LIFE
26/10/2018 20:38 CEST | Aktualisiert 27/10/2018 04:44 CEST

Zeitumstellung: Ist die Sommer- oder Winterzeit besser für uns?

Im Winter wäre es erst um 10 Uhr morgens hell.

Am Sonntag wird die Uhr wieder eine Stunde zurückgestellt – vielleicht zum letzten Mal. Doch was kommt danach? Die ewige Sommer- oder Winterzeit? Ganz Deutschland streitet darüber, was besser ist.

Wenn es nach den Bürgern geht, ist die Sache klar. Im Sommer ließ die EU alle EU-Bürger im Internet abstimmen. Eine klare Mehrheit von 80 Prozent ist für die ewige Sommerzeit.

Doch was bringt der ewige Sommer wirklich mit sich?

Welche Zeiteinstellung ist besser für unseren Schlaf? 

► Fast alle Menschen in westlichen Gesellschaften schlafen zu wenig. Forscher sprechen vom Phänomen des sozialen Jetlags.

Das heißt, unser Körper lebt in einer anderen Zeitzone, als gesellschaftliche Pflichten uns vorgeben. Wir gehen alle später schlafen als unsere Vorfahren und wachen früher auf, weil unser Wecker klingelt. Durch die Sommerzeit verschlimmert sich dieses Schlafdefizit um eine weitere Stunde.

► Die Folge: Wir werden schneller krank. Studien von Krankenkassen belegen, dass zu Beginn der Sommerzeit 30 Prozent mehr Verkehrsunfälle passieren und 25 Prozent mehr Menschen Herzinfarkte bekommen. Die Kosten, die sich aus diesem Leben gegen die innere Uhr ergeben, werden auf fast 60 Milliarden Euro jährlich geschätzt.

Geringerer Stromverbrauch durch Sommerzeit? 

► Bereits im Ersten Weltkrieg gab es die Sommerzeit, um mit dem Tageslicht in der Rüstungsindustrie effektiver arbeiten zu können. 1980 setzten Politiker die Sommerzeit erneut fest, diesmal um nach der Ölkrise der 70er Jahre Energie zu sparen. Die Idee dahinter: Wir verkürzen die dunkle Zeit, damit die Leute nicht mehr so viel elektrisches Licht benötigen.

► Der erhoffte Energiespareffekt für Unternehmen und Haushalte ist jedoch nicht belegt. Tatsächlich sind die Einsparungen winzig.

Laut einer Studie des Bundestags von 2016 spart Deutschland gerade mal 0,2 Prozent Strom durch die Sommerzeit. Denn elektrisches Licht hat heute einen geringen Anteil an unserem Stromverbrauch.

Dafür nutzen wir andere Stromschlucker wie Klimaanlagen im Sommer sogar stärker. Hinzu kommt, dass im Frühling und Herbst viel öfter und stärker die Heizung aufgedreht wird. 

Wie wirkt sich die Sommerzeit auf unseren Biorhythmus aus?

► Der Schlafforscher Clemens Heiser von der TU München ist sich sicher, dass mehr Licht unseren Biorhythmus durcheinander bringt. Er sagt in der ProSieben-Sendung “Galileo”:

“Licht spielt hier eine zentrale Rolle. Licht reguliert unseren Melatoninhaushalt. Melatonin ist ein klassisches Schlafhormon, dass darüber entscheidet, ob wir Morgens wach werden (wach sind)  oder ob wir Abends müde werden und zu Bett gehen.”

Und das könnte bei der ewigen Sommerzeit zu einem Problem werden. Denn im Winter wird es lange nicht hell. In Norddeutschland würde die Sonne erst um circa 9:45 Uhr aufgehen – richtig hell wäre es erst um 10 Uhr Morgens.

2011 beschloss Russland die ewige Sommerzeit. Die Folge: In manchen Regionen waren Menschen ihrer natürlichen Zeit zwei Stunden voraus. Die Dunkelheit am Vormittag macht depressiv und müde. Die Kehrtwende kam 2014, Präsident Wladimir Putin drehte die Uhr wieder eine Stunde zurück. Seitdem gilt in ganz Russland ganzjährig die Winterzeit.

Welche Zeit bei uns zukünftig gelten wird, versucht die EU einheitlich zu regeln, denn niemand möchte, dass Europa zum Zeitzonen-Flickenteppich wird.

Voraussichtlich wissen wir im März 2019, nach wie unsere Uhren im Sommer und im Winter ticken werden.

(ll)