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21/09/2015 12:37 CEST | Aktualisiert 25/09/2017 04:32 CEST

Partnersuche und Beziehungen: Manche Bindungstypen suchen Nähe andere Distanz

Gerade die, die sich eine Beziehung am meisten wünschen, geraten immer wieder an die, die auf keinen Fall eine eingehen wollen. Dafür gibt es Gründe.

In der Beratung erlebe ich viele Singles, die nichts unversucht lassen, Liebe zu finden. Die jedoch immer wieder scheitern, weil sie ihr Herz jemandem schenken, der sich als unerreichbar herausstellt: verheiratet, vergeben, nicht bindungsfähig. „Beziehungsunfähig" ist ein hartes und meist voreilig gefälltes Urteil, denn wie wir Bindung erleben, das ist unterschiedlich und daher kompliziert.

Glauben wir der Bindungstheorie, dann sind Menschen evolutionär auf Bindung geprägt. Bindungsstile gibt es viele, grundsätzlich lassen sie sich in unsicher und sicher unterscheiden. Und dann gibt es Kombinationen und Varianten. Die drei häufigsten Bindungstypen sind:

Der ängstliche Beziehungstyp,

der viel Nähe braucht und sich immerzu sorgt, ob er genug geliebt wird und große Opfer auf sich nimmt, um geliebt zu werden.

Der vermeidende Beziehungstyp,

der Nähe als Angriff auf seine Individualität empfindet, darunter aber auch leidet und deshalb zweideutige Signale sendet.

Und der sichere Beziehungstyp,

der lange harmonische Partnerschaften führt, weil er Nähe zulassen und geben kann.

Auf die Bevölkerung verteilt (nicht auf die Geschlechter, denn vermutlich gibt es sogar mehr vermeidende Frauen als Männer, auch wenn das Klischee das umgekehrt behauptet!) sind nach Schätzungen gut 20 Prozent der Menschen eher ängstliche, weitere 25 Prozent eher vermeidende und über die Hälfte sichere Beziehungstypen. Der Rest sind seltenere Mischformen.

-Ein Problem: Vermeidende und ängstliche Typen treffen häufig aufeinander

Was geschieht, wenn „Was kann ich nur tun, damit ich nicht verlassen werde?" auf „Ich wusste, ich bin nicht für feste Partnerschaften gemacht" trifft?

Eine brisante Dynamik: der ängstliche Typ aktiviert alle seine Potentiale, um seinem Partner näher zu kommen und nahe zu bleiben. Daraufhin sieht der vermeidende Partner alle seine Ängste bewahrheitet und sucht Flucht und Rückzug.

Warum nun geraten diese Typen so oft aneinander - obwohl sie sich ja nicht wirklich gut tun?

  • Die sicheren Beziehungstypen leben in Beziehungen. Sie sind schlicht nicht verfügbar für Singles.
  • Vermeidende Beziehungstypen können sich nur kurzzeitig von anderen vermeidenden Typen angezogen fühlen - auf Dauer fehlt die Nähe, die Bindung möglich macht. Ängstliche Typen geben Nähe - allerdings zu viel.
  • Ängstliche Beziehungstypen suchen Sicherheit in einem Partner. Ein ebenfalls ängstlicher Typ kann ihnen die nicht vermitteln. Der selbstbewusste, vermeidende Typ allerdings schon.

Und was bedeuten diese Beziehungstypen für Ihre Partnersuche?

  • Finden Sie heraus, welches Bindungsverhalten Sie präferieren und sortieren Sie an deren Verhaltensweisen jene Partner frühzeitig aus, die Ihre Bedürfnisse nicht erfüllen können.
  • Achten Sie darauf, welche Verhaltensweisen Ihr Bindungssystem aktivieren. Machen Sie sich klar, dass Sie mehr Entscheidungsmöglichkeiten haben als Sie zunächst erkennen.
  • Wenn Sie „immer an die Falschen geraten" sind Sie vermutlich ein ängstlicher Beziehungstyp, der an vermeidende Typen gerät. Diese Konstellation ist sehr unglücklich und nur möglich, wenn Sie beide sich Verhaltensweisen von sicheren Typen aneignen können. Das wird aber harte Beziehungsarbeit. Ein sicherer Typ würde Ihnen Halt geben können.

Übrigens: Wenn Sie „auf den perfekten Partner warten"-Typ sind, sind Sie nicht unbedingt ein sicherer Beziehungstyp, der Pech hatte bisher, sondern vermutlich ein vermeidender Beziehungstyp: hin- und hergerissen zwischen dem Bedürfnis nach Bindung und Abhängigkeit - und der Ausrede, Sie wären beziehungsunfähig oder es wäre eben bisher nicht der Richtige gekommen, der „mich so nimmt, wie ich bin."

Wenn Sie ein sicherer Beziehungstyp und auf Partnersuche sind, dann fehlen Ihnen höchstens die Gelegenheiten, neue Menschen zu kennenlernen - obwohl Ihnen das eigentlich nie wirklich schwer fällt. Vielleicht suchen Sie an den falschen Orten?

Was bedeuten die Beziehungstypen für Ihre Partnerschaft?

Erkennen Sie den eigenen Beziehungstypen und den Ihres Partners und die Dynamik, die sich daraus ergibt und was Ihr Bindungssystem aktiviert. Ihr Ziel sollte sein, sich einerseits nicht zu verbiegen und dabei dennoch für sich und Ihren Partner einen möglichst sicheren Beziehungsstil zu finden. Denn der gibt Ihnen gegenseitig Halt und erfüllt Ihre Bedürfnisse.

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