POLITIK
05/08/2018 18:26 CEST | Aktualisiert 05/08/2018 20:53 CEST

Donald Trumps zweites Gesicht: Wie verängstigt der Präsident wirklich ist

Trump will in der Russland-Affäre Stärke demonstrieren. Ein Tweet und zwei Medienberichte zeigen: es gelingt nicht.

AFP Contributor via Getty Images
Im emotionalen Zwiespalt: Donald Trump soll sich große Sorgen wegen der Ermittlungen von Sonderermittler Robert Mueller machen.

Donald Trumps Sonntag beginnt mit einem gewaltigen Fehler. Genau genommen: mit einem fatalen Tweet. 

Es geht – wie in diesen Tagen fast ausschließlich bei Trump – um die Untersuchung des Sonderermittlers Robert Mueller in der Russland-Affäre

Trump twittert über das berüchtigte Trump-Tower-Meeting – ein Treffen kurz vor der Wahl im Jahr 2016, das der Sohn des US-Präsidenten Donald Trump Jr., Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und Trumps Ex-Wahlkampfmanager Paul Manafort mit Kreml-Vertretern hatten.

Es ist ein Treffen, in dem es laut russischer Seite und mehreren Insiderberichten darum ging, schmutzige Informationen über die Demokratin Hillary Clinton an das Trump-Team weiterzugeben.

Trump beteuert, von dem Treffen nichts gewusst zu haben. Und er behauptete zusätzlich: Bei dem Treffen ging es ohnehin nicht um Clinton. 

Bis jetzt. 

Trump verplappert sich – und riskiert drastische Konsequenzen

Denn was Trump twittert, ist ein Geständnis. 

“Die Fake News schreiben, eine komplette Erfindung, dass ich besorgt um meinen wunderbaren Sohn, Donald, wegen dessen Treffen im Trump Tower sei”, schreibt Trump. 

Dann kommt der brisante Part: “Das Meeting fand statt, um an Informationen über eine Konkurrentin zu kommen. Das war total legal und wird in der Politik immer gemacht. Das Treffen führte zu nichts. Ich wusste nicht davon!”

Trump gibt also offen zu, dass sein Sohn, sein Schwiegersohn und sein Wahlkampfmanager sich mit Kreml-Vertretern trafen, um geheime Absprachen gegen Hillary Clinton mit diesen zu treffen.  

Es ist eine entlarvende Aussage, die Trumps Sohn wegen Falschaussagen und Verstoß gegen das Wahlkampfgesetz der USA vor Gericht bringen könnte.

Trump selbst schützt nur noch der Umstand, dass er behauptet, er habe von dem Treffen nichts gewusst – eine Behauptung, die nicht nur von Trumps Ex-Anwalt Michael Cohen in Zweifel gestellt wird. 

Verfällt Donald Trump in Panik?

Trumps Tweet wirft eine einfache Frage auf: Warum stellt sich der US-Präsident in der Russland-Affäre so ungeschickt an? Warum lädt er Schuld auf sich und seine Familie?

Eine mögliche Erklärung sind die angeblichen Fake News, die Trump in seinem Tweet anspricht. Gemeint ist damit vor allem ein aktueller Bericht der “Washington Post”, der auf 14 Interviews mit Vertrauten und Mitarbeitern des Präsidenten basiert. 

Es ist ein Bericht, der das Bild eines verängstigten und wütenden Mannes zeichnet:  

Trump habe Angst wegen der Fortschritte in den Russland-Ermittlungen, schreibt die “Post” – und auch wegen der vor wenigen Tagen begonnenen Gerichtsverhandlung gegen seinen Ex-Wahlkampfmanager Manafort. 

 

► Laut einem Berater habe Trumps Anwalt Rudy Giuliani dem Präsidenten versichert, dass Mueller nichts gegen ihn in der Hand habe. 

 

Doch der US-Präsident sorge sich um seinen Sohn. Er glaube, dass Mueller dessen Leben zerstören könne – und sei es nur, weil Donald Jr. sich aus Versehen in rechtliche Schwierigkeiten gebracht habe. 

 

► Zudem sei es in den vergangenen Wochen immer wieder zu Wutausbrüchen Trumps gekommen, weil er sich sicher sei, dass Mueller versuche, Manafort dazu zu bringen, gegen ihn auszusagen. 

Auch der Sender CNN berichtet unter Berufung auf Quellen in Trumps Umfeld, dass der Präsident zunehmend Angst um seinen Sohn habe. 

Trumps Tiraden auf Twitter haben sich in den vergangenen Tagen gehäuft. Gleichzeitig wütete und polterte der US-Präsident auf Wahlkampfveranstaltungen – gegen die Medien, gegen Mueller, gegen alle, die darauf aus seien, ihn zu kriegen. 

Trump will Stärke demonstrieren.

Doch die Berichte der “Washington Post” und von CNN und Trumps Tweet am Sonntagmorgen offenbaren: der Präsident verfällt langsam in eine wütende Panik.