POLITIK
17/10/2018 18:50 CEST | Aktualisiert 18/10/2018 09:43 CEST

Bayerns Landtag ist in die 1990er zurückgefallen – was den Frauenanteil angeht

Auf den Punkt.

dpa
Abgeordnete im Plenarsaal des bayerischen Landtags.

Bayerns frisch gewähltes Parlament steht. Dass der bayerische Landtag so groß wie nie wird, stand zwar schon am Sonntag fest. Doch bis alle Abgeordneten den Einzug ins Parlament feiern konnten, hat es es eine Weile gedauert.

Denn nach dem bayerischen Wahlrecht wird die Zweitstimme in der Regel einzelnen Kandidaten gegeben und nicht wie in anderen Bundesländern oder bei der Bundestagswahl einer Parteiliste. Dazu kommt, dass es insgesamt sieben Wahllisten für die entsprechenden bayerischen Regierungsbezirke gibt – mitunter stehen dann 61 Namen bei einer Partei zur Auswahl, wie bei den Grünen in Oberbayern. Seit Dienstagabend stehen nun aber alle 205 Abgeordneten fest.

Wir haben uns die finale Aufstellung der Abgeordneten angeschaut, von A wie (Klaus) Adelt bis Z wie (Christian) Zwanziger. Alles was ihr über die Zusammensetzung des 18. Bayerischen Landtages wissen müsst – auf den Punkt gebracht:  

Der Frauenanteil im neuen Bayerischen Landtag:

Im Maximilianeum, dem Sitz des Landtags, sitzen künftig 150 Männer und nur 55 Frauen. Der Frauenanteil liegt also bei rund 26,8 Prozent und ist damit leicht zurückgegangen.

► Zum Vergleich: Zuletzt lag der Anteil selbst im konservativen Bayern in den 1990er Jahren und noch früher so niedrigAuch im bundesweiten Vergleich rangiert der Frauenanteil im bayerischen Parlament im unteren Drittel.

Der Frauenanteil bei den in den Landtag gewählten Parteien variiert zudem sehr stark:

► Die SPD wird genau zur Hälfte aus weiblichen Abgeordneten bestehen (11 von 22), die Grünen zu knapp 45 Prozent (17 von 38).

► Der Frauenanteil liegt bei den beiden Partien deshalb so hoch, weil sie ihre Listen paritätisch besetzen, sprich zur Hälfte mit Männern und zur Hälfte mit Frauen. Bei den Grünen wurde das System durchweg angewandt, bei der SPD zumindest am Anfang ihrer Listen. Das erklärt auch, warum der Frauenanteil der sozialdemokratischen Abgeordneten ungleich höher ist, als auf den Parteilisten. Denn trotz des ungewöhnlichen Wahlsystems in Bayern werden tendenziell eher die vorderen als die hinteren Listenkandidaten angekreuzt. 

► Besonders wenig Frauen werden für die AfD (2 von 22) und die FDP (1 von 11) im Landtag sitzen. Vor allem bei den Rechtspopulisten liegt das daran, dass sie extrem wenig Frauen überhaupt haben kandidieren lassen. In drei der sieben Wahlbezirke (Schwaben, Mittel- und Oberfranken) befand sich keine einzige Frau auf der AfD-Liste.

Die Altersstruktur im neuen Bayerischen Landtag:

Die fünf jüngsten Abgeordneten im neuen Bayerischen Landtag kommen alle von den Grünen. Drei der ältesten Parlamentarier kommen von den Freien Wählern, zwei von der FDP.

Das durchschnittliches Alter der Abgeordneten beträgt 50,9 Jahre, jünger werden nur die Fraktionen der Grünen (45,8 Jahre) und der AfD (49,0 Jahre) sein. 

Das Durchschnittsalter der CSU-Abgeordneten beträgt 51,1 Jahre, dass der FDO 52,2 Jahre, der SPD 54,2 Jahre und das der Freien Wähler gar 55,8 Jahre.

► Zum Vergleich: Das Durchschnittsalter des alten Landtages lag zuletzt bei über 54 Jahren. Das heißt, der Landtag hat sich zwar verjüngt, ist aber bereits jetzt zum Anfang älter als der 17. Landtag zu dessen Beginn.

Zwei neue Abgeordnete, die aber alt bekannt sind:

der_thomas via Getty Images
Das altehrwürdige Maximilianeum – der Sitz des Bayerischen Landtages.

Alexander Hold: Der TV-Richter ist über die Liste der Freien Wähler – jener Partei, die als wahrscheinlichster Koalitionspartner für die CSU gilt – in den Landtag eingezogen. Der 56-Jährige hatte am Sonntag mit 21,4 Prozent der Erststimmen den zweiten Platz in seinem Stimmkreis Kempten/Oberallgäu erzielt.

Hold ist als Sat.1-Fernsehrichter bundesweit bekanntgeworden. Politik ist für ihn aber kein Neuland: Hold arbeitet schon als Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Stadtrat von Kempten. Bei der Bundespräsidentenwahl 2017 war der Jurist Kandidat der Freien Wähler.

► Helmut Markwort: Der Gründer des Magazin “Focus” sitzt ab sofort für die FDP im Parlament. Im Wahlkreis München-Land-Süd holte er für die Liberalen 10,5 Prozent und landete damit bei den Erststimmen auf dem vierten Platz.

Markwort ist mit seinen 81 Jahren der älteste Abgeordnete und wird daher Alterspräsident. Damit darf er die erste Sitzung des frisch gewählten Parlaments leiten, bis ein Landtagspräsident gewählt ist. Für das Amt ist CSU-Politikerin Ilse Aigner (CSU) vorgeschlagen.  

Mit Material von dpa.