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13/03/2018 20:18 CET | Aktualisiert 13/03/2018 20:18 CET

Zu viel Diesel in meiner Stadt?

Nikita Kachanovsky
Alte Autos noch in Mode?

Stickstoffdioxid ist ein giftiges Gas und sollte keine Rolle in unserem alltäglichen Leben spielen. Doch in vielen deutschen Städten sieht dies jedoch gänzlich anders aus. Hierzulande überschreitet der gemessene Stickstoffdioxid-Anteil in der Luft den Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter nur allzu oft – auch bei mir in Berlin. Und das bleibt nicht ohne Folgen, wie das Umweltbundesamt aktuell verlauten lässt. Dafür sind vor allem alte Diesel-Fahrzeuge verantwortlich. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entschied nun, dass Diesel-Fahrverbote in deutschen Städten nach geltendem Recht zulässig sind. Dadurch geht Deutschland einen wichtigen Schritt in eine umweltfreundliche Zukunft. Doch in welcher deutschen Stadt gibt es eigentlich die meisten dieser Dreckschleudern? Ich habe eine Analyse des Autoteile-Onlinehändlers Scheibenwischer.com gefunden, die diese Frage beantwortet.

Berlin: arm, aber sauber?

Insgesamt gibt es laut der Analyse in meiner Heimatstadt Berlin mit rund 309.000 zugelassenen Diesel-PKW zwar am meisten Umweltsünder, doch im Verhältnis zu der Gesamtzahl zugelassener Fahrzeuge (1.195.149) machen die Umweltsünder nur einen Anteil von knapp unter 26 Prozent aus. Über mögliche Fahrverbote sollten sich die Besitzer allerdings nicht wundern, sauber ist die Luft trotzdem nicht!

Dunkle Zahlen in Westdeutschland

Das es auch anders geht, zeigen uns Düsseldorf und Stuttgart: In beiden Städten gibt es rund 100.000 zugelassene Diesel-Fahrzeuge. Der Anteil der Diesel-Fahrzeuge entspricht somit jeweils fast 40 Prozent aller zugelassenen PKWs – die Umwelt sagt danke! Noch höhere Anteile an Diesel-Fahrzeugen gibt es lediglich in München (42 Prozent), Bonn (43 Prozent) und Frankfurt am Main (43 Prozent). In all diesen Städten wird auch der Stickstoffdioxid-Grenzwert überschritten – Zufall? Unwahrscheinlich.

Saubere Sachsen

Besonders wenig Diesel-Fahrzeuge sind in Leipzig gemeldet. In der sächsischen Messestadt machen diese ähnlich wie in Berlin nur einen Anteil von knapp einem Viertel an der Gesamtzahl zugelassener PKW aus. Das ist der niedrigste Wert der Untersuchung. Anders als in Berlin müssen sich die Leipziger Dieselfahrer aber keine Sorgen um ein drohendes Fahrverbot machen. Der vom Umweltbundesamt veröffentlichte NO2-Wert in Leipzig überschreitet den Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter nicht. Für sie wird es jedoch problematisch, wenn sie in eine fremde Innenstadt mit Fahrverbot fahren wollen. Mittelfristig sollten also auch die Leipziger Diesel-Freunde auf eine umweltfreundliche Alternative setzen.

Hamburg: Erste Stadt mit geplantem Fahrverbot

In Hamburg ist ein Diesel-Fahrverbot bereits für Ende April im Gespräch. Diese Pläne bestätigte jüngst der Hamburger Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne). Im Ranking der Webseite belegt die Hansestadt mit einem Diesel-PKW-Anteil von 35 Prozent immerhin nur den achten Platz.

Die Zeit ist jedoch reif! Gedanklich sollten wir uns nun endlich von unseren Altlasten verabschieden und uns der Zukunft zuwenden. Auch wenn das dem ein oder anderen Manager offensichtlich unruhige Nächte bereiten mag. Ein bundesweites Diesel-Fahrverbot wäre ein Schritt in die richtige Richtung!