LIFESTYLE
14/06/2018 11:52 CEST

Frau im Zug zeigt, was ihr tun könnt, wenn ihr sexuelle Belästigung seht

Eingreifen solltet ihr unbedingt.

lechatnoir via Getty Images
Im Zug hörte die Frau, wie zwei Mädchen belästigt wurden. (Symbolbild)
  • Der Fall einer Frau in England zeigt, dass immer noch zu wenig Menschen eingreifen, wenn sie Zeuge sexueller Belästigung werden.
  • Mit diesen Tipps könnt ihr zukünftig helfen.

Letzte Woche schrieb die Londoner Literaturagentin Marilia Savvides über eine Situation auf dem Kurznachrichtendienst Twitter, die sie im Zug beobachtet hatte.

Etwa 30 Minuten, nachdem sie die Bahn aus Cambridge betreten hatte, hätten sich zwei junge Frauen in ihr fast leeres Abteil gesetzt. Kurz darauf sei ihnen ein Mann mittleren Alters gefolgt, der sich trotz der vielen freien Plätze zu ihnen gesetzt und ein Gespräch begonnen habe.

Savvides schrieb auf Twitter, sein Verhalten hätte bei ihr sofort die Alarmglocken schrillen lassen. Also habe sie sich näher zu den jungen Frauen gesetzt und ihrem Gespräch gelauscht.

► Ziemlich schnell sei ihr klar gewesen, dass die Frauen sich unwohl fühlten.

Also nahm sich Savvides ein Herz und sprach den Mann an. “Ich fragte ihn besonders freundlich, ob es nicht Zeit für die Mädchen sei, alleine abzuhängen und für ihn, weiterzugehen.”

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Der Mann ging auf sie los

Doch das habe dem Mann gar nicht gefallen, berichtete die Literaturagentin weiter. “Er ging so schnell auf mich los. Richtete sich in voller Größe auf und schnauzte mich einige Minuten an.”

Savvides sei die ganze Zeit besonders freundlich zu ihm gewesen, schrieb sie auf Twitter. Warum? Weil sie Angst gehabt habe, dass er gewalttätig werden könnte.

Schließlich sei er abgezogen, schrieb sie weiter. Vorher habe er es aber noch so hingestellt, als hätte er nichts Falsches getan und sie seinen Tag versaut. 

► Die zwei Mädchen hingegen waren der Londonerin extrem dankbar. Wie sie berichtete, hätten die beiden einen Ausweg aus der Situation gesucht, sich jedoch nicht zu helfen gewusst.

Das sei exemplarisch für das Verhalten von Frauen in solchen Situationen, erklärte Savvides. “Mädchen werden dazu erzogen, höflich zu sein und tun deshalb so, als sei alles normal, aus Selbstschutz und aus Angst.” 

Außer ihr Schritt niemand ein

Geärgert hatte sich die Londonerin aber darüber, dass sich außer ihr niemand aus dem Wagon zu Wort meldete. Auch andere Nutzer teilten unter ihrem Post, ihre Erfahrungen mit sexueller Belästigung, wie wenig andere Beobachter sich einbringen und, wie sie schließlich einschritten. 

Die Situationen zeigen, dass es für viele Opfer entscheidend ist, wenn andere Beobachter eingreifen. Jemanden zu haben, der an der Situation teil hat und einen unterstützt, kann den Betroffenen Kraft geben, sich zu wehren, zeigt ihnen, dass sie nicht alleine sind und vertreibt im besten Fall den Angreifer. 

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Doch wie verhält man sich am besten, wenn man Zeuge sexueller Belästigung wird? Sofort eingreifen – empfehlen Experten. Dr. Heike Schambortski, Leiterin im Präventionsdienst bei der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) empfahl in einem Interview mit dem Nachrichtenportal “Focus Online” die Dreischritt-Methode. 

Die Dreischritt-Methode

Schambortski empfiehlt den Opfern, genauso wie den Umstehenden, den Täter direkt anzusprechen und ihn auf sein Fehlverhalten aufmerksam zu machen. Dabei solle man immer bei sich bleiben und nicht versuchen, das Opfer zu bevormunden.

Beim Ansprechen solle man der Expertin nach so vorgehen:

       1. Aussprechen, was gerade passiert ist.

       2. Sagen, was Sie davon halten.

       3. Fordern, was das Gegenüber zukünftig tun oder lassen soll.

Im Falle von Marilia Savvides hätte das so ausgesehen: 

“Ich habe gesehen, dass sie die zwei Mädchen dazu drängen ihnen Details aus ihrem Leben zu verraten. Das finde ich nicht in Ordnung, denn ich sehe, dass sich die Mädchen unwohl fühlen. Bitte hören Sie in Zukunft auf, junge Frauen anzusprechen und zu bedrängen.”

Wenn man sich nicht in der Lage fühlt, den Täter direkt anzusprechen, hilft es, das Opfer zu fragen, ob es Unterstützung möchte. Also: “Ich habe gesehen, dass der Mann euch bedrängt. Ich persönlich finde das nicht richtig. Kann ich euch irgendwie helfen?”

Eine weitere Möglichkeit ist, sich nur auf das Opfer zu konzentrieren und es in ein Gespräch zu verwickeln. Man könnte das Opfer nach dem Weg fragen oder nach der Uhrzeit, um ins Gespräch zu kommen und von da einfache Alltagsthemen wie das Wetter, einen Film oder ein anderes unverfängliches Thema anzusprechen.

Wenn der Täter verschwunden ist, kann man das Gespräch beenden. Auch sollte man dem Opfer anbieten, sich als Zeuge zur Verfügung zu stellen, sollte die betroffene Person sich zu einer Anzeige entscheiden.  

(nc)