ELTERN
24/05/2018 18:40 CEST | Aktualisiert 25/05/2018 07:54 CEST

Kreidezähne: Ärzte warnen vor neuer Volkskrankheit bei Kindern

Zahnärzte sind besorgt, weil die Zähne bereits kaputt sind, wenn sie wachsen.

  • Eine neue Krankheit, die in erster Linie Kinderzähne befällt, ist in Deutschland auf dem Vormarsch.
  • Das große Problem: Die Zähne wachsen bereits schadhaft – und sind dadurch extrem anfällig für Karies.
  • Im Video oben: Dieser Fehler beim Zähneputzen kann so richtig gefährlich werden!

So gut wie jedes deutsche Kind kennt sie: Karius und Baktus. Die beiden Protagonisten aus dem norwegische Film von 1954 sollten Kindern zeigen, wie wichtig es ist, die Zähne auch immer ordentlich zu putzen. Denn sonst droht: ganz genau, Karies. 

Doch wie es aussieht, ist der Film bald überholt. Denn eine neue Volkskrankheit macht sich in Kindermündern breit: die sogenannte Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation, kurz MIH.

In manchen Altersgruppen bei Kindern und Jugendlichen sei sie sogar schon weiter verbreitet als Karies, heißt es von der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnmedizin (DGKiZ). Für die Ärzte lässt sich von einer neuen Volkskrankheit sprechen.

“Rasante Entwicklung” von Kreidezähnen

Bei MIH handelt es sich um eine strukturelle Veränderung der Zähne, bei der sich der Zahnschmelz nicht richtig ausgebildet hat. Die Veränderung ist auf eine Mineralisationsstörung zurückzuführen, heißt es in einer Pressemitteilung, in der die Deutsche Gesellschaft für Zahn- Mund- und Kiefernheilkunde (DGZMK) vor der Krankheit warnt.

Die sogenannten Kreidezähne sind äußerst schmerzempfindlich, sind sehr sensibel bei Hitze, Kälte und auch beim Zähneputzen.

Das große Problem: Die Krankheit entsteht nicht etwa durch schlechte Mundhygiene. Nein, die Zähne wachsen bereits schadhaft. In manchen Fällen sogar so sehr, dass sie beim Durchdringen der Mundhöhle abbrechen. 

Die Ärzte sprechen von einer “rasanten Entwicklung” der Krankheit. 1987 sei sie erstmal wissenschaftlich beschrieben worden. Mittlerweile leiden im Durchschnitt 10 bis 15 Prozent der Kinder an MIH, bei den Zwölfjährigen liege die Quote sogar bei über 30 Prozent.

Ist der Weichmacher schuld?

Worin die präzisen Ursachen der Krankheit liegen ist wissenschaftlich nicht abschließend geklärt. Doch es gibt einen Hauptverdächtigen: Bisphenol A. Dabei handelt es sich um einen Weichmacher aus Kunststoffen, der mit der Nahrung aufgenommen wird.

In Tierversuchen ließ sich ein Zusammenhang zwischen dem Weichmacher und Kreidezähnen bereits nachweisen. 

Doch Bisphenol A ist nicht die einzige mögliche Ursache für MIH. Die Ärzte nennen auch Probleme während der Schwangerschaft, Infektionskrankheiten, Antibiotikagaben, Windpocken, Einflüsse durch Dioxine sowie Erkrankungen der oberen Luftwege als Gründe für die porösen Zähne.

Da die Zähne so schmerzempfindlich sind, erschwert das natürlich die Zahnhygiene. Außerdem neigen die Kreidezähne aufgrund ihrer Substanz und schlechten Qualität vermehrt zu Karies. Die Zähne müssten vom Zahnarzt mit speziellen Techniken aufgebaut werden. Nur so könne ein übermäßiger Kariesbefall verhindert werden.

Karius und Baktus dürfen also noch weiterhin über die Fernseher der Schulen flimmern.

(tb)