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05/03/2018 18:26 CET

Zweibrücken: Wie die Stadt Hartz-IV-Empfänger unterbringt, ist unwürdig

Nicht einmal eine Dusche gibt es im Haus.

Tim Platt via Getty Images
Chaos und Dreck herrschen im Haus (Symbolbild).
  • In einer Wohngemeinschaft bringt die Stadt Zweibrücken Obdachlose und Hartz-IV-Empfänger unter 
  • Wohlfühlen könne die sich in dem Haus voller Dreck und Müll wohl kaum 

Schimmel, Lumpen, Dreck – mittendrin wohnen Menschen, für die es wohl jahrelang bergab ging. Sie empfangen Hartz IV oder haben auf der Straße gelebt. 

In Zweibrücken in Rheinland-Pfalz leben sie in einer Wohngemeinschaft – vermittelt von den städtischen Behörden. Das berichtet die Tageszeitung “Die Rheinpfalz”. 

Ein richtiges Zuhause ist das jedoch nicht. Chaos und Dreck herrschen im Haus, in dem laut Bericht der Tageszeitung momentan fünf Menschen leben.

Es gibt nicht einmal eine Dusche im Haus

William Charles Patterson ist einer von ihnen. “Der Rheinpfalz” erzählt er vom “menschenunwürdigen” Leben in der WG, in der er seit vier Monaten mit seiner Freundin lebt. 

Es gäbe nicht einmal eine Dusche im Haus. Außerdem sei Schimmel im Badezimmer, erzählt der Hartz-IV-Empfänger mit amerikanischen Wurzeln. Am schlimmsten sei für ihn jedoch, dass sich die Haustüre nicht abschließen lasse. 

Oft wollte er diesen Missstand bereits melden, jedoch sei der Zuständige vom Sozialamt nie zu erreichen. Nachts stelle er eine Leiter von innen vor die Tür, damit kein unerwünschter Besucher herein kommt.

Die Behörden zahlen sogar für die Bruchbude. 

Mehr zum Thema: Hartz-IV-Empfängerin klagt an: “Ich bin es leid, schikaniert zu werden”

Die Wände im Haus seien fleckig, verlassene Zimmer voller Müll, beschreibt die Tageszeitung die “Hilfseinrichtung”. Der Schriftzug “Feck Deine Motar“ soll in einem Zimmer auf die Wand gekritzelt sein. 

“Unterstes Niveau − traurig, aber so ist es“, sagt Patterson über seine Unterkunft. Man müsse gucken, wie man hier zum Leben kommt. 

Er sehnt sich nach einer Badewanne

Vom Kinderschutzbund holen sich er und seine Freundin regelmäßig Lebensmittel. Dort erstand er auch einige Küchengeräte. Die Stadt selbst hätte nämlich nur einen Holzofen bereit gestellt.

Hoffnung auf ein neues Leben an einem besseren Ort hat der Hartz-IV-Empfänger wohl. Im April habe er mit seiner Freundin Aussicht auf eine neue Wohnung. 

Er sehnt sich nach einem funktionstüchtigen Badezimmer: “Ein bisschen Country-Musik, eine Badewanne. Ich würde mich einweichen lassen“, sagt er der “Rheinpfalz”. 

Spinnweben und Vogelkot auf dem Fußboden

Das Leben in der Unterkunft klingt wie ein Albtraum. Trotzdem scheint das Haus in Zweibrücken nicht das einzige zu sein, in dem solche gravierenden Missstände herrschen. 

In Kulmbach klagt ein Hartz-IV-Empfänger jetzt gegen eine Obdachlosenunterkunft, die ihn krank gemacht haben soll.

Fehlende Hygiene, dreckige Böden, Spinnweben und Vogelkot auf dem Fußboden sollen der Auslöser gewesen sein. 

Mehr zum Thema: Wie Jobcenter-Mitarbeiter dafür sorgen, dass Menschen ihre Wohnung verlieren

In Rodenberg bei Hannover klagten Bewohner eines vom Jobcenter vermittelten Mietshauses kürzlich ebenfalls über Schimmel, Müll, und marode Fenster. Nicht einmal heißes Wasser gäbe es dort. 

Außerdem seien Elektroleitungen falsch verlegt worden. Das Jobcenter will jedoch für die gesundheitsschädlichen Zustände, unter denen die Hartz-IV-Empfänger dort lange leben mussten, keine Verantwortung übernehmen. 

(ks)