ELTERN
14/05/2018 12:46 CEST | Aktualisiert 14/05/2018 12:48 CEST

Vor dem Wickeln: Expertin rät, dass Eltern das Baby um Erlaubnis fragen

Das sei wichtig, um die Kinder später im Leben vor Missbrauch zu schützen.

Ridofranz via Getty Images
“Natürlich sagt ein Baby nicht ‘Ja Mama, das ist großartig. Ich liebe es, wenn du meine Windeln wechselst’", sagt Carson. 
  • Eine australische Sexualtherapeutin rät Eltern, ihre Kinder vor dem Windelwechseln zu fragen, ob das okay für sie sei. 
  • Mit dem kuriosen Vorstoß sorgt die Expertin für Wirbel. 

Wenn Eltern ihren neugeborenen Kindern eine Frage stellen, bekommen sie keine Antwort. Zumindest kein klares “Ja” oder “Nein”. 

Trotzdem behauptet Sexualexpertin Deanne Carson jetzt, dass Eltern ihre Babys um Erlaubnis fragen sollen, bevor sie sie wickeln. Sprich, die Kleinen sollen ihre Zustimmung geben. 

Dieses Vorgehen schlug Carson in einem Interview mit dem australischen TV-Sender ABC News vor.  

Eltern sollen ihre Kinder demnach explizit fragen: “Ich werde jetzt deine Windel wechseln, ist das in Ordnung?”

Natürlich gibt Carson zu, dass die Kinder wohl kaum verbal antworten werden. “Natürlich sagt ein Baby nicht ‘Ja Mama, das ist großartig. Ich liebe es, wenn du meine Windeln wechselst’.”

Antwort via Körpersprache

Eltern sollten dem Kind deshalb etwas Zeit und Raum lassen und auf Antworten durch Körpersprache warten. Wenn Eltern Augenkontakt herstellen würden, dann würden sie die Antwort des Kindes sehen und ihm damit zeigen, dass die Antwort auch etwas zählt, sagt Carson. 

Das Konzept der Zustimmung sollen Eltern schon früh etablieren, sagt die Expertin, die sich selbst als “Sexualerzieherin, Speakerin und Autorin” bezeichnet. 

Wenig überraschend: In den sozialen Netzwerken sorgte Carsons Vorstoß für viel Unverständnis. 

“Ich bin in meinem Leben noch nie so verwirrt gewesen”, schreibt eine Twitter-Nutzerin. “Es ist zu 100 Prozent wichtig, Kindern das Prinzip der Zustimmung beizubringen, aber komm schon. Du willst mich doch auf den Arm nehmen. Ein Kind ist darauf angewiesen, dass die Eltern sich um es kümmern und dazu gehört auch persönliche Hygiene. Besonders für Babys und Kleinkinder. Setz dich hin, Idiot.”

“Babys würden in ihrer eigenen Scheiße und ihrem eigenen Urin für mindestens zwei Jahre sitzen”, schreibt ein anderer User. “Das ist komplett irre. Und viele würden tatsächlich sterben. Und sie rechtfertigt das, in dem sie sagt, dass sie ‘Alt-right’-Männer deshalb attackieren.”

Zum Hintergrund: “Alt-right” bezeichnet alternative Rechte in den USA unter denen sich viele Trump-Wähler aber auch Neonazis befinden. 

“Kinderrechte sind überbewertet” 

Tatsächlich hat Carsons Aussage besonders im konservativen Lager viel Kritik hervorgerufen. 

Zum Beispiel bei der streng konservativen australischen Politikerin Kirallie Smith.  

“Es gibt keinen Weg, wie das Prinzip der Zustimmung mit dem Windelwechseln vereinbar ist”, sagt Smith in einem Video auf Facebook. 

Wenn wir Kinder fragen würden, würden sie niemals “Ja” sagen, sagt Smith. Das Ergebnis sei, dass wir die Windeln des Kindes trotzdem wechseln würden. so würde man den Kindern beibringen, dass ihre Meinung nicht zählen würde.

Kinder seien unreif und müssten deshalb bestimmte Dinge lernen, wie gesunde Ernährung oder dass sie im Auto einen Sicherheitsgurt tragen müssen. 

Zustimmung wichtig, um Kinder zu schützen

In unserer heutigen Gesellschaft würden Kinderrechte überbewertet. Sie sollen bekommen was sie wollen, wann sie es wollen, sagt Smith. “Für eine zivile Gesellschaft sind Grenzen und Verantwortlichkeiten sehr wichtig. Deshalb ist dieser Vorschlag total schwachsinnig.”

Das schlimmste allerdings sei, dass ABC-News für so eine Meinung auch noch Steuergelder verschwenden würde. 

Auch der australische Sky-Moderator Rowan Dean kritisierte Carsons Auftritt scharf und bezeichnete sie als “linke Wahnsinnige”. 

Carson nahm auf Facebook Stellung zu der Kritik.

Es sei nie zu früh, Kindern beizubringen, dass ihre eigene Meinung zähle. Denn das schütze sie vor sexuellem Missbrauch. Alle, die sie nun trollten, sollten sich daran erinnern, dass sie den “mutigen Überlebenden von sexuellem Missbrauch” die Stimme verweigern.  

(ben)