POLITIK
19/04/2018 11:21 CEST

Youtuber gibt Obdachlosem Kekse mit Zahnpasta: Ihm drohen 2 Jahre Haft

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Youtuber Geldgier vor.

Reset
Screenshot aus dem Video des Youtubers Reset.
  • Ein Youtuber hat in Spanien einem Obdachlosen präparierte Kekse gegeben
  • Jetzt steht er deswegen vor Gericht

Ein bekannter Youtuber aus Spanien hat einen Obdachlosen gedemütigt und das Video davon veröffentlicht. Nun drohen ihm dafür bis zu zwei Jahre Haft. Das berichtet die spanische Zeitung “El Pais”.

Der 20-jährige Kanghua Ren, der sich Reset nennt und mehr als 1,2 Millionen Follower auf der Video-Plattform hat, kratzte die Füllung aus Oreo-Keksen, ersetzte die Creme durch Zahnpasta, setzte die Hälften wieder zusammen und legte sie zurück in die Oreo-Packung. 

Auf einer Straße in Barcelona unterhielt sich Kanghua kurz höflich mit dem obdachlosen Gheorge L., laut “El Pais” einem 52-jährigen ehemaligen Pastor aus Rumänien, schenkte ihm einen 20-Euro-Schein und gab ihm die präparierten Oreos.

Gheorghe L. bedankte sich noch höflich für die Gaben.

Und musste sich, so sagte er später, bereits fünf Minuten nach dem Essen übergeben.

Justiz fordert Haft und Schadenersatz

Das ist in einem Video zu sehen, das Kanghua der Zeitung zufolge im Januar 2017 veröffentlichte. Es ist inzwischen gelöscht, kursiert aber noch im Netz.

Die Staatsanwaltschaft fordert der Zeitung zufolge nun zwei Jahr Haft für den Youtuber sowie einen Schadenersatz in Höhe von 30.000 Euro.

► Falls das Gericht dieser Forderung nachkommen würde, wäre es dennoch unwahrscheinlich, dass Kanghua ins Gefängnis muss: In Spanien werden Haftstrafen bis zu zwei Jahren im Regelfall auf Bewährung ausgesetzt. 

Kanghua soll allein mit der Werbung, die in seinem Video des Obdachlosen ausgespielt wurde, 2180 Euro verdient haben.

Kanghua soll auch noch zynisch gesagt haben, das werde dem Mann beim Zähneputzen helfen. Das habe er wohl nicht mehr getan, seit er in die Armut abrutschte.

Youtuber spielt den Fall herunter

Weil sich schon einen Tag nach der Veröffentlichung des Videos abgezeichnet habe, dass es einen Skandal geben würde, soll Kanghua bei L. vorbeigeschaut haben.

In einem weiteren Video habe er laut “El Pais” gesagt, die Leute hätten seinen Streich sicher nicht schlimm gefunden, wenn er diesen nicht einem Obdachlosen gespielt hätte.

Weil die öffentliche Empörung immer weiter wuchs und sich dem Bericht nach auch die Stadt einschaltete, wollte Kanghua eine Nacht bei L. draußen schlafen. Ein Zeuge rief die Polizei, die verhinderte, dass L., der keine Ahnung hatte, wer Kanghua ist, in einem neuen Video bloßgestellt wurde.

Khangua soll noch versucht haben, die Sache mit einer Zahlung on 300 Euro aus der Welt zu schaffen. 

So billig wird er allerdings nicht davonkommen. “El Pais” berichtet, dass die Staatsanwaltschaft dem jungen Mann vorwirft, den Mann aus Geldgier vorgeführt zu haben. Und auch die Entschuldigungsversuche nehme man ihm nicht ab.

(jg)