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19/08/2015 12:18 CEST | Aktualisiert 19/08/2016 07:12 CEST

Längere Sommerferien machen keinen Sinn

Thinkstock

Sind längere Sommerferien sinnvoll?

Was sich auf den ersten Blick verführerisch anhört, steht am Ende der Überlegungen doch nicht durch.

Um mit den banalen Gründen anzufangen:

Längere Sommerferien hätten natürlich positive Auswirkungen auf den Tourismus und könnten den Urlaub der Familien preiswerter machen. Eine längere Saison führt schließlich doch auch zu niedrigeren Preisen. Aber schon jetzt gibt es einen von der KMK vereinbarten Korridor für die Sommerferien, der knapp über 80 Tage liegt. Das ökonomische Argument sticht deshalb nur mäßig.

Klimawandel hin oder her: Die Sommer in Deutschland sind nun einmal noch lange nicht so lang und heiß, wie es in Südeuropa der Fall ist, weshalb dort Siesta, die andere Verteilung der Arbeitszeit über den Tag und eben die längeren Sommerferien für die Schulkinder ja auch ihren Sinn haben. Das klimatische Argument können wir deshalb bis auf weiteres noch gerne vernachlässigen.

Mehr als sechs Wochen Sommerferien machen vielleicht manche Kinder glücklicher, aber für viele berufstätige Eltern wird es sicherlich dann noch schwerer als es gegenwärtig schon ist, eine ausreichende Betreuung für ihre Kinder zu organisieren, die ansonsten von Kindertagesstätten, Horten oder Ganztagsschulen übernommen wird.

Und die Sommerferienprogramme der Jugendpflege, Sommercamps etc. verlieren bekanntlich auch ihren Reiz, wenn sie denn zum Dauerangebot werden, ganz unabhängig davon, dass sich hier die Frage nach Organisation und Finanzierung stellt. Aber dieses mag eher ein Nebenargument sein.

Was sind nun also die stärkeren Argumente?

Da muss am Anfang die Frage stehen: Was macht eigentlich für die Kinder und Jugendlichen den Kern der langen Sommerferien aus?

Wer nicht ganz ohne Erinnerung an die eigene Schulzeit ist, weiß sich noch an die große Freude über sechs Wochen, d.h. mehr als 40 Tage ohne Schule zu erinnern, ( Wow - wie ein Riesen-Losgewinn und das jedes Jahr wieder).

Mit freier Zeit für eigene selbstbestimmte Aktivitäten, für Faulenzen und große Unternehmungen, für Taschengeld-Arbeiten für besondere Wünsche und Zeit für verrückte neue Ideen, für Reisen mit der Jugendgruppe, Reisen mit den Eltern oder ganz allein. Mut braucht auch Zeit. Müssen es dafür aber mehr als sechs Wochen sein?

Wohl doch nicht! Sechs Wochen reichen aus, sind lang genug und nicht zu lang, schaffen Dichte an Erlebnissen und lassen nicht Langeweile aufkommen. Das sind gewiss starke Argumente.

Nur muss das Ganze nicht stärker schulpädagogisch betrachtet werden?

Sind die Schülerinnen und Schüler nicht zu sehr belastet, auch im Zeichen von G8 und G9, neuen Technologien und wachsenden Anforderungen an modernes Lernen und Arbeiten ausgesetzt? Brauchen sie nicht einfach mehr Zeit zur Regeneration?

Das ist aber doch an erster Stelle eine Frage an die grundsätzliche Gestaltung von Unterricht und Schulleben und nicht eine Frage der Ferienlänge. Dieses vermeintliche Argument läuft jedenfalls ins Leere, wenn wir den Problemen wirklich auf den Grund gehen.

Und es könnte geradezu zum Gegenteil führen, wenn vier Wochen mehr Sommerferienzeit oder insgesamt mehr Ferientage dazu führen, dass in den Schultagen selbst dann eine noch größere Verdichtung an Lehrstoff und Prüfungsarbeiten anfällt.

Finger weg also von der immer weiteren Ausdehnung der schulfreien Tage.

Und wie ist es, wenn die Frühjahrs- und die Herbstferien wegfallen oder gekürzt werden, damit die Sommerferien länger werden können? Für die Regeneration, aber auch die Kontinuität im Lernen und in der Schulgemeinschaft ist es sicherlich besser, die Ferien bzw. freien Tage verteilen sich über das Jahr, als dass es ausgeweitete Sommerferien gibt und dann nur stramme „Arbeitsmonate".

Was für den Wochenrhythmus gilt, mit in der Regel fünf Schultagen und dann dem freien Wochenende, gilt auch für den Jahresrhythmus. Vier Ferienzyklen mit Frühjahr, Herbst und Winter und dazwischen die Sommerferien als das große Ferienereignis, das genauso lang ist wie die drei übrigen Jahreszeitenferien zusammen, sind gut so.

Das macht Sinn und das kommt dem Anliegen und Interesse am Lernen und Leben der Kinder und Jugendlichen in all seiner Vielfalt und den eigenen Gestaltungs- und Erlebnismöglichkeiten auch am Nächsten. Das ist schließlich auch das stärkste Argument, weshalb ich zu dem Schluss komme: Wie es jetzt ist, ist es gut.


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