POLITIK
12/04/2018 06:36 CEST | Aktualisiert 12/04/2018 08:29 CEST

Zuckerberg vor dem US-Kongress: Die 5 erbärmlichsten Aussagen

Auf den Punkt gebracht.

Bloomberg via Getty Images

Zehn Stunden hat das Kreuzverhör gedauert, fast 100 US-Senatoren stellten Fragen, nun ist es zu Ende: Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat seine Anhörung vor dem US-Kongress zum Datenskandal seines Unternehmens überlebt.

Doch das Image des einstigen Wunderkinds und jungen Milliardärs ist nach der Befragung noch stärker angekratzt, als es zuvor ohnehin war.

Zwar ließen ihm die US-Senatoren oft Platz zum Ausweichen. 5 Sätze zeigen jedoch, wie schwach die Argumente von Zuckerberg – und wie groß die Probleme sind, vor denen der Facebook-Chef nun steht. 

Die zweitägige Anhörung des Facebook-Chefs – auf den Punkt gebracht.

Darum geht es bei dem Datenskandal:

► Auslöser des aktuellen Datenskandals ist die Enthüllung um den Entwickler einer Umfrage-App. Er soll vor mehr als vier Jahren Informationen von bis zu 87 Millionen Facebook-Nutzern unrechtmäßig an die Firma Cambridge Analytica weitergereicht haben. 

► Cambridge Analytica hatte später unter anderem für das Wahlkampfteam von US-Präsident Donald Trump gearbeitet.

► Der Handelsausschuss des US-Kongresses wollte mit der Befragung herausfinden, welche Schuld Facebook bei der Weitergabe der Daten zukommt und welche Rolle das Unternehmen bei der Einflussnahme Russlands auf die US-Wahl über Facebook-Anzeigen spielte.

► Zentrale Fragen waren auch: Welche Maßnahmen wird Facebook nun gegen den Missbrauch von Nutzerdaten ergreifen? Und wie geht Facebook überhaupt mit Nutzerdaten um?

Diese Sätze von Zuckerberg werden in Erinnerung bleiben:

► 1. “Ich habe Fehler gemacht.”

Gleich zu Beginn am ersten Anhörungstag entschuldige Zuckerberg sich mehrfach für den Datenskandal und übernahm die Verantwortung. Auch am zweiten Tag sprach er von einem “großen Fehler”, nicht einen “ausreichend breiten Blick” auf die Verantwortung von Facebook gehabt zu haben.  

An einem Punkt am zweiten Tag der Anhörung hatte eine Senatorin allerdings genug von Zuckerbergs fortwährenden Entschuldigungen. Sie wolle endlich Taten sehen, polterte sie.

Unklar aber blieb, was Zuckerberg bereit ist, am Geschäftsmodell und am Umgang Facebooks mit Daten zu ändern.

► 2. “Das weiß ich nicht. Lassen Sie mein Team das nachliefern.”

Auf viele Fragen der Senatoren hatte Zuckerberg die immer selbe Antwort parat: Er wisse es nicht genau, sein Team werde den Senatoren die Antwort im Nachhinein zukommen lassen. 

Es war die Standardantwort vielen wichtigen Fragen. Wie viele Fake-Accounts hat Facebook mittlerweile gelöscht? Halfen Mitarbeiter von Facebook Cambridge Analytica während des US-Wahlkampfes? Wie lange Facebook speichert Nutzerdaten, nachdem der Nutzer seinen Account gelöscht hat?

Das US-Portal “Wired” hat 43 Fragen gesammelt, bei deinen Zuckerberg versprach, die Antwort nachzuliefern.

Deutlich wurde dadurch zweierlei:

Zum einen: Zuckerberg rettete sich bei kritischen Fragen oft mit dem Verweis, er wisse es nicht genau.

Zum anderen: Der 33-Jährige ist nicht der allwissende Gründer, als den ihn sein Team in der Vergangenheit gern präsentierte. Facebook ist zu groß und sein Geschäft zu komplex, als dass Zuckerberg über alle Belange Bescheid wissen kann.

► 3. “Das ist eine komplexe Angelegenheit, die mehr als eine Ein-Wort-Antwort verlangt.”

Der demokratische Senator Frank Pallone wollte am zweiten Anhörungstag von Zuckerberg wissen, ob das Unternehmen die Standard-Einstellung aller Facebook-Nutzer ändern werde, damit persönliche Daten nur in minimalem Ausmaß gesammelt werden würden. “Ja oder nein”, wollte er wissen. 

Aber Zuckerberg sagte, die Frage könne nicht mit einem Wort beantwortet werden. Eine Änderung der Standard-Einstellung würde Nutzer vor Missbrauch ihrer Daten schützen, allerdings basiert das Geschäftsmodell von Facebook darauf, möglichst umfangreich Daten zu sammeln. 

Pallone nannte Zuckerbergs Nicht-Antwort “enttäuschend”.

► 4. “Ich glaube, es ist unvermeidlich, dass es einige Vorschriften geben wird.”

Am Mittwoch wurde Zuckerberg erneut gefragt, welche Regulierungen die Internet-Branche brauche. Der Facebook-CEO sprach von der Notwendigkeit für neue Vorschriften zum Datenschutz. Welche das genau sein sollen, führte er nicht aus.

Am Dienstag hatte er noch vielsagend von den “richtigen Vorschriften” gesprochen.

Die Datenschutzrichtlinien in Europa nannte er “an sich eine gute Idee”. Sollte Facebook bei der Weitergabe von Nutzerdaten auf ein Opt-In statt eines Opt-Outs (wie bisher) setzen? “Das kann man diskutieren”, sagte er.

Beim Opt-In müssten Nutzer aktiv der Weitergabe von Informationen zustimmen. Derzeit werden die Informationen von Facebook standardmäßig genutzt, weil die Betroffenen beim Opt-Out aktiv widersprechen müssen.

Zuckerberg drückte sich um konkrete Antworten bei entscheidenen Fragen, wie Facebook die Daten seiner Nutzer künftig besser schützen wolle.

► 5. “Jedes Stück Inhalt, dass du auf Facebook teilst, gehört dir, und du kontrollierst komplett, wer es sieht.”

Am zweiten Anhörungstag ging es vor allem darum, welche Daten Nutzer von sich auf Facebook wissentlich und unwissentlich weitergeben – und was das Unternehmen damit macht.

Zuckerberg betonte immer wieder, den Nutzern würden ihre “Inhalte” gehören. Doch das ist nicht die ganze Wahrheit. Denn Facebook erstellt aus den Daten Profile für Werbung, über die die Nutzer keine Kontrolle haben. 

Mehrfach verneinte Zuckerberg die Frage von Senatoren, ob Facebook die Daten von Nutzern an Dritte für Werbung weiterverkaufe. Doch auch hier ist die Antwort nicht so einfach: Denn Facebook gibt Werbekunde indirekt Zugriff auf den Newsfeed der Nutzer – und damit auf die Daten.

Hinzu kommt: Facebook kann den Browserverlauf von Nutzern nachverfolgen, auch wenn die Nutzer ausgeloggt sind. Eine Frage dazu beantwortete Zuckerberg am Mittwoch nur widerwillig nach einer Minute voller Ausflüchte. Zum “Inhalt”, den Nutzer teilen und kontrollieren können, gehören diese Daten jedoch nicht.

Auf den Punkt gebracht:

Mit Spannung hatte die Öffentlichkeit die Anhörung des Facebook-Chefs vor dem US-Kongress erwartet. In über zehn Stunden zeigte sich: Zuckerberg konnte kritische Fragen von US-Senatoren oft umgehen.

Zum Teil waren es schwache Fragen, die das Unwissen der Politiker zum Ausdruck brachten. Oft aber lieferte Zuckerberg auch schwache Antworten.

(lp)