WIRTSCHAFT
10/06/2018 21:20 CEST

Zu viel Sicherheit macht unsicher: Schweizer stimmen gegen Vollgeld

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Arnd Wiegmann / Reuters
Ein Vollgeld-Aktivist mit Plakat

Die Schweizer haben am Sonntag dagegen gestimmt, sogenanntes Vollgeld einzuführen. Nach den Hochrechnungen des Forschungsinstituts gfs.bern votierten 76 Prozent mit Nein.

Die Analysten gehen davon aus, dass die Idee an sich zwar schon Befürworter in der Bevölkerung hat, dass sie aber letztlich als zu exotisch gilt. Und dass die Schweizer das Thema nicht für so drängend halten, dass sie ihr Wirtschaftssystem ändern wollen.

Was die Vollgeld-Initiative eigentlich ist: 

Der Zweck der Vollgeld-Initiative war, die Spareinlagen der Bankkunden sicherer zu machen.

Dazu muss man wissen: Nur ein kleiner Teil des Geldes, in der Eurozone etwa zehn Prozent, ist tatsächlich in Form von Scheinen und Münzen im Umlauf, 90 Prozent existieren nur virtuell, als Zahlen auf Konten.

So kann ein Bankkunde etwa einen Kredit bekommen, ohne dass die Bank ihm einen Koffer voll Geld vorbeibringt. Das System funktioniert, solange nicht alle zur Bank gehen und ihr Geld ausgezahlt haben wollen. 

► Müsste es für jedes Guthaben auf dem Konto im Tresorraum der Bank den Gegenwert in Scheinen geben, könnte eine Bank nicht pleitegehen, wenn in einer Panik auf einmal alle Kunden ihr Geld abheben wollen.

► Und auch Spekulationsgeschäfte der Banken, sagen Experten, würden in so einem System unwahrscheinlicher.

► Allerdings würde in so einem System die Zentralbank, eine staatliche Einrichtung, mächtiger, weil nur sie Geld drucken kann.

So ein System gibt es in keinem Land der Welt. 

Wie man das Ergebnis noch sehen kann: 

Die Vollgeld-Aktivisten wollten ein sichereres Bankensystem. Aber eine Umstellung auf ein weltweit einmaliges Konzept war den Menschen im Land der Banken wohl einfach zu unsicher.