eindruck, dass sie sich selbst in ihrer Schrift nicht auskannten. Dagmar hatte zum Abend ein Bistro in der Nähe des Hotels ausgesucht. Wir hatten gerade bestellt, als einer der beiden Vertreter vor uns stand und bat, sich zu uns setzen zu dürfen und meinte, er würde uns gerne zu dem Menü einladen. Ohne meine Reaktion abzuwarten wandte er sich dann an Dagmar, ich sei ja wohl der entscheidende Prüfer der Angebote, ob wir beide an einem zweiwöchigen Urlaub in einem First-Class-Hotel auf Jamaika interessiert seien. Noch bevor Dagmar antworten konnte, stand ich auf und forderte den Mann in scharfem Ton auf, schnellstens zu verschwinden. „So ein verdammtes Pack!", schimpfte ich und das Essen schmeckte mir kaum noch.

Dagmar

Fabian hatte mit mir vereinbart, Magdalena zum Abschluss der Gespräche einzuladen, und sie war von dem eleganten Ambiente des Restaurant Vinodol beeindruckt. Nach einem Garnelensalat als Vorspeise bestellte Fabian das Kalbfleisch unter der Glocke, während wir Frauen das Filet Mignon in Gorgonzolasoße wählten. Dazu tranken wir eine Flasche Merlot aus Istrien. Der Nachtisch war ein knuspriges Küchlein mit Fruchtfüllung, danach gab es noch Mokka.

„Zum Dank für dieses fantastische Menü möchte ich euch zu einem Cognac einladen", sagte Magdalena bewegt und als wir damit anstießen, dankte sie Fabian für die ausgezeichnete Zusammenarbeit bei dem Projekt, die sie bisher selten so gut erlebt hätte. Als er antwortete, die Arbeit mit ihr habe ihm auch viel Freude gemacht, küsste sie ihn auf den Mund und mich auf die Wange, doch ich antwortete mit einem tiefen Zungenkuss. „Ich wollte doch mal wissen, wie Fabian deine Küsse schmecken", erklärte ich lächelnd und freute mich über ihre Verlegenheit. „Sie ist wirklich eine außergewöhnliche Frau", meinte ich, als wir uns im Zimmer auszogen. „Und jetzt vergiss sie und ihren Kuss bitte, denn ich möchte dich ganz für mich haben." Gern erfüllte er mir den Wunsch.

Fabian

Zu Beginn der Besprechung informierte Magdalena uns, dass ihr Chef den Anbieter 4 wegen der Bestechungsversuche aus dem Verfahren ausgeschlossen habe. Von den Nummern 2 und 5 lagen schriftliche Nachbesserungen sowohl der technischen Details als auch der Preise vor, die wir in die Tabellen einfügten. Einer näheren Prüfung bedurften nur die Angebote 2 und 5, die ja durch die Nachbesserungen ihr Interesse nachgewiesen hatten. Bis zum Abend prüften wir unsere Bewertung des Angebots 2 noch einmal genau und fanden bestätigt, dass es trotz des immer noch hohen Preises das Beste war. Mit den Worten „Lasst uns morgen die Nummer 5 ebenso exakt prüfen, dann können wir mit gutem Gewissen eine Empfehlung geben", schloss Magdalena die Sitzung.

„Wer ist der Adressat unseres Berichtes?", fragte ich Magdalena Mittwoch beim Frühstück. „Ganz klar die EU, denn sie hat die Studie in Auftrag gegeben, Als ihr Vertreter habe ich aber nichts dagegen, wenn die Firma hier unter Vorbehalt eine Kopie bekommt, damit sie sich schon auf die Arbeiten einstellen kann. Den Vorbehalt können wir erst aufheben, wenn der Auftrag bei der EU raus ist." In der Besprechungsrunde hatten sich alle mit meinem Entwurf für die Empfehlung beschäftigt, wir mussten nur noch die letzten Bewertungsdaten eintragen. Bis zum Mittag waren wir damit fertig und Magdalena und ich unterschrieben das Dokument. Nachdem es kopiert war, rief Magdalena den Chef an und übergab ihm feierlich eine Kopie. Das Original behielt sie und eine weitere Kopie bekam ich, ich solle bald meine Rechnung einreichen sagte sie. Der Chef überflog das Dokument und sagte erfreut, er hoffe, dass das eine gute Wahl für das Unternehmen sei. Zum Abend lud er uns alle in das Firmenkasino ein, ausdrücklich auch Dagmar. Da wir morgen früh fliegen mussten, packten wir so weit wie möglich unsere Sachen.

Dagmar

Das Festmenü begann mit Champagner und einer Rede des Chefs, in der er für die professionelle Arbeit dankte, die sein Unternehmen einen großen Schritt vorwärts bringen würde. Fabian antwortete, er habe perfekte Arbeitsbedingungen und gute Fachleute als Mitarbeiter zur Verfügung gestellt, nur dadurch sei solch gutes Ergebnis erreicht worden. Dann wandte er sich an Magdalena: „Deine hervorragende Koordination unserer Arbeit hat wesentlich zu dem Erfolg beigetragen, dafür möchte ich dir ganz besonders danken." Sie wurde rot und ich musste lächeln. Wir tafelten ausgiebig und zum Abschied drückte der Chef Fabian die Hand, während Magdalena ihm einen innigen Abschiedskuss gab, den die ganze Gesellschaft beklatschte.

2016-03-22-1458651003-22175-CoverHerbstvornklein.jpg

© Copyright 2015 Ernst-Günther Tietze, Hamburg, www.eg-tietze.de

Der Roman „Liebe im Herbst" beschreibt auf 208 Seiten die neu entstehende Liebe zwischen zwei Senioren. Er wird gedruckt bei epubli und kann im Internet und in jeder Buchhandlung bestellt werden:

Als Taschenbuch für 8,- Euro mit ISBN-Nr. 978-3-7375-9527-9

Als e-Book für 1,99 Euro mit ISBN-Nr. 978-3-7375-9205-5

Das vorliegende Kapitel 10 umfasst im Buch 20 Seiten. Weitere Ausschnitte aus den folgenden Kapiteln des Romans werden nacheinander an dieser Stelle vorgestellt.