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10/09/2018 14:51 CEST | Aktualisiert 10/09/2018 14:51 CEST

Solaranlagen in der Sahara könnten es in der Wüste regnen lassen

Good News To Go.

David Degner via Getty Images
Eine Solarzelle zur Stromgewinnung in der Wüste.

► Forscher tüfteln seit Jahren an gigantischen Solarfarmen und Windparks zur Stromgewinnung in der Sahara. Jetzt wollen US-Wissenschaftler der University of Maryland herausgefunden haben, dass dieses Projekt einen überraschenden Effekt haben könnte.

► Im “Science”-Magazin berichten sie, dass die enormen Anlagen das Klima in der Sahara auf den Kopf stellen könnten: Laut den Computersimulationen könnte in der Sahelzone jährlich 200 bis 500 Liter mehr Niederschlag pro Quadratmeter fallen.

► Damit bekämen gerade die Regionen mehr Niederschlag ab, die in den vergangenen Jahren unter verheerenden Dürren gelitten hatten. 

Warum es in der Wüste mehr regnen könnte:

Es ist eine einfach Rechnung: In der Sahara ist es brennend heiß und oft stürmisch. Gute Voraussetzungen also für die Energiegewinnung aus Sonne und Wind. Bereits vor einigen Jahren stellte die Firma Desertec daher Konzept vor, das auf die Nutzung von Sonnenenergie setzte.

Nun erklären die Forscher:

► Über den dunklen Solarpanels erhitze sich die Luft stärker als über dem helleren Wüstenboden. Deswegen steige die Luft über den Solarflächen schneller auf als über Wüstensand.

Weil die Luft schneller aufsteige, kühle sie auch schneller ab – damit kondensiere auch die darin enthaltene Feuchtigkeit schneller. Denn je kühler Luft ist, desto weniger Wasser kann sie speichern. So bildeten sich mehr Wolken – Regenwolken. 

Der Niederschlag regt wiederum das Pflanzenwachstum an. 

► Auch die Windräder könnten den Forschern zufolge zu dem Effekt beitragen. Sie erhöhen die sogenannte Bodenspannung, was zu einer erhöhten Gewitterwahrscheinlichkeit führe.

► Wachsen nach den Niederschlägen Pflanzen, verstärke sich der Effekt noch einmal: Da die Pflanzen dunkler als der Wüstenboden sind, wird noch mehr Hitze absorbiert.

Was ihr noch wissen müsst:

Ob der errechnete Effekt je zum Tragen kommen wird, ist fraglich. Die Forscher gingen in ihrer Simulation davon aus, dass 20 Prozent der Fläche der 9,2 Millionen Quadratkilometer großen Sahara bebaut würden. Das wäre eine Fläche fünfmal so groß wie Deutschland.

Axel Kleidon vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena, nannte in der “Süddeutschen Zeitung” noch eine weitere Einschränkung. Zwar seien die Effekte “plausibel und nachvollziehbar”. Doch brächten die Pflanzen lange Zeit, um sich zu entwickeln.

So würde die von Armut betroffene Bevölkerung in der Sahel-Zone nicht allzu schnell profitieren.

(sk)