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01/05/2015 05:11 CEST | Aktualisiert 01/05/2016 07:12 CEST

Eine Begegnung in der Türkei, Kapitel 6

Aus Kapitel 6 Thüringer Hof

Herzlich willkommen im Thüringer Hof", begrüßte Herr Glaser Kerim und schaute auf dessen Liste. „Das ist ja schon eine gute Arbeitsgrundlage", lobte er, „doch bevor Sie an die Einzelheiten gehen, will ich Ihnen Ihren Platz zeigen und Sie den Mitarbeitern vorstellen." Er ging mit Kerim durch das Haus, zeigte ihm alle Räume und stellte ihn den Mitarbeitern vor. Danach füllte Kerim seine Tabelle mit terminierten Einzeltätigkeiten. Er stellte ein Inserat zusammen, suchte die infrage kommenden Zeitungen aus der Umgebung heraus und erfragte die Kosten. Auch die Druckkosten für die Flyer ermittelte er. Herr Glaser, dem er die Ergebnisse vorlegte, war sehr angetan davon.

Mit Excel stellte Kerim eine Gewinn- und Verlustrechnung zusammen, in der er auf der Sollseite die bisher aufgelaufenen Kosten aufführte. Die Habenseite würde sich erst mit den Bezahlungen der Gäste füllen. Um sich schon mal über das Rechnernetz zu informieren, wollte er sich im Büro die Unterlagen geben lassen, doch er erfuhr, dass die Firma „Profi.net" das Netz aufgebaut habe und betreue.

Samstag waren im Wartburgsalon nur noch zwei Tische nicht reserviert. Kerim hatte das aus den vielen Reservierungen voraus gesehen und den anliegenden Festsaal vorbereiten lassen. Als die meisten ihre Plätze eingenommen hatten, erschien Herr Glaser und sprach ein paar Worte der Freude, wie gut die Idee angenommen würde, an den Wochenenden mittags zu öffnen. Dann versprach er den Gästen ein aufregendes Menü. Kerim hatte sich im Hintergrund gehalten und freute sich, als der Chef zu ihm kam und ihn für die ausgezeichnete Vorbereitung lobte.

Montag früh nahm Kerim sich die Unterlagen über das Rechnernetz vor und stellte fest, dass 6 der 10 Rechner noch mit Windows XP liefen und der DSL-Zugang zu langsam war. Da war es ihm recht, dass Herr Glaser ihn zu sich rief. „Ich möchte mich noch einmal für die gute Idee und die exzellente Vorbereitung der Wochenendaktion bedanken", sagte er gut gelaunt, doch Kerim wies ihn auf das unzureichende Rechnernetz hin.

Dienstag kam Herr Datow, der Chef von Profi.net zu ihnen. Er habe schon vor einem Vierteljahr schriftlich auf das Ende der Sicherheitswartung für Windows XP hingewiesen und die Teilerneuerung des Systems zusammen mit einem Kostenanschlag angeboten, keine Antwort bekommen, sagte er. Der Chef bat ihn um ein neues Angebot und Kerim, es unverzüglich zu prüfen. Nach einer Stunde war das Fax da und Kerim stellte fest, dass es mit seinen Vorstellungen übereinstimmte. Mittwoch früh akzeptierte Herr Glaser das Angebot und Kerim fuhr nach Suhl, um die Umstellung mit Profi.net abzustimmen.

Samstag hatte Kerim frei, aber er frühstückte mit Johanna. Um 10 Uhr standen zwei Kriminalbeamte vor der Tür. Gegen ihn liege ein internationaler Haftbefehl aus der Türkei vor, er werde der Anstiftung zum Mord des türkischen Politikers Kemal Jekül beschuldigt. Kerim wies darauf hin, dass der Politiker bei seiner Abreise vor 15 Tagen seines Wissens noch am Leben gewesen sei und er seitdem in Meiningen lebe. Worauf sich denn diese Anschuldigung gründe? Verlegen antworteten die Beamten, sie wollten ja von ihm Näheres wissen. Wie es denn jetzt weiter gehe, fragte er. Sie empfahlen ihm, einen Anwalt zu nehmen und er nannte Johannas Vater.

Alexander vom Stein war nach anderthalb Stunden bei Kerim und ließ sich ausführlich die Ereignisse in der Türkei berichten. Kerim nannte den Vorwurf, seiner Schwester einen illegalen Zugang zu Twitter vermittelt zu haben und berichtete den Vorwurf, die Karriere von Kemal Jekül zerstört zu haben. Er erwähnte den Überfall auf ihn, um vor der Scheidungsverhandlung Ayşes Adresse zu erfahren. Anscheinend handle es sich hier um eine Rache der AKP, die einen Schuldigen brauche. Alexander stellte einen Eilantrag auf Haftprüfung wegen fehlender Verdunklungs- und Fluchtgefahr.

Nach zwei Stunden ordnete das Oberlandesgericht in Jena Kerims Entlassung an und Alexander fuhr ihn nach Utendorf. Als Johanna nach Hause kam, wunderte sie sich, ihren Vater vorzufinden. Besorgt hörte sie, was Kerim erlebt hatte, doch Alexander beruhigte sie. Kerim war froh, dass die Verhaftung am Samstag erfolgt war. Während seiner Arbeit im Hotel hätte er wohl Probleme gehabt. Sonntag rief Kerims Vater an. Die Polizei habe einen Auftragskiller aus dem Umfeld der AKP verhaftet, der den Mord an Jekül zugab.

Montag schaute Kerim sich die Anwenderprogramme an und stellte fest, dass Buchhaltung und Personalverwaltung mit selbst gebastelten Tabellen ausgeführt wurden. Für Reservierung und Zimmerverwaltung gab es eine einfache Hotelsoftware ohne Verbindung zur Buchhaltung, während die Gästeliste ebenfalls von Hand geführt wurde. Zu Herrn Glaser sagte er: „Ich habe gesehen, dass wir noch sehr viel von Hand machen, was mit geeigneten Programmen einfacher und schneller geht." „Sie könnten Recht haben, dass wir unser System nicht professionell nutzen. Legen Sie mir geeignete Vorschläge mit Kostenaufwand vor", entschied dieser.

Dienstag fuhr Kerim nach Suhl und ließ sich geeignete Softwaremodule für das Hotel zeigen. „Ich habe von Ihrem Problem erfahren, ein geeignetes Gesamtpaket für Hotels zu finden", sagte Herr Datow. „Und da ich meine, dass Ihr Haus nicht das einzige ist, das so etwas braucht, biete Ihnen ich an, die notwendigen Schnittstellen zwischen den einzelnen Anwendungen zu programmieren. Da ich sicher bin, diese Lösung auch anderweitig verkaufen zu können, werde ich Ihrem Haus nur 15 % der Kosten dafür berechnen. Wir werden Ihnen umgehend ein Angebot zustellen." Bis zum Abend hatte Kerim mit den Programmierern eine brauchbare Sammlung von Programmen zusammengestellt, die Profi.net dem Hotel anbieten wollte. Für die Schnittstellen hatte die Firma zehn Wochen vorgesehen.

Mittwoch früh rief Herr Glaser Kerim schon wieder zu sich. „Wir leben bisher ziemlich planlos in den Tag hinein. Ich möchte Sie bitten, bis zum Jahresende einen ungefähren Plan für unser Haus aufzustellen, der uns zeigt, was wir erwarten können." Kerim ließ sich seine Überraschung nicht anmerken, das war eine Aufgabe nach seinem Geschmack: „Können Sie mir bitte ein Stück Papier geben?", bat er, „ich denke, die Planung sollte die folgenden Teilgebiete umfassen." Auf dem Blatt schrieb er nieder, was ihm spontan eingefallen war:

- Wahrscheinliche Auslastung des Hotels und der Restaurants,

- Eventuelle besondere Aktivitäten,

- Personalplanung,

- Finanzplanung,

- Eventuelle Änderungen am Gebäude und der Einrichtung,

- Beschaffungswesen für Lebensmittel, Getränke und Material.

„Das finde ich ganz toll, ich habe mich in Ihnen nicht getäuscht", lobte der Chef.

Freitag traf das Softwareangebot von Profi.net ein und Kerim legte es Herrn Glaser vor. Nachdem er ihn überzeugt hatte, dass er die angebotenen Programme sorgfältig geprüft hatte, stimmte Herr Glaser zu und unterschrieb den Auftrag. Kerim wollte Johannas letzten freien Tag wenigstens am Abend mit ihr verbringen und fuhr nach Hause.

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© Copyright 2015 Ernst-Günther Tietze Hamburg www.eg-tietze.de

Der Roman „Eine Begegnung in der Türkei" beschreibt auf 198 Seiten die Annäherung zwischen einer deutschen Ärztin und einem türkischen Hotelmanager. Er wird gedruckt bei epubli und kann im Internet und in jeder Buchhandlung bestellt werden:

Als Taschenbuch für 9,95 Euro mit ISBN-Nr. 978-3-7375-4229-6

Als e-Book für 3,99 Euro mit ISBN-Nr. 978-3-7375-4231-9

Das vorliegende Kapitel 6 umfasst im Buch 14 Seiten. Weitere Ausschnitte aus den folgenden Kapiteln des Romans werden nacheinander an dieser Stelle vorgestellt.


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